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Verein will Schloss knacken

Touristengruppen sollen herrschaftliche Räume sehen können Verein will Schloss knacken

Der Renaissanceverein will das Stadthäger Schloss für Touristen öffnen. Problem: Das Finanzamt ist darin untergebracht.

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Das Schloss von innen: Dieser Anblick bleibt Touristen verborgen.

Quelle: rg

Stadthagen. In den vergangenen 15 Jahren hat es bereits zwei vergebliche Versuche gegeben, die beiden Kaminsäle im Westflügel der ehemaligen Residenz derer zu Schaumburg-Lippe für die Öffentlichkeit begehbar zu machen.

 Bei der Jahresversammlung des Stadthäger Renaissancevereins brachte der ehemalige langjährige Vorsitzende Udo Jobst den altbekannten Inhalt aufs Tableau. „Es ist doch witzlos, mit Touristengruppen nur um das Schloss herum zu laufen“, sagte er (wir berichteten). Der aktuelle Vorsitzende Harald Weidenmüller stellte ein erstes Sondierungsgespräch mit Finanzamts-Chef Jörg Hopfe in Aussicht. Ein solches ist inzwischen für Mitte April anberaumt. Derzeit weilt Hopfe im Urlaub.

 Bürgermeister Oliver Theiß brachte bei der Versammlung 2022 als mögliches Jahr der Öffnung ins Spiel – das Jubiläumsjahr, in dem Stadthagen 800 Jahre alt wird. Insofern ein perfekter Zeitpunkt, bis zu dem allerdings noch ein paar Jahre ins Land ziehen.

 „Man kann das nicht übers Knie brechen“, sagt Jobst. Zwei Versuche in der Vergangenheit haben gezeigt, wie schnell die Bemühungen im Sande verlaufen können. Jobst war damals als Vereinsvorsitzender ganz nah am Geschehen.

 Die erste Unternehmung stand in Zusammenhang mit der berüchtigten Millionenpleite „Erlebniswelt Renaissance“ (EWR). In deren Zuge sollten Touristen das Schloss mit sogenannten E-Guidern erkunden können. Das Stadthäger Schloss sollte eine Art Dreh- und Angelpunkt innerhalb der Erlebniswelt sein. Treibende Kraft sei damals eher die EWR GmbH gewesen, der Renaissanceverein war aber beteiligt, erklärt Jobst.

 500 000 Euro für die Versetzung von Büros innerhalb des Finanzamtes standen in Aussicht. Das Geld wäre aus Bundesmitteln gekommen. Doch Berlin verhängte eine Haushaltssperre – das vorläufige Aus für das Thema Schloss.

 Wenig später öffnete der damalige Oberprediger Klaus Pönnighaus – selbst Mitglied im Renaissanceverein – Teile der Martini-Kirche und das Fürstliche Mausoleum für Besucher. „Darauf haben wir uns dann konzentriert und das Schloss war erst einmal kein Thema mehr“, erklärt Jobst. Es folgten mehrere Jahre Restaurierungsarbeiten am Mausoleum.

 So ganz verlor der Renaissanceverein das Schloss aber nie aus den Augen. Einen zweiten Anlauf unternahm Jobst 2010, als im Zuge der Feier zum 900-jährigen Bestehen Schaumburgs ein als Fürst Ernst verkleideter Schauspieler durch den Landkreis zog. Öffentlichkeitswirksam überreichte Jobst dem „Landesherrn“ eine Petition zur Öffnung des Schlosses.

 Die landete auf dem Tisch des damaligen niedersächsischen Finanzministers Hartmut Möllring. Der Politiker reagierte mit einem freundlichen, aber unverbindlichen Schreiben auf die Anfrage. „So richtig stand da weder Ja noch Nein drin“, erinnert sich Jobst.

 Jetzt also ist das Thema zurückgekehrt. Ob die Bemühungen diesmal Erfolg haben, muss sich zeigen. 2022 scheint im Angesicht der zu überwindenden Hürden eine optimistische Zielsetzung.

 Eine Veranstaltung, die im Rahmen der Wilhelm-Busch-Tage im Innenhof des Schlosses hätte stattfinden sollen, musste nun doch verlegt werden. Die Stadt wollte ursprünglich eine Künstler-Revue im Schlossinnenhof verorten. Wegen zu hoher Kosten soll diese nun in der Aula des Ratsgymnasiums aufgeführt werden. jcp

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