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Stadt investiert ins Nachtjackenviertel

Anlieger zahlen jeweils 2500 Euro Stadt investiert ins Nachtjackenviertel

Mehr als 2,1 Millionen Euro will die Stadt bis 2020 in das sogenannte Nachtjackenviertel investieren. Neben dem verkehrsberuhigten Ausbau der Straßen sollen die vorhandenen Mischwasserkanäle durch Regen- und Schmutzwasserkanäle ersetzt werden.

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Die Hedwigstraße soll 2017 ausgebaut werden, die Magdalenenstraße folgt 2020.

Quelle: rg

Stadthagen. 2016 ist der Ausbau des Annaweges und der Marienstraße geplant, es folgen 2017 die Hedwigstraße, 2018 die Luisenstraße, 2019 die Gretchen- und Sophienstraße sowie 2020 die Magdalenen- und Karolinenstraße.

 Für die Umstellung von Misch- auf Trennsystem bei der Abwasserentsorgung muss nach Angaben der Stadtverwaltung ein zusätzlicher Kontrollschacht auf den Grundstücken errichtet werden. Die Kosten dafür tragen die Grundstückseigentümer. Pro Anschluss rechnet das Bauamt mit 2500 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Anlieger, die ihre Grundstückszufahrten an die neu geschaffene Ebenerdigkeit der Straße anpassen müssen.

 Die Gesamtkosten für den Straßennachausbau betragen nach Angaben der Stadtverwaltung 1,7 Millionen Euro, für den Kanalbau beträgt der städtische Anteil demnach 450000 Euro. Dabei handelt es sich allerdings um eine Schätzung, stellt Bauamtsleiters Gerd Hegemann klar. Die genaue Ausgestaltung der einzelnen Maßnahmen müsse noch in Beteiligungsverfahren und politischen Beratungen geklärt werden.

 Entscheidender für die Höhe der Kosten sei aber der Zeitpunkt der Ausschreibung, betont Hegemann. „Zu Jahresbeginn ist es in der Regel günstiger, weil die Firmen noch nicht ausgelastet sind. Wir müssen aber abwarten, bis der Haushalt genehmigt ist. Das dauert häufig bis Mai.“

 Klar ist jedoch: Wie in den bereits ausgebauten Straßen Dammweg, Feld- und Wiesenstraße sollen Radfahrer, Fußgänger und Kraftfahrer im Nachtjackenviertel künftig gleichberechtigt sein. Außer dem niveaugleichen Ausbau ohne Borde sind nach derzeitigem Planungsstand eine rote Pflasterung und Pilzleuchten vorgesehen. „Wir bemühen uns beim Ausbau der verkehrsberuhigten Straßen um eine einheitliche Gestaltung, um den Autofahrern ein klares und verlässliches Signal zu geben“, erklärt Hegemann.

 Bisher nicht berücksichtigt sind taktile Elemente als Orientierung für Menschen mit Sehbehinderung. Darauf hatte Katrin Lüdeke in der jüngsten Sitzung des städtischen Behindertenbeirates hingewiesen. Lüdeke ist nicht nur Mitglied in dem Gremium, sondern setzt sich im Vorstand des niedersächsischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes auch auf Landesebene für die Belange von Menschen mit Sehbehinderung ein.

 „In der Feld- oder der Wiesenstraße war dies auch nie Thema“, erklärt Hegemann. „Wir benutzen taktile Elemente vor allem in stark frequentierten Bereichen wie Verkehrsinseln. In verkehrsberuhigten Straßen haben Fußgänger sowieso Vorrang, und die Autos dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren.“

 Allerdings würden rechtzeitig vor Baubeginn die detaillierten Planungen nochmals vorgestellt. Dabei könnten auch Sehbehinderte ihre Vorstellungen einbringen. Darüber hinaus sei der Behindertenbeirat über den Planungs- und Bauausschuss an den Beratungen beteiligt. ber

Das Nachtjackenviertel

Das Wohnviertel im Süden der Stadt, in dem die Straßen Frauennamen tragen (Hedwigstraße, Magdalenenstraße, Gretchenstraße, etc.) war nach dem Zweiten Weltkrieg die erste geschlossene Flüchtlingssiedlung in der Stadt. Von 1950 bis 1955 entstanden dort Häuser, oft bezogen von Bergleuten aus dem Osten. Nun hatten die Frauen der Flüchtlingsfamilien die Angewohnheit, morgens die Federbetten und ihre Nachtjacken auf den Fenstersimsen zum Lüften auszulegen, weiß der Stadthäger Gästeführer Gerhard Tüting zu berichten. Die beschriebene Art der Schlafzimmerhygiene war den Stadthägern gänzlich unbekannt – und das Viertel hatte so seinen Namen weg: Nachtjackenviertel. Noch heute, so Tüting, wisse jeder ältere Stadthäger sofort, welche Ecke in Stadthagen gemeint ist, wenn es um das Nachtjackenviertel geht. sk

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