Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Stadthagen unter Schock

Totes Kind: Hätte das Drama verhindert werden können? Stadthagen unter Schock

Einen Tag nach dem tragischen Unfalltod eines siebenjährigen Mädchens ist die Betroffenheit groß. Viele Menschen haben auf unterschiedliche Weise ihre Anteilnahme zu Ausdruck gebracht. Doch es werden auch kritische Fragen aufgeworfen.

Voriger Artikel
Big Band spielt sich in die Top 5
Nächster Artikel
Kanalsanierung an Bahnhofstraße und Nordring

Niedergelegte Blumen und Stofftiere an der Unglücksstelle.

Quelle: rg

Stadthagen. Hätte der Unfall verhindert werden können? Warum wurde die von unterschiedlichen Seiten – unter anderem von Eltern und Anwohnern – angeprangerte, gefährliche Verkehrssituation an der Ecke Lauenhäger/Vornhäger Straße bisher nicht entschärft?

Entsetzen und tiefe Trauer herrschen nach Auskunft von Schulleiter Frank Plagge an der Grundschule Am Stadtturm, wo das Mädchen die zweite Klasse besucht hatte. Zwei Notfallseelsorger und zwei Schulpsychologen kümmerten sich noch am Tag des Unglücks „um die gesamte Schulgemeinschaft“, so Plagge – speziell um unter Schock stehende Schüler. „Dabei geht es um Trauerarbeit, um Hilfen für die Kinder, das Geschehene zu verarbeiten“, erläutert Plagge. Das könne durch Gespräche passieren oder durch Aktivitäten wie etwa das Malen eines Bildes. Noch am Tag des Vorfalls reagierte die Schule mit einem Elternbrief. In diesem wird unter anderem Hilfe angeboten, falls „Sie Fragen haben oder professionelle Unterstützung für Ihr Kind suchen“, wie es in dem Schreiben heißt. Gestern fanden an der Grundschule die Bundesjugendspiele statt. Daran sei auch deswegen festgehalten worden, um den Schülern Gelegenheit zu geben, auf andere Gedanken zu kommen, erklärt Plagge. Für den heutigen Mittwoch ist eine Trauerfeier geplant „in der des Mädchens in einer würdigen Form gedacht werden soll“, wie der Rektor sagt. Zudem werden heute fünf Schulpsychologen im Einsatz sein.

Stadthäger ADFC hat solchen Vorfall immer befürchtet

Die „sehr gefährliche Ecke“ sei „fürchterlich eng“ und daher „katastrophal unübersichtlich“, urteilt Andreas Klausing vom Ortsvorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) mit Blick auf die Stelle, an der das Mädchen am Montagmorgen von einem abbiegenden Lkw überrollt wurde. Er habe einen solchen Vorfall dort immer schon befürchtet. Die „Arbeitsgemeinschaft Radwege“, der Klausing angehört, sei bei einem Ortstermin im vergangenen Herbst zu der Überzeugung gelangt, „dass die Lage dort entschärft werden muss“.

Auf die gefährliche Situation hingewiesen hatte vor Jahren auch bereits Matthias Gläser, Vorsitzender des Stadthäger Behindertenbeirats. Seine älteste Tochter hatte 2010 an derselben Stelle bei einem Unfall mit einem Lastwagen und ähnlicher Konstellation „Riesenglück“ gehabt, wie Gläser sagt: „Sie wurde nur am Fuß verletzt.“

Daraufhin hatte Gläser im Bauausschuss des Rates eine Verbesserung der Lage angemahnt. Daraus sei damals die Idee entstanden, den Radweg auf der Vornhäger Straße auf den letzten Metern vor der Kreuzung auf die Fahrbahn zu verlegen, kräftig zu markieren und mit Warnbaken abzugrenzen. „Radfahrer würden so von Kraftfahrern besser wahrgenommen, und Fahrzeuge würden zu einem größeren Abbiege-Radius gezwungen, was die Situation zusätzlich entschärft hätte.“ Gläser: „Die Idee war gut, ist aber leider nie umgesetzt worden.“

Bürgermeister Theiß: "Die Zeit hat uns überholt"

Die Stadtverwaltung wehrt sich gegen die Vorwürfe, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben. „Die Zeit hat uns leider überholt“, bedauert Bürgermeister Oliver Theiß. Als Familienvater sei der Unfall auch für ihn „sehr bedrückend“. Auch wenn die bisher unternommenen Schritte den Unfall nicht hätten verhindern können, seien doch einige Maßnahmen in der Vergangenheit umgesetzt worden. So sei an der Ampel eine Vorschaltphase für Radfahrer eingerichtet und der Übergang auf der Lauenhäger Straße rot markiert worden. Andere Maßnahmen wie die Verbreiterung des Fußweges seien aus Kostengründen nicht erfolgt.

Von weiteren Fahrbahnmarkierungen auch auf der Vornhäger Straße bis hinein in den Kurvenbereich ist nach Worten von Theiß jedoch mit Blick auf die geplante Komplettsanierung inklusive eines Kreiselbaus (wir berichteten) abgesehen worden. Und zwar nachdem die Stadt in ein Landesförderprogramm aufgenommen wurde. Zumal laut Theiß eine Prüfung ergeben hat, dass der Unfallschwerpunkt im Scheitelpunkt der Kurve auch durch einen größeren Radius beim Abbiegen nicht behoben werden kann.

Als Reaktion auf den tödlichen Unfall will die Stadt nun der Kreiselbau beschleunigen. Weil aber die Besitzverhältnisse nicht nur hinsichtlich der Straßen, sondern auch bei Grundstücken und Gebäuden schwierig seien, ist nach Worten von Bauamtsleiter Gerd Hegemann mit einem Baubeginn frühestens 2018 zu rechnen.

tbh, ssr

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr zum Artikel
Neue Ampelschaltung
Anstatt an dieser Stelle der Vornhäger Straße nach rechts auf die Umgehungsstraße abzubiegen, fahren etliche Lastwagen in Richtung Stadt weiter.

Als Reaktion auf den dramatischen Unfalltod eines siebenjährigen Mädchens will die Stadtverwaltung an der fraglichen Abzweigung kurzfristig zusätzliche Fahrbahnmarkierungen aufbringen.

mehr

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr