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Stadthagens Alleinkämpfer

Geschäftsleute der Niedernstraße Stadthagens Alleinkämpfer

Die Geschäftsleute der Niedernstraße sind genervt – und zwar vom schlechten Image ihrer Einkaufsstraße. Immer wieder werde es geschürt. „Wie kann es sein, dass ein Geschäft in der Obernstraße geschlossen und im gleichen Atemzug von der Problemzone Nordstadt und Niedernstraße gesprochen wird“, ärgert sich Michael Kausch, Inhaber von Schlafambiente Impuls.

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STADTHAGEN. Im Kernbereich der Innenstadt seien Leerstände scheinbar kein Problem. Dieser Eindruck entstehe zumindest, so Kausch, wenn man die Aussagen der Stadtmarketing-Mitglieder höre. „Wir sind und bleiben das Problemviertel, obwohl es rund um den Markt die gleichen Schwierigkeiten gibt“, meint auch Jost Böger vom Fachgeschäft Böger Kreativ. Das schlechte Image habe negative Konsequenzen für ihre Unternehmen. Laufkundschaft gebe es kaum noch. Auch auswärtige Kunden, die sich ihre Informationen aus dem Internet holen, könnten schon im Vorfeld abgeschreckt werden und den Weg nach Stadthagen erst gar nicht antreten.

Natürlich weiß auch Stadthagens Bürgermeister Oliver Theiß von der schwierigen Lage in der Innenstadt, insbesondere der Niedernstraße. „Vor 30 Jahren sah die Situation ganz anders aus“, weiß er. Da habe es in der Straße noch gebrummt. Theiß möchte gerne zu diesen Zeiten zurück. Aber auch heute dürfe man nicht vergessen, dass es sehr gute Fachgeschäfte in der Niedernstraße gebe, und das seit langer Zeit. Es wäre falsch zu sagen, der Bereich der Stadt sei hauptsächlich von Wettbüros geprägt, warnt der Bürgermeister. Aber natürlich hätten diese Läden nicht zu einer Steigerung des Images beigetragen.

Realisierung für Böger und Kollegen ungewiss

Mit den entfallenen Parkgebühren an der Niedernstraße sei bereits ein erster Schritt zur Attraktivitätssteigerung umgesetzt worden, steht für Theiß fest. Aber auch der Bürgermeister weiß, dass diese Maßnahme keine Laufkundschaft bringt. Dafür müsse das ganze Viertel wieder attraktiver gestaltet werden. Dazu gehöre auch ein schönes Wohnviertel, von dem die Geschäfte profitieren könnten. Das seien alles Aspekte, mit der sich auch die von der Stadt initiierte Gesamtstrategie befasse (wir berichteten). Aber letztendlich sei es schwierig vorauszusehen, wie sich der gesamte Handel entwickele, vor allem in Hinblick auf den zunehmenden Online-Handel.

Böger und seine Kaufmanns-Kollegen mögen jedoch nicht noch länger auf neue Konzepte und deren Umsetzung warten. Sie befürchten, dass es erneut an der Realisierung hapern wird. Es werde zwar viel in Arbeitskreisen gesprochen und entwickelt, aber die zählbaren Ergebnisse fehlen, bemängeln Böger und Kausch. Die beiden erinnern sich etwa an ein – im Sande verlaufendes – Kunst-Projekt, als vor gut zehn Jahren eine Hausfassade an der Ecke Krumme Straße/Nordwall mit einem Bild verschönert werden sollte. Das Geld habe der Künstler offensichtlich auch bekommen und das Bild sei fertig. Doch das Haus, das mittlerweile in privatem Besitz sei, habe nach wie vor eine große weiße Fläche. Das sei nur ein kleines, aber anschauliches Beispiel für nicht umgesetzte Projekte.

Lob findet Böger aber beispielsweise für den Vorstoß von Bürgermeister Theiß für eine Markthalle. Doch der sei dann bekanntlich auch wieder schnell von der Politik abgebügelt worden.

 „Die Welt ist schneller geworden, Stadthagen aber langsamer“

Auch bei der Umsetzung der Veranstaltungen in der Innenstadt werde die Niedernstraße kaum mit einbezogen, bemängelt Böger. Ob Autoschau oder Harley-Treffen – hier spiele sich alles im Bereich von Markt und Obernstraße ab. Aus diesem Grund seien die Händler der Niedernstraße auch vor einigen Jahren aus dem Stadtmarketing ausgetreten. „Es hat uns einfach nichts gebracht.“ Da könne das Geld besser in eigene Aktionen gesteckt werden. „Wir würden aber auch wieder eintreten, wenn stärker an einem Strang gezogen wird“, sagt Böger. Im Moment sehen sich die Händler der Niedernstraße eher als Alleinkämpfer.

In anderen Städten, wie Bückeburg und Wunstorf, – so haben Kausch und Böger beobachtet – funktioniere die Zusammenarbeit besser. „Manchmal haben wir das Gefühl, dass man uns am langen Arm verhungern lässt.“ Chancengleichheit könne er nicht feststellen. Böger und Kausch, die schon seit zwei Jahrzehnten an der Niedernstraße ihre Geschäfte führen, denken immer wieder an ihre Zukunft in Stadthagen. „Ich komme aus Stadthagen und möchte hier bleiben“, erklärt Böger und schränkt dann ein: „Aber nicht um jeden Preis.“ Entwickele sich die Stadt in die Richtung der vergangenen Jahre, sei ein Verbleib schwierig und kaum realisierbar. Stadthagen habe keinen Magnet und ein langweiliges Image bekommen. „Die Welt ist schneller geworden, Stadthagen aber langsamer.“

Günter Raabe, Vorsitzender des Stadtmarketings, bedauert auf SN-Anfrage, dass die Kaufleute aus der Niedernstraße die Kluft zwischen ihrer Geschäftsstraße und der Obernstraße als so groß ansehen. „Wir haben eine große Fußgängerzone.“ Gerade bei der Autoschau wollen die Autohäuser auf den Marktplatz. Da sich nicht mehr so viele Autohäuser für die Veranstaltung finden, sei es schwierig, die komplette Innenstadt zu bestücken.

Auch Raabe sieht Baustellen, wie die Sanierung der Häuser an der Krummen Straße. „Vieles liegt einfach nicht in unserer Hand.“ Aber auch er sieht die Notwendigkeit, dass die Händler zusammenhalten. „Wir müssen Stadthagen insgesamt interessanter machen und nicht einzelne Straßen hervorheben“, sagt der Stadtmarketing-Vorsitzende. Alle Straßenzüge profitierten schließlich voneinander.  jemi

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