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Steimle gewinnt Wettbewerb „Wohnen am Nordwall“

Neubau-Komfort im Mittelalter-Quartier Steimle gewinnt Wettbewerb „Wohnen am Nordwall“

Nach acht Stunden stand der Sieger des Architekturwettbewerbs „Wohnen am Nordwall“ fest: Der Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Steimle hat die siebenköpfige Jury aus Fachleuten und Lokalpolitikern überzeugt und sich gegen 13 weitere Vorschläge durchgesetzt.

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Architekt Thomas Steimle vor seinem Modell, mit dem er die Jury überzeugt hat.

Quelle: rg

Stadthagen. Dabei galt es vor allem, das Spannungsfeld zwischen Abreißen und Erhalten zu lösen. „Wir wollen neues Wohnen in der alten Stadt. Das Projekt soll eine Initialzündung für die Nordstadt sein, die als Wohnort wieder verstärkt ins Bewusstsein rücken soll“, erklärt Bauamtsleiter Gerd Hegemann.

Architekt Thomas Steimle und sein Team haben den Charakter eines mittelalterlichen Stadtquartiers erhalten, baugeschichtliche Elemente der Weserrenaissance wie Fensterbögen aufgenommen und mit einer Formsprache kombiniert, an der zu erkennen ist, dass es sich um neue Gebäude handelt.

Erhalten bleiben in dem Entwurf das denkmalgeschützte Dielendurchgangshaus an der Krummen Straße mit seiner Fachwerk-Fassade und die alte Wagenhallen-Remise im Innenhof. Über einen Durchgang gelangen Fußgänger von der Nordwall-Seite in den Innenhof und von dort durch eine Passage im Dielendurchgangshaus bis zur Krummen Straße.

Insgesamt fünf Häuser mit ortstypischen steilen Satteldächern sollen auf dem Grundstück mit der Hausnummer 35 Platz finden. Die Stockwerkszahl variiert zwischen zwei- und drei Stockwerken, je nach Höhe der Nachbargebäude. Bewusst offen gelassen habe er die Art der Nutzung, so Steimle. „Denkbar sind sowohl Stadthäuser als auch Etagenwohnungen.

Wichtig war uns, den Komfort von Neubauten in eine mittelalterliche Stadtparzelle einzufügen.“ Die Remise im Innenhof soll als Gemeinschaftsraum dienen. Durch die nach hinten gezogene Bebauungslinie will Steimle die Flucht der Krummen Straße erweitern.

„Es wäre schön gewesen, wenn noch mehr alte Gebäude erhalten geblieben wären. Aber in keinem der 14 eingereichten Entwürfe war vorgesehen, den gesamten Baubestand zu erhalten“, bedauert Hegemann, der betont, dass die Entscheidung der Jury sehr schwer gefallen sei. Bürgermeister Oliver Theiß fühlte sich gar erinnert an „Die zwölf Geschworenen“. Mehr als acht Stunden habe die Jury um eine konsensfähige Lösung gerungen. Mit Erfolg: „Die Entscheidung war am Ende einstimmig“, betont Hegemann.

Dass sich vor allem die in der Jury sitzenden Lokalpolitiker für den Erhalt der alten Gebäude ausgesprochen hatten, verriet Preisrichter Wolfgang-Michael Pax. Es gebe immer ein Spannungsfeld zwischen Erhalten und Abreißen, zwischen Erinnerungsort und Neubeginn. „Das gehört zu einer Stadt dazu. An den verschiedenen Baustilen lässt sich die Stadtgeschichte ablesen wie das Alter eines Baumes an den Ringen seines Stammes.“

Ob der Siegerentwurf tatsächlich umgesetzt werden kann, müssten nun die Gespräche mit möglichen Investoren zeigen, so Theiß. „Jetzt rückt verstärkt der Gedanke der Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund. Wenn ein anderer Entwurf nur die Hälfte kostet, fällt das natürlich ins Gewicht.“

Für Thomas Steimle und sein Team zahlt sich der Sieg mit einem Preisgeld von 8 000 Euro aus. Dass sich der Wettbewerb auch für Stadthagen lohnen wird, davon ist Theiß überzeugt. „Unser Ziel war es, ausgetretene Pfade zu verlassen und Input und Ideen aus ganz Deutschland einzuholen. Das ist gelungen. ber

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