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Teure Donauwelle in Manitoba

Christa Gassmann berichtet über Aufenthalt in Kanada Teure Donauwelle in Manitoba

Dass man sich auch im Rentenalter nicht hinter den warmen Ofen zurückziehen muss, sich sogar fern der Heimat für eine Aufgabe einsetzen und neue Menschen und Länder kennenlernen kann, hat Christa Gassmann aus Springe 60 Stadthäger Landfrauen nahegebracht. Gassmann (77) war zweimal mehrere Monate als Aupair-Oma in Kanada.

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Christa Gassmann berichtet vom Experiment Gast-Oma.

Quelle: sk

STADTHAGEN. Gassmann kommt aus der Landwirtschaft, hat auf einem kleinen Hof mitten in Springe vier Kinder groß gezogen. Als diese aus dem Haus waren, beschloss Christa Gassman, in späten Jahren das nachzuholen, was die Kinder selbstverständlich in der Schule getan hatten: Englisch lernen. Nach einem Volkshochschulkurs bedauerte die Mutter dann, dass ihr nicht wie jungen Menschen die Möglichkeit offen stand, ihre Englischkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen – als Aupair zum Beispiel. Die in Hamburg lebende Tochter machte daraufhin die Agentur „Granny Aupair“ aus, die ältere Frauen in Familien oder soziale Projekte vermittelt nach dem Motto „Runter vom Sofa – raus in die Welt“.

Über den Kontakt mit der Agentur entschied sich Gassmann schließlich, zu einer schwäbischen Auswandererfamilie zu reisen, die für ihre drei Kinder eine Aupair-Oma suchte – in Kanada in der Provinz Manitoba. Nicht bei allen Bekannten fand Gassmann für ihr Vorhaben Ermutigung. „Das kannst du gar nicht mehr mit 72 Jahren!“ habe eine Freundin gewarnt, der sie fast die Freundschaft gekündigt habe. Auf Begeisterung stieß die Springerin bei den Medien: Nnoch bevor die Seniorin im Juli 2011 in den Flieger steigen konnte, hatte sie Mitarbeiter, Mikrofone und Kameras von Printmedien, Rundfunk- und Fernsehsendern im Haus. Die Aupair-Oma-Geschichte war spektakulär.

Teure Kirschen, Billiges Benzin

Das Risiko ihres Vorhabens empfand auch Gassmann. Die Reise, das neue Land mit seinen enormen Entfernungen, ihre Aufgabe in der Familie, all das sei für sie ein Test gewesen: „Kann ich das noch?“ Immerhin, berichtete Gassmann, habe sie bereits vier künstliche Gelenke eingesetzt bekommen und zwei Krebserkrankungen überstanden.

Die Frau aus Springe wagte das Experiment. Vom Flughafen in Winnipeg holte sie schließlich der Familienvater ab, und dann ging es noch 400 Kilometer über Land bis in den 540 Einwohner zählenden Ort Rossburn. Keine Bäume gab es an der Straße, beschrieb Gassmann ihren im Pollhäger Gasthaus Bruns ihren Zuhörerinnen, die just Eierlikörtorte und Krapfen genossen hatten. Ein solcher Nachmittag mit Kaffee und Vortrag wäre für die Landfrauen in Rossburn teuer geworden, selbst wenn sie den Kuchen selbst gebacken hätten. In dem kleinen kanadischen Ort seien die Lebensmittelpreise sehr hoch, klärte Gassmann auf. Einmal habe sie für ihre Gastfamilie eine Donauwelle backen wollen. Ein Glas Kirschen hierzu habe sage und schreibe sieben Dollar gekostet. Günstig dagegen sei der Frisör gewesen und das Benzin.

Die Kinder zu versorgen während die Eltern arbeiteten, war die Aufgabe von Christa Gassmann, die sich jedoch auch des Haushalts annahm. Mit beiden kam die „Oma auf Zeit“ gut klar. Das Arrangement Gastfamilie-Gastoma bewährte sich beiderseits so gut, dass Christa Gassmann im kommenden Jahr noch einmal für mehrere Monate nach Rossburn reiste. sk

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