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Überfall nicht nachzuweisen

Amtsgericht Stadthagen Überfall nicht nachzuweisen

Selbst nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt, hat ein 26-Jähriger diesmal als Opfer vor dem Stadthäger Amtsgericht gestanden. Er will bei einem Raubüberfall um Geld erleichtert worden sein. Doch der Richter sprach den 20-jährigen Angeklagten frei. Die Aussage der Freundin des 26-Jährigen habe dessen Beschuldigungen "komplett zerschossen".

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Stadthagen. Bei Polizei und Justiz ist dieser Stadthäger eher als Täter bekannt. Elf Vorstrafen gehen auf sein Konto, Körperverletzung kommt wiederholt vor, ein Mann mit Knasterfahrung. In einem Fall, der jetzt das Amtsgericht beschäftigt hat, will der 26-Jährige jedoch Opfer gewesen sein, das Opfer eines Raubüberfalles.

Er behauptet, ein anderer Stadthäger (20) habe ihm im Stadtpark mit vorgehaltenem Messer zehn Euro abgenommen. Bloß nachweisen lässt sich das nicht. Richter Kai Oliver Stumpe, Vorsitzender des Jugendschöffengerichtes, hat den nicht vorbestraften Angeklagten deshalb vom Vorwurf der räuberischen Erpressung freigesprochen. Dieses Delikt wird als Verbrechen eingestuft.

Nach der Aussage des angeblichen Opfers „hatte sich meine Waagschale in Richtung Verurteilung geneigt“, erklärte Stumpe. Durch die anschließende Aussage der Freundin des 26-Jährigen sei dies jedoch „komplett zerschossen“ worden. Soll heißen: Zweifel waren geweckt.

Die junge Frau hatte von einem Treffen in einer Stadthäger Wohnung erzählt, bei dem der mutmaßliche Täter ihrem Freund angeboten haben soll, das Geld zurückzugeben. Dies sollen auch andere Leute mitbekommen haben. Namen wollte die Frau jedoch nicht nennen, nach eigenen Angaben aus Sorge um ihr Kind. „Dieses Aussageverhalten zeigt, dass sie nicht aus eigenem Erleben berichtet“, glaubt Richter Stumpe. Damit geriet auch die Aussage des Stadthägers, der nach eigener Darstellung beraubt worden ist, ins Wanken.

Beide Männer kennen sich aus der Schule. Vor Gericht stand Aussage gegen Aussage. Nach der Tat, so behauptet der 26-Jährige, habe der Mann mit dem Messer ihm noch „auf die Schulter gehauen“ und gesagt, „ich solle aufpassen wegen Abzockereien, die Welt ist gefährlich“. Das wäre mehr als zynisch.

Fest steht, dass der Angeklagte sein Messer immer dabei hat. Das gibt er sogar zu. Gezückt haben will er es an jenem 21. April 2016 gegen 20 Uhr jedoch nicht. „Mein Mandant hat den Zeugen lediglich auf 15 Euro angesprochen, die dieser ihm schuldete“, erklärte Verteidiger Ralf Jordan. Eine Stunde nach der Tat hatten Polizisten den mutmaßlichen Räuber durchsucht, das Geld jedoch nicht gefunden.

Hinzu kommt, dass sich der angeblich beraubte Mann mehrfach vor einer Aussage bei der Polizei gedrückt hatte. „Das größte Problem war, dass ich keine Lust hatte“, sagt er selbst dazu. In anderen Zusammenhängen war der 26-Jährige nicht so zurückhaltend. „Seinen Vermieter hat er mehrmals angezeigt“, erinnerte Verteidiger Jordan. Es gebe mehrere Verfahren wegen falscher Verdächtigung, hatte zuvor Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig berichtet. Dreißig plädierte ebenso auf Freispruch wie Anwalt Jordan. Das Urteil ist rechtskräftig.

ly

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