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Streitthema Kopfsteinpflaster

Eine Stadt steckt fest Streitthema Kopfsteinpflaster

Schon seit etlichen Jahren wird über das Kopfsteinpflaster in der Altstadt gestritten. Viele kritisieren, es stelle besonders für Passanten mit Rollator, Kinderwagen oder hohen Schuhabsätzen ein Hindernis dar. Getan hat sich bislang so gut wie nichts. In der Umgebung sind viele schon einen Schritt weiter.

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Solche Absätze mögen eher selten sein. Trotzdem gibt das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt immer wieder Anlass für Ärger. 

Quelle: rg

Stadthagen. Nun fordert wie berichtet die Ratsgruppe WIR/FDP, zur Beseitigung des Problems 250.000 Euro in den Etat für 2015 einzustellen. Die anderen Fraktionen reagieren darauf aber zurückhaltend.

Am Dienstag musste ein vom Bauamt initiierter Test, das Kopfsteinpflaster abzufräsen und dadurch flacher zu machen, nach wenigen Sekunden abgebrochen werden. „Der Zahnkranz der Fräsmaschine ist gebrochen“, berichtete Tiefbauamtsleiter Uwe Matulinski. Ob der Versuch wiederholt wird, ist laut Matulinski noch unklar.

Auch in Städten der Umgebung spielt das Thema des Bodenbelangs in der Fußgängerzone eine große Rolle. In Hameln ist eine klare Entscheidung gefallen: „Kopfsteinpflaster ist bei der Neugestaltung noch nicht einmal in Erwägung gezogen worden“, teilt Pressesprecher Thomas Wahmes dazu mit. Aus Gründen „der besseren Begehbarkeit und der Barrierefreiheit“ hat man sich dort für flache Steine aus chinesischem Granit entschieden.

Mit der Bäckerstraße ist im westfälischen Minden seit etwa einem Jahr die zentrale Einkaufsstraße frei von Kopfsteinpflaster. Das neue Pflaster ist hell, entlang der Kante nicht abgeschrägt und soll sich daher auch für Rollstühle, Rollatoren oder Einkaufswagen eignen. Nicht nur barrierefrei, sondern auch „heller und freundlicher“ sollte die Innenstadt werden, sagt Dirk Becker, Bauleiter der Städtischen Betriebe Minden. Nicht zuletzt erwarte man sich davon positive Effekte für den Einzelhandel. Auch in anderen Teilen der Innenstadt soll das Kopfsteinpflaster verschwinden. Becker wertet das Unternehmen als Erfolg, basierend auf Reaktionen aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Die zwei Jahre Bauarbeiten in der Bäckerstraße hätten sich „absolut gelohnt“.

In Hildesheim sind in die Mitte des Kopfsteinpflasters 1,20 Meter breite Streifen aus Granitplatten eingefügt worden. „Das gewährleistet eine super Begehbarkeit“, bewertet das der Bauleiter der dortigen Hildesheimer Firma Jota Tiefbau.

Als Alternative zum Kopfsteinpflaster bietet sich laut dem Bauleiter zum Beispiel flaches „portugiesische Pflaster“ an. Auch Klinkersteine, „mit denen man farbenmäßig gut zaubern kann“, seien eine Variante. Wichtig sei es, die Fugen mit Pflastermörtel zu verfüllen, um keine Stolperfallen zu produzieren. Die wohl kostengünstigste Variante stellen nach Auskunft von Karl-Heinz Dennert, Tiefbauexperte der Stadthäger Firma Schweerbau, Steine oder Platten aus Beton dar. Diese seien „sehr angenehm zu begehen“. ssr, jcp

Erstmal ein Konzept

Das städtische Bauamt will den Ratspolitikern nach Auskunft seines Leiters Gerd Hegemann im Laufe dieses Jahres mehrere Alternativen vorlegen, wie mit dem Problem Kopfsteinpflaster umgegangen werden kann. Darunter wird die schon einmal präsentierte Variante des vollständigen Entfernens der Pflastersteine sein.

Das würde „je nach Art des neuen Materials zwischen 250.000 und 400.000 Euro kosten“, so Hegemann. Dazu sollen kostengünstigere Möglichkeiten aufgezeigt werden, die vorhandenen „Übergänge“ komfortabler zu gestalten oder durch andere zu ersetzen. Details dieser oder noch weiterer Lösungen müsse das Bauamt aber erst noch erarbeiten, sagt Hegemann.

Als „völlig kontraproduktiv“ hat der Sprecher der rot-grünen Ratsmehrheit, Jan-Philipp Beck, den Vorschlag von WIR/FDP bezeichnet, für das Thema Kopfsteinpflaster 250.000 Euro in den Etat 2015 einzustellen: „Das tragen wir nicht mit.“ Denn der Rat habe „einhellig beschlossen“, dass die Verwaltung ein integriertes Entwicklungskonzept für die Altstadt erarbeiten soll. „Ehe wir uns um einzelne Dinge kümmern, muss durch ein solches Konzept erkennbar sein, wohin wir strategisch mit der Altstadt wollen“. Erst anschließend, also frühestens 2016, könnten aus diesem Konzept einzelne Umsetzungen, etwa zum Thema Kopfsteinpflaster abgeleitet werden, sagt Beck.

„Wir sehen die Notwendigkeit, die Fußgängerzone zu verändern, es gibt nach unserer Ansicht aber keinen finanziellen Spielraum dafür“, sagt CDU-Fraktionschef Heiko Tadge. „Wenn die Gruppe WIR/FDP die Summe von 250 000 Euro in den Haushalt für die entsprechenden Arbeiten einstellen will, muss sie auch Einsparvorschläge machen.“ Grundsätzliche begrüße er den Ansatz, die betreffenden Stellen des Marktplatzes eben zu gestalten.  ssr, bes

   

Nachgefragt

Oskar Bönisch (77) aus Stadthagen kritisiert, dass das Kopfsteinpflaster sehr uneben ist: „Ich bin da schon öfters umgeknickt und bin froh, wenn sich jetzt endlich etwas tut.“ mak/mak

 

Nachgefragt

Nadine Baumgarten (34) aus Nordsehl umfährt die Flächen des Kopfsteinpflasters mit ihrem Kinderwagen: „Wenn der Wagen zu sehr ruckelt, wacht mein Baby dadurch auf und das ärgert mich.“

 

 

Nachgefragt

Das Kopfsteinpflaster hat Danica Klose (62) aus Stadthagen schon einige kaputte Absätze beschert: „Das versaut mir regelmäßig die Schuhe. Alte Menschen mit Rollatoren haben es auch nicht leicht.“

   

Harte Entscheidung

Wirft endlich mal einer den ersten Stein weg? Irgendwann muss doch Schluss sein. Zum Thema Kopfsteinpflaster ist alles gesagt. Unterschiedliche Gruppen haben die Steine immer wieder ins Rollen gebracht. Senioren, junge Mütter, Behindertenbeirat, Verkehrsverein und natürlich die nie mit Kritik geizende Gruppe aus WIR und FDP. Das Pflaster ist Mist – darin sind sich alle einig. Bekannt ist auch die Summe, die der Steuerzahler für die Umgestaltung berappen müsste. Was fehlt, ist eine Entscheidung. Konsequenz. Ein Thema endlich mal abhaken. Schließlich stehen noch andere Aufreger in der Warteschleife. Und denen ist das Hick-Hack um den Bodenbelag in der Innenstadt ein Stein im Weg.

Von Roger Grabowski

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