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Stadthagen Stadt Tanzschule Braun bangt ums Überleben
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Tanzschule Braun bangt ums Überleben
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17:10 06.08.2017
 „Unsere Lage an der Niedernstraße ist schlecht“, sagt Uschi Braun. Quelle: rg
STADTHAGEN

Zur Begründung habe es geheißen, am Standort sei baurechtlich keine Gastronomie zugelassen. Braun wollte mit ihrem seit 13 Jahre in Stadthagen verorteten Betrieb weg aus der von Leerständen, Spielhallen und Wettbüros geprägten Niedernstraße. „Außerdem wollten wir ebenerdig werden und uns vergrößern“, sagt sie.

Bereits damals hat Braun die Begründung des Bauamtes nicht verstanden. „Ich wollte ja kein Lokal aufmachen, es hätte nur Getränke für die Schüler gegeben.“ Besonders habe sie dann aber verwundert, dass jetzt mit Investor und SPD-Ratsherr Mahmut Tarak im Rücken eine Tanzschule aus einem Stadthäger Ortsteil an den Helweg ziehen soll. Das Projekt hat in Stadthagen eine Kontroverse ausgelöst, weil Tarak außer der Tanzschule auch einen Raum mit Spielautomaten einrichten will.

„Unsere Lage in der Niedernstraße ist schlecht“

„Wenn die kommt, sind wir innerhalb eines Jahres kaputt“, sagt Braun. Zwar habe ihre Schule sich mit Senioren-Tanzkursen eine Nische geschaffen. Jeder Stadthäger wisse aber: „Unsere Lage in der Niedernstraße ist schlecht.“ Am Helweg hätte man auch den Werbeeffekt durch Laufkundschaft von Supermarkt und Elektronik-Großmarkt. „Wir werden von unseren Stammkunden noch eine Weile leben können“, sagt Braun. „Aber es werden keine neuen hinzukommen.“

Mit einer Stellungnahme der Stadt ist aus personellen Gründen erst in dieser Woche zu rechnen, teilte Sprecherin Bettina Burger am Freitag mit.

Das Argument von CDU, SPD und FDP, der Konkurrent aus einem Stadthäger Ortsteil könnte Stadthagen verlassen, wenn er sich nicht mit Unterstützung der Einnahmen aus Spielautomaten am Helweg niederlassen kann, leuchtet Braun nicht ein. „Der hat sich genau wie ich seinen Ruf und seinen Kundenkreis in Stadthagen aufgebaut“, sagt die Tanzlehrerin. „Es wäre undenkbar für mich, jetzt zum Beispiel nach Bückeburg zu ziehen.“ jcp

factbox

WIR greift CDU und SPD an

„Offenbar überrascht von der öffentlichen Empörung äußern SPD und CDU jetzt kleinlaut, dass auch sie sich lieber etwas anderes als eine Spielhalle auf dem bislang städtischen Grundstück in Stadthagen wünschen.“ So hat kürzlich WIR-Sprecher Richard Wilmers auf jüngst in den SN gemachte Aussagen der Fraktionsspitzen besagter Parteien reagiert. Wären sie wirklich dagegen, kritisiert Wilmers, könnten Christ- und Sozialdemokraten sich in den Gremien immer noch entsprechend äußern. Aber: „Dieses Vorhaben wäre schon längst abgelehnt worden, wenn der potenzielle Betreiber der Spielhalle nicht ein Ratsherr der SPD wäre“, wiederholt Wilmers einen bereits zuvorgeäußerten Vorwurf.

Für den WIR-Chef „ist die Tanzschule nur vorgeschoben“. Kein Unternehmer „dürfte dauerhaft bereit sein, den defizitären Betrieb eines anderen finanziell zu unterstützen“. Sollte die Tanzschule daher den Betrieb einstellen, sei ein Antrag auf Nutzungsänderung zu erwarten. Wilmers: „Der Rat hätte es nicht mehr in der Hand, wie das Gebäude genutzt wird.“

Unternehmer Mahmut Tarak will am Helweg ein Gebäude für eine Tanzschule aus einem Stadthäger Ortsteil bauen. Da die Tanzschule allein nicht auskömmlich sei, sollen in einem separaten Raum Spielautomaten aufgestellt werden, um Einnahmen zu generieren. jcp