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TuWat gibt Standort auf

Ärger mit Nachbarn TuWat gibt Standort auf

Lange Zeit war es in der Öffentlichkeit um den Stadthäger Jugendverein TuWat ruhig geworden. Jetzt startet die Vereinigung mit einer schlechten Nachricht ins neue Jahr: Sie verlässt den Standort an der Niedernstraße 37. Der Mietvertrag Nutzfläche ist zum Jahresende gekündigt worden.

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TuWat-Mitglieder besorgen am Standort Niedernstraße die Endreinigung.

Quelle: ssr

Stadthagen. „Schweren Herzens“ trenne man sich von den seit 2012 genutzten Räumlichkeiten, bestätigt Vorstandsmitglied Christian Köpper. Der Verein TuWat, der aktuell 90 Mitglieder hat, ermöglicht Freizeitangebote für Jugendliche und junge Erwachsene.

Es habe sich herausgestellt, so Köpper, dass an dem Standort keine mit Lautstärke verbundenen Veranstaltungen möglich seien, wie Konzerte oder Partys: „Es hat ständig Beschwerden wegen Ruhestörung gegeben.“ Viele Gespräche mit den Anliegern, zu Kompromissen zu kommen, seien gescheitert. Köpper dazu: „Auch im Dialog bestand keine Chance, zu einer Übereinkunft zu kommen.“

Vorstand unter Druck

Diese Art Events seien aber die hauptsächliche Einnahmequelle des Vereins. Mit der Stadt bestand die Übereinkunft, dass die Miete für die Räumlichkeiten aus der Stadtkasse bezahlt wurden. Der Rat hatte dafür rund 10 000 Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Die Nebenkosten sollten allerdings vom Verein aufgebracht werden. Doch dies war im abgelaufenen Jahr nicht mehr gelungen. „Für den Vorstand entstand dadurch ein Wahnsinnsdruck“, berichtet Köpper. Letztlich habe man sich dazu entschieden, den Standort aufzugeben.

„Schade, dass es dort nicht weitergeht“, kommentiert Bürgermeister Oliver Theiß die Entscheidung. Mit dem Jugendcafé, der Werkstatt, den Workshops sowie den Veranstaltungen sei dort zwischenzeitlich für viel Bewegung in der Jugendszene gesorgt worden, führt Theiß weiter aus. Leider zerschlage sich nun auch „die Hoffnung, dass von der Einrichtung eine Belebung dieses Quartiers in der nördlichen Altstadt ausgeht“.

Theiß: TuWat ist ein wichtiger Faktor

Er hoffe sehr, dass die Mitglieder von TuWat ihr Engagement weiter verfolgen, betont der Bürgermeister: „Der Verein ist für die städtische Jugendkultur ein wichtiger Faktor.“ Das zeige sich etwa an Veranstaltungen wie der LandArt am Bruchhof. Es sei gut, dass es mit TuWat neben der städtischen Jugendpflege einen unabhängigen, auf Eigeninitiative basierenden Verein für Jugendarbeit gebe.

TuWat wolle auf jeden Fall weitermachen, versichert Vorstandsmitglied Köpper: „Eine gewisse Weile geht das zur Not auch ohne festen Standort.“ Der Vorstand sei aber intensiv auf der Suche nach einer neuen Bleibe für den Verein. „Wir richten unseren Blick vor allem auf Gebäude am Stadtrand, wo es bei Veranstaltungen auch mal etwas lauter zugehen kann“, erläutert Köpper. Aus Kostengründen solle der neue Standort möglichst deutlich kleiner sein als die bisherigen umfänglichen Räumlichkeiten an der Niedernstraße. ssr

Herber Verlust für die Jugend

Ein Kommentar von Verena Insinger

Jetzt ist es zu spät. Der Treff von Jugendlichen für Jugendliche im Herzen der Innenstadt schließt. Ein Angebot für den Nachwuchs, zentral und in einem geschützten Raum auf Gleichaltrige zu treffen, damit passé. Was für ein Verlust für die Jugendszene. Und dazu noch ein völlig unnötiger. Wäre es nicht trotz knapper Kassen möglich gewesen, den Verein zu unterstützen? Ihm die Nebenkosten abzunehmen? Hat die Verwaltung nicht den Dialog zwischen Anwohnern und TuWat-Freunden gesucht?
Hinterher ist das Bedauern groß.

Chance vertan

Die Hoffnung von Oliver Theiß, dass die Jugend trotzdem am Ball bleibt und die Motivation an der ehrenamtlichen Vereinsarbeit nicht verliert, ist blauäugig. Besonders, wenn Jugendcafé und Co. an die Peripherie der Stadt ziehen müssen. Denn dann ist das, was TuWat ausgemacht hat, schwerlich noch zu halten: der zentrale Anlaufpunkt für die Jugend der Stadt zu sein. Die Betonung liegt auf „zentral“. Bei den ausgedünnten Busverbindungen hat sicherlich kein Jugendlicher mehr Freude daran, ein Angebot am Rande der Stadt wahrzunehmen. An dieser Stelle haben Verwaltung und Politik eine Chance vertan, und zwar mit überschaubarem finanziellen Aufwand und noch weniger eigener Arbeitsleistung die Jugendarbeit zu unterstützen. Was für ein Bärendienst.

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