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Stadthagen bekommt sein Bier zurück

Toni Ahn-Bosch braut auf ehemaligem „Meyer’s Bitter“-Gelände Stadthagen bekommt sein Bier zurück

Der Begriff Bier ist in Deutschland tendenziell positiv besetzt. Dem einen oder anderen Suchtberater vielleicht zu positiv, aber das ist ein anderes Thema. In Stadthagen im Speziellen geht das Blonde mit einem Geschmäckle runter, seit unter höchst fragwürdigen Umständen die Schaumburger Privat-Brauerei als Quelle des heimischen Pilses versiegt ist. In diese Düsternis will nun jemand Licht bringen – und schon bald wieder Bier auf Stadthäger Boden brauen.

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„Diese ganze negative Stimmung“ soll weichen: Toni Ahn-Bosch (rechts) und Daniel Sander wollen Druck auf den Kessel geben. 

Quelle: rg

Stadthagen. Die Idee dazu kam Toni Ahn-Bosch vom Hotel Zur Amtspforte nach eigenen Angaben im November 2015. Grund sei die Brauerei-Pleite gewesen. Der 42-Jährige habe das so empfunden: „Diese ganze negative Stimmung aus den vergangenen Jahren, wegen der großen Firmen, die weggegangen sind, wegen der manchmal wie leergefegten Innenstadt; ich hatte das Gefühl, für viele war das dann der Gipfel, als es hieß, die Brauerei ist insolvent.“

Ein Statemet setzen

„Alles“ sei da zusammenkommen. Ein Gegenpol habe hergemusst. Ein Statement wollte der Amtspforten-Geschäftsführer machen. Pro Stadthagen. Das war Ahn-Bosch sogar so wichtig, dass er beschloss, ein nicht ungewisses unternehmerisches Risiko einzugehen.
Zum Bierbrauen wird schließlich eine entsprechende Anlage benötigt. Und die können die wenigsten aus der Portokasse zahlen. Im Internet wurde Ahn-Bosch fündig, bei einer kleinen Privat-Brauerei in Bayern. Die zahlreichen Mikrobrauereien des südlichsten Bundeslandes sind ein Vorbild für den Stadthäger.
Die bajuwarischen Kollegen hatten sich soeben vergrößert und waren nun bereit, ihr altes Sechs-Hektoliter-Gerät zu verkaufen. Kostenpunkt: 35 000 Euro. Eine Entscheidung, nach der es kein Zurück mehr geben würde. „Aber ich habe einfach gedacht, für so eine interessante Unternehmung, das ist es wert“, sagt Ahn Bosch. „Stadthagen soll sein Bier zurückbekommen.“

Viele Unterstützer

Etwas leichter dürfte die Entscheidung gemacht haben, dass Ahn-Bosch – selbst kein Brau-Spezialist – bereits zuvor geballtes Fachwissen von seiner Idee überzeugen konnte. Beratend stehen dem Unternehmer Ehemalige aus dem Umfeld der Schaumburger Privat-Brauerei zur Seite. Mit seiner Expertise hilft außerdem Daniel Sander aus, der vor einigen Jahren im benachbarten Minden die Marke Weser-Pils erfolgreich wiederbelebt hat.
Untergebracht ist die Anlange auf 60 Quadratmetern in der ehemaligen „Meyer’s Bitter“-Immobilie, mitten im Herz von Stadthagen. Losgehen, sagt Ahn-Bosch, könne es theoretisch „ab sofort“.
Allerdings gebe es noch offene Fragen, die er zusammen mit den Stadthägern beantworten möchte. So zum Beispiel: „Welches Bier wollen wir eigentlich haben?“ Bei einer Party, die noch angekündigt wird, sollen nach aktuellem Planungsstand drei Sorten zur Auswahl stehen: norddeutsch herb, süddeutsch süß, mitteldeutsch süffig. Dann entscheiden die Kreisstädter. Ebenfalls noch nicht geklärt ist laut Ahn-Bosch, ob hier ein Stadthäger oder – etwas umfassender – ein Schaumburger Bier entsteht.
Durchaus geklärt ist derweil das Verhältnis zu Ex-Brauerei-Chef Friedrich-Wilhelm Lambrecht ebenso wie das zu den Nienstädter Getränkehändlern Hans-Harm und Christian Damke, das sich die Namensrechte am Schaumburger Pils gesichert hat. Zu beiden hat Ahn-Bosch Kontakt aufgenommen, böses Blut gebe es keines.
„Bier ist ein emotionales Produkt“, ist Ahn-Bosch überzeugt. Nach dieser Anschauung könnte, wenn alles klappt, Stadthagen mehr als nur ein Bier zurückbekommen. Ahn-Bosch: „Ich will den Leuten zeigen, es laufen nicht einfach alle Firmen weg, alles ist in Bewegung, es kommen auch welche wieder.“ Und neue werden gegründet.

jcp

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