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Nguyen-Fürst verlässt St.-Martini-Gemeinde

„Enttäuscht und entsetzt“ Nguyen-Fürst verlässt St.-Martini-Gemeinde

Mit Gottes Wort im Herzen und auf der Zunge will die Pastorin mit der zarten Gestalt und den asiatischen Wurzeln durch ihr Leben gehen. Dem Landesamt der evangelischen Kirche reichte das Engagement von Thien Huong Nguyen-Fürst offenbar nicht aus, um ihren Zwei-Jahres-Vertrag bei der St.-Martini-Gemeinde zu verlängern.

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Der Blumenstrauß von Superintendant Martin Runnebaum bleibt nicht der einzige für Thien Huong Nguyen-Fürst.

Quelle: geb

Stadthagen. „Wir sind darüber enttäuscht und entsetzt“, gaben Julia-Susanne Berrang und Andrea Jungbluth aus der Gemeinde in ihrem Abschiedsgottesdienst im Jakob-Dammann-Haus zu verstehen. „Du bist deine Aufgabe mutig angegangen und hast viel Herzlichkeit und Frische in unsere Gemeinde gebracht“, resümierten die beiden Christinnen. Nguyen-Fürst habe dem Gottesdienst und auch ihren Bibelabenden sowie Frauenkreisen eine individuelle Prägung verliehen.

Superintendent voll des Lobes

Superintendent und Gemeindeoberprediger Martin Runnebaum lobte die „missionarischen Impulse“ der Pastorin und gestand: „Wir hätten gerne mehr von dir gehabt.“ Über die Hintergründe der Entscheidung der Landeskirche ist Runnebaum, selbst erst seit Kurzem in der Gemeinde, nicht näher informiert. „Bei den Arbeitsverträgen geht es in der Kirche zu wie in der Industrie“, meint der Geistliche. Landesbischof Karl-Hinrich Manzke ist zur Zeit bei der evangelischen Kirche in Schweden zu Gast und konnte sich noch nicht dazu äußern.
Schon sechs Wochen vor Bekanntgabe der Entscheidung machte sich bei Andrea Jungbluth ein schlechtes Bauchgefühl bemerkbar. „Ich habe in einem Brief an den Landesbischof die Arbeit unserer Pastorin gewürdigt, aber keine Antwort darauf bekommen.“ Nur das Ende des Arbeitsvertrages kam per Post. In der Seggebrucher Gemeinde ist Nguyen-Fürst gar noch für musikalische Veranstaltungen in den nächsten Monaten eingeplant.

Nguyen-Fürst bleibt Stadthagen erhalten

Auch die frühere Katholikin Brigitte Niedringhaus ist fassungslos: „Nachdem ich die katholische Kirche verlassen hatte, habe ich hier eine Pastorin gefunden, die Zeugnis vom Evangelium ablegt und die Herzen der Frauen öffnet. Und nun wird sie vor dem Reformationsjahr von Männern mundtot gemacht“, echauffiert sich die Stadthägerin. Wie einige andere weibliche Gemeindemitglieder erwäge sie abermals, der Kirche den Rücken zu zukehren.
Nguyen-Fürst liegt nicht viel an dem Wirbel um ihre Person. Die Entscheidung trägt sie gefasst und an Ruhestand ist für sie nicht zu denken. „Jetzt geht es richtig los mit dem Wort Gottes“, sagt sie lächelnd. Denn sie bleibt Stadthagen erhalten und will ihre Bibelkreise nun an drei Tagen in der Woche in ihrem Privathaus anbieten. „Ich will den Menschen vermitteln, wie sie die Bibel lesen, verstehen und mit ihrem Leben verbinden können“, erklärt sie. „Mein Großvater war der erste evangelische Christ Vietnams“, erzählt die 1963 in My Tho geborene Frau. Im Alter von 15 Jahren flüchtete sie aus ihrer Heimat über das Meer als eine der unzähligen „Boat People“.
Ihre Worte des Abschieds an ihre Gemeinde fasste sie in das Lied „Ich habe dich je und je geliebt“, basierend auf dem Propheten Jeremia von Dania König mit instrumenteller Begleitung ihres Ehemanns Wolfgang Fürst. „Deine Tränen brechen mir das Herz“, sang sie mit fester Stimme.

geb

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