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Trinkerszene sorgt für blanke Nerven

Stadthagen Trinkerszene sorgt für blanke Nerven

Prost Mahlzeit: Die öffentlichen Trinkgelage in der Innenstadt haben sich in den vergangenen Wochen aus dem Bereich der Martini-Kirche in Richtung des Marktplatz-Brunnens verschoben. Ratskeller und Schwarzer Adler signalisieren entsprechend, es sei „ruhiger geworden“, im Zeitgeist (ehemals Piazzetta) liegen die Nerven blank.

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Die öffentlichen Trink-Exzesse auf dem Marktplatz haben sich nach Einschätzung von Gastronomen in Richtung des Brunnens veralgert.

Quelle: jcp

Stadthagen. Nachdem zuvor draußen lautstark gepöbelt wurde, kommt ein offenbar stark angetrunkener Mann ins Restaurant gestürmt und verlangt schreiend, der Wirt möge die Polizei rufen. Für einen Gastronomen bei gut besetzten Tischen ein Albtraum in Sachen Außenwirkung. Im Stadthäger Ratskeller wurde er wahr. Für Wirt Oliver Sieloff dürfte es ein Glück sein, dass die innerstädtischen Zechgelage jetzt beim Marktplatz-Brunnen steigen.

„Bei uns ist es ruhiger geworden“, gibt der Ratskeller-Chef hörbar erleichtert zu verstehen. Denn: „Wenn die da sind, setzt sich keiner bei mir draußen hin.“ Beide Einschätzungen teilt Yvonne Perkovic vom Schwarzen Adler, die sich vor rund einem Jahr gewünscht hatte, die Stadt möge den mutmaßlich alkoholkranken Menschen einen alternativen Aufenthaltsort zur Verfügung stellen.

Anders hört sich das bei Zeitgeist-Betriebsleiter Chris Rehder an, der den aktuellen Trinker-Treff Brunnen fast vor der Haustür hat. Es werde gepöbelt, geprügelt, Gäste würden teils massiv beleidigt. Einige stehen wieder auf und gehen, wenn es zuviel wird.

Rehder will die Trinker nicht ansprechen. Er befürchtet, die aggressive Grundstimmung könnte schnell von ein paar harten Worten in Schlimmeres umschlagen. „Und die Mitarbeiter schicke ich nicht vor, das kann ich denen nicht zumuten“, sagt der Betriebsleiter.

Bleibt der Anruf bei der Polizei. „Aber wie die reagieren, ist in letzter Zeit auch nicht der Hit gewesen“, erklärt Rehder. „Ich sage, die sitzen da wieder, und zur Antwort bekomme ich nur: Ja, das wissen wir schon.“ Eine halbe Stunde später erst ließen die Beamten sich dann blicken. Rehder würde ein von der Stadt ausgesprochenes Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen befürworten.

Um Umsatz bangende Einzelhändler seien noch nicht an ihn herangetreten, sagt Günter Raabe. Der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins Stadthagen (SMS) sieht in den Alkohol-Eskapaden kein „massives Problem“ für anliegende Geschäfte. Allerdings: „Für das Stadtbild insgesamt wäre es natürlich schöner, wenn die da nicht säßen.“ Ob und wie sich das Problem langfristig lösen lasse, dafür vertraue er der Arbeit von Stadtverwaltung und Polizei. Schließlich, so Raabe über die Trinker: „Ich kann ja schlecht selbst zu denen hingehen.“

Das macht die Polizei. Und die hat eine klare Haltung zum Thema. „Solange nichts Widerrechtliches geschieht, muss eine Stadt das aushalten“, sagt der Stadthäger Sprecher Axel Bergmann. Es sei nicht Aufgabe der Polizei, vorzugehen gegen einen Lebensstil – „nur, weil der vielleicht in den Augen der meisten nicht der richtige ist“.

So sieht es die Verwaltung

Nur wenige Hinweise zur Trinkerszene habe es in den vergangenen Wochen von Bürgern gegeben, sagt Verwaltungssprecherin Bettina Burger. Die „Kollegen der City-Wache“ – also des Außendienstes der Polizei – hätten die Betroffenen mit den Beschwerden konfrontiert, woraufhin diese sich einsichtig gezeigt hätten. Die beschriebene Herangehensweise solle einer Eskalation vorbeugen und habe sich „aus Sicht der Stadtverwaltung absolut bewährt“. Burger: „Die Situation hat sich durch die ständigen Kontakte deutlich beruhigt und die Beschwerden sind merklich zurückgegangen.“  jcp

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