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Spuren einer unendlichen Geschichte

Die nie gebaute Autobahn Spuren einer unendlichen Geschichte

Wäre es so gekommen wie geplant, würde die Autobahn 30 heute an Stadthagen vorbeiführen. Veränderungen in der Politik und die Ölkrise haben die Pläne jedoch zunichte gemacht. Spuren des Vorhabens in Form brachliegender Auffahrten sind aber auch heute noch sichtbar.

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„Biegen Sie rechts ab und fahren Sie auf die Autobahn.“ So könnte heute die Aufforderung eines Navigationssystems klingen, wenn die A30 tatsächlich bis Stadthagen gebaut worden wäre. Die Auffahrt war damals bereits errichtet worden – und es gibt sie noch heute. Allerdings hat sie keine Funktion und ist abgesperrt.

Quelle: tro

Stadthagen. Lothar Ibrügger, früherer SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Minden-Lübbecke und parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, hat über den Ausbau der B65 einmal gesagt, dass es sich dabei um eine „fast unendliche Geschichte“ handelt.

Auch wenn er damals insbesondere von dem Bereich rund um Minden sprach, so lässt sich das auch mit Sicherheit für den Bereich zwischen Bad Nenndorf und Stadthagen sagen. Der  2+1-Ausbau zwischen Vornhagen und Kobbensen ist so gut wie fertig und nun folgt bald der Abschnitt zwischen Bad Nenndorf und Vornhagen. Es geht also immer weiter.

 Diese langwierigen Bauarbeiten wären wahrscheinlich nicht notwendig, wenn vor vielen Jahren die Autobahn 30 im Bereich Stadthagen gebaut worden wäre und damit für eine schnelle Verbindung zwischen Osnabrück und Hannover zu schaffen. Heute erinnern nur noch die Auffahrten – in eine Richtung jeweils verwaist und zugewuchert – in Vornhagen und bei Nienstädt zur heutigen Stadtautobahn an die damaligen Pläne. Diese waren schon weit gediehen.

 

 Die großen Ziele in den siebziger Jahren

 

 

 „Zwischen 1969 und 1979 wollten die Politiker das Autobahnnetz groß ausbauen“, berichtet Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Devise von Bundesverkehrminister Georg Leber war, dass „kein Deutscher mehr als 20 Kilometer von einer Autobahnauffahrt entfernt leben“ soll. Fahrräder habe es damals kaum gegeben. Die Wege sollten schnell sein – in Form eines dichten Autobahnnetzes, so Brockmann. Regierungswechsel und die neue grüne Bewegung hätten immer wieder dazu geführt, dass Zeit verloren gegangen sei und sich die Voraussetzungen änderten.

 Außerdem seien die Ölkrisen zunächst im Jahr 1973 und erneut 1979 dazwischen gekommen. Die Planungen waren zwar konkret, doch die Umsetzungen gerieten ins Stocken. Der damalige Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier erinnert sich noch gut an die Zeit. Er habe stets für die Autobahn gekämpft und trauert der Chance nach: „Eine Autobahn wäre für Schaumburg natürlich ein großer Gewinn gewesen.“ Der Plan sei vollständig durchfinanziert gewesen: Die Strecke der A30 sollte parallel zur B65 bis Stadthagen entlang führen. Bückeburg, Vehlen, Gelldorf und Nienstädt wären nördlich umgangen worden –ein großer Vorteil für die Anwohner. Südöstlich von Stadthagen war die Querung der B65 und die Führung um Stadthagen geplant, sodass östlich der Stadt ein weiterer Anschluss an die B65 erfolgen sollte. Zwischen Stadthagen und Hannover war die Trassenführung südlich von Lindhorst, nördlich von Beckedorf und nördlich von Bad Nenndorf vorgesehen.

 Doch der Plan sei immer weiter in den Hintergrund gerückt. Stattdessen gewannen die Straßen im Osten an Bedeutung. Stadthagen habe dagegen im Bundesverkehrswegeplan immer weiter an Priorität verloren. Immer wieder sei der Landkreis Schaumburg vertröstet worden, schließlich waren die Kassen des Bundes leer. Der damalige Landrat habe immer wieder auf die dichte Besiedlung in Schaumburg hingewiesen und auf eine bessere Anbindung gepocht. Die Pläne einer Autobahn waren mittlerweile zur Utopie gereift – offensichtlich auch, weil die Trassenführung nicht unumstritten war.

Stadthagens Lebensader

 Eine Lösung zeichnete sich erst zehn Jahre später – in den Neunzigern – ab. Als Ersatzmaßnahme für die A30 sahen die Verantwortlichen den Ausbau der B65 für dringend erforderlich, mit der heute umgesetzten 2+1-Lösung. Zwar war damit klar, dass es keine zweite Autobahn geben werde, doch der Ausbau der B65 machte Hoffnung auf eine bessere Anbindung an die A2. Die B65 sei die heutige Lebensader für Stadthagen, so Schöttelndreier – ein vollständiger Ausbau entscheidend für eine Ansiedlung von Unternehmen. Auch Brockmann hält den 2+1-Ausbau für zeitgemäß. Den Ausbau der B217 zwischen Hannover und Hameln hält er für gelungen. Er sei ein Beispiel, wie effektiv eine Bundesstraße sein kann.

 Der damalige Ministerpräsident Sigmar Gabriel habe um die Jahrtausendwende Druck gemacht, dass die Pläne in die Tat umgesetzt wurden, berichtet der damalige Landrat. 2002 sei es dann so weit gewesen. Der Landkreis sei mit dem Projekt „2+1-Ausbau“ in die Pauschalfinanzierung des Bundes gekommen. Allerdings waren viele der B65-Anrainer wenig erfreut über die Pläne. Eine Bundesstraße gleich vor der Haustür war natürlich nicht der Traum der meisten Hausbesitzer, erinnert sich Schöttelndreier. Die Probleme mit den Anwohnern wären damals nicht entstanden, wenn die Autobahn gebaut worden wäre. Die wäre weitläufig um die Dörfer geführt worden.

 Auf einem guten Weg

Schöttelndreier sieht noch viel Potenzial beim Ausbau der B65. Die Autofahrer müssten an einigen Stellen, vor allem auf dem Weg von Stadthagen nach Bückeburg viel Geduld aufbringen. Viele Ortschaften, Tempolimits und Radarfallen bremsen die Autofahrer aus. Der Traum von der A30 ist ausgeträumt: „Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass sich Schaumburg mit einer direkten Autobahnanbindung anders entwickelt hätte.“

 Der Landkreis sei aber wieder auf einem guten Weg: Bad Nenndorf, Lauenau und Rodenberg würden derzeit brummen, hier sei die Nähe der A2 gut zu spüren. „Eine gute Verkehrsanbindung ist einfach das A und O für eine Region“, ist der damalige Landrat von Schaumburg überzeugt. Deshalb sei auch der weitere 2+1-Ausbau der B65 rund um Stadthagen dringend erforderlich – am besten so schnell wie möglich. jemi

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