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Sieben Monate Haft

Verbaler Amoklauf Sieben Monate Haft

Hurensohn, Dorfnutte, Kinderschänder: Für solche Beleidigungen hat ein 52-jähriger Schaumburger jetzt sieben Monate Haft kassiert. Seit Jahren wittert der Mann eine Verschwörung gegen sich. Seine Hasstiraden verbreitet er im Internet.

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Quelle: Symbolfoto

Stadthagen. Ein Psychiater bescheinigte ihm vor dem Amtsgericht Stadthagen eine wahnhafte Störung. Diese hat sich offenbar seit dem Jahr 2010 immer weiter verfestigt. Die damalige Lebensgefährtin trennte sich von dem Mann. Gemeinsam hatten sie eine Wohnung in Gemeindebesitz gemietet, weshalb zu den heutigen Zielscheiben des gebürtigen Ägypters auch ein Hauptverwaltungsbeamter gehört.

Der Verstoßene fühlte sich damals offenbar um seinen Besitz betrogen. Im Laufe der Jahre wuchs der Kreis derer, von denen der Mann heute glaubt, sie hätten sich zusammengetan, um ihm zu schaden. Betroffen sind außer seiner Ex und besagtem Verwaltungsbeamten Richter sowie Rechts- und Staatsanwälte.

Anwalt wird von Fremden angerufen

Sie können ihre Namen im Internet unter anderem in Passagen wie dieser lesen: „Die Glaubt das er kommt mit seine betrug durch mit seine Nutten und Schwule Kinderschänder und Kapitalbetrüger und Diebe in Schaumburg Land.“ Der Anwalt der ehemaligen Geliebten gab zu verstehen, er werde mitunter von wildfremden Menschen angerufen. „Die fragen dann, ob ich wüsste, was über mich im Internet steht.“

Längst zeigt das Verhalten des Mannes obsessive Züge. Wird ihm das Versenden diffamierender E-Mails gerichtlich untersagt, wird er in den sozialen Medien aktiv. Inzwischen betreibt er einen Blog, der sich ausschließlich übelsten Schimpftiraden widmet. Gegen ihn laufen diverse Verfahren.

„Es ist ein zentraler Bestandteil seines Lebens, auch mit sozialen Folgen“, begründete der Sachverständige Dr. Michael von der Haar seine Diagnose. Der Mann leide an einer Psychose, jedoch nicht an einer Denkstörung, wie sie zum Beispiel mit Schizophrenie einhergehe. Von der Haar: „Es besteht Einsichtsfähigkeit, aber eine deutliche Einschränkung, entsprechend dieser Einsicht zu handeln.“

So verstünde der 52-Jährige, dass es sich bei „Hurensohn“ um eine schwere Beleidigung handelt. Er sei aber überzeugt davon, das von ihm als solches empfundene Unrecht sei derart massiv, dass er sich mit diesen Beschimpfungen quasi wehren dürfe.

"Sie wussten, dass das falsch ist"

„Wenn ich das richtig verstanden habe, sehen Sie sich als Justizopfer“, sagte Richter Andreas Feldhaus. Mit Blick auf die Beleidigungen begründete er sein Urteil: „Ich habe keinen Zweifel, dass Sie wussten, dass das falsch ist.“ Verteidigerin Jennifer Weigelt hatte unter Berufung auf Schuldunfähigkeit Freispruch gefordert.

Uneinigkeit herrschte im Saal bezüglich einer zentralen Frage: Besteht die Gefahr, dass der Mann irgendwann gewalttätig wird? Psychiater von der Haar sagte, er könne „keine körperliche Schädigungsabsicht“ erkennen. Der Rechtsanwalt der ehemaligen Geliebten, selbst auch Opfer, meldete erhebliche Zweifel an dieser Einschätzung an.

Immerhin war der Mann schon einmal gegen seine Ex handgreiflich geworden. Zum Repertoire des Mannes gehören auch Sprüche wie „Was ihr bis jetzt erlebt hat, ist harmlos“. Zeilen, die in seinen Schreiben außerdem immer wieder fallen, sind „Kommt Zeit, kommt Rat“ – dazu zum Beispiel das Bild eines offenen Grabes – und „Geduld, ihr Hurensöhne“.  jcp

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