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Stadthagen Stadt Stadthäger entdeckt 3500 Jahre alten Dolch
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Stadthäger entdeckt 3500 Jahre alten Dolch
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00:17 20.06.2016
Zu Wildhagens Ausrüstung gehört neben einem Metalldetektor auch ein Gürtel mit Werkzeug. Außerdem darf die Glückskappe nicht fehlen. Foto: mak
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STADTHAGEN.

 „Aus dieser Zeit gibt es vielleicht zehn weitere Fundstücke, weshalb es sich um eine ganz besondere Entdeckung handelt“, sagt der Kommunalarchäologe Jens Berthold, der die etwa zehn Zentimeter lange Klinge im Gespräch mit den SN ausgiebig begutachtet.

Der sensationelle Fund kam für Hobbyschatzsucher Wildhagen unerwartet: „Ich bin seit mittlerweile einem Jahr regelmäßig unterwegs und man findet auch viel Schrott“, erklärt er.

Als sein Detektor anschlug, entdeckte er in der Erde etwas Schimmerndes. „Ich buddelte vorsichtig immer weiter und schickte schließlich Herrn Berthold ein Foto“, sagt Wildhagen. Ob er etwas Brauchbares gefunden habe, wollte er wissen. Als er erfuhr, dass sein „Schatz“ dem ersten Eindruck zufolge etwa 2000 Jahre alt sein muss, sei ihm „ordentlich die Pumpe“ gegangen.

Berthold wollte das Fundstück schließlich aus nächster Nähe betrachten. „Gewisse Spuren an der Klinge deuten darauf hin, dass es sich um einen Dolch handeln muss, eventuell sogar um den Rest eines Schwertes“, sagt der Archäologe. In Schaumburg ist bisher nur ein weiteres Schwert aus der Bronzezeit bekannt, welches in Reinsen gefunden wurde und heute im Museum Eulenburg in Rinteln zu sehen ist.
Was die Geschichte des Dolches betrifft, äußert Berthold eine ziemlich konkrete Vermutung: „Wahrscheinlich war an dieser Stelle ein Grabhügel, der im Lauf der Zeit durch die landwirtschaftliche Nutzung eingeebnet worden war. Die Grabkammer wurde weggepflügt“, schlussfolgerte der Archäologe. Männer wurden nach ihrem Tod in der Bronzezeit häufig mit Schwertern beigesetzt, der Dolch könnte aber auch eine absichtlich vergrabenes Opfergabe sein, erklärt der Wissenschaftler.

Berthold ist als Kommunalarchäologe für die Landkreise Schaumburg, Nienburg und Hameln zuständig. Er betont, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen ihm und Schatzsuchern wie Wildhagen ist. Der Stadthäger hat sich nämlich, so wie es in diesem Bereich geregelt ist, eine Bescheinigung zugelegt, die ihm das Suchen offiziell erlaubt.

„Wir hatten schon oft Gerichtsverfahren, in denen wir es mit Menschen zu tun hatten, die illegal nach historischen Dingen suchen“, sagt Berthold. Das Problem sei dabei nicht nur, dass die zum großen Teil ahnungslosen Schatzräuber bei ihren Streifzügen Schauplätze von historischer Bedeutung zerstören. „Messer, Münzen oder ähnliche Gegenstände, die einfach mit nach Hause genommen werden und irgendwo verstauben, sind für uns verloren.“ Wer ohne Bescheinigung bei der Räuberei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen, warnt der Experte.
Wildhagen hingegen hat sich auf offiziellem Wege das Grundwissen angeeignet. „Und wenn ich mir bei etwas unsicher bin, habe ich ja mit JensBerthold einen Ansprechpartner, der mir schnell weiterhelfen kann“, betont der Stadthäger.

Bevor der Dolch an ein Museum, in diesem Fall das Museum Amtspforte in Stadthagen, übergeben werden kann, muss er gefestigt werden: „Dafür verwenden wir eine wachsartige Substanz, die dafür sorgt, dass der Dolch an den Kanten nicht anfängt zu bröckeln“, erklärt Berthold. Bis dahin kann Wildhagen seinen Fund noch genießen und Freunden und Familie stolz präsentieren. „Ich glaube nicht, dass ich so etwas noch einmal finde.“ mak

Was man als Schatzsucher beachten muss

  • Wer sich legal mit einem Metalldetektor auf große Schatzsuche begeben möchte, sollte zunächst einen für den jeweiligen Landkreis zuständigen Archäologen kontaktieren. Im Fall von Schaumburg ist das Jens Berthold: Der Experte arbeitet bei der Schaumburger Landschaft, Schloßplatz 5, in Bückeburg, Telefon (0 57 22) 95 66 15, Mobil 01 62-3 87 17 83, E-Mail berthold@schaumburgerlandschaft.de.
  • Pro Jahr werden in Hannover zwei Kurse angeboten, die Schatzsuchern das nötige Grundwissen für ihre Entdeckungstouren verleihen. „Da das Hobby im Moment sehr boomt, kann es aber dauern, bis man einen Platz bekommt“, weiß Stefan Wildhagen.
  • Nach den Kursen wird der Schein bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises beantragt. Dort muss die Genehmigung einmal im Jahr verlängert werden.
  • Wer vorher erst mal in das Hobby reinschnuppern möchte, kann als Gast an einer Grabung teilnehmen, um sich ein Bild zu machen, empfiehlt Berthold. „Oder man begleitet jemanden, der bereits eine gültige Bescheinigung besitzt und schaut beim nächsten Ausflug einmal über die Schulter.“ mak
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