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Stadthagen Stadt Übertriebene Forderung
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Übertriebene Forderung
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13:49 22.02.2018
Medienkompetenz soll nach Willen der niedersächsischen Datenschutzbeauftragten zu einem Pflichtfach in der Schule werden. Quelle: dpa
Stadthagen

„Die Schule kann nicht der Reparaturbetrieb einer ganzen Nation sein“, sagte der Kreisvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW und sprach sich ebenso wie zahlreiche Stadthäger Schulleiter ausdrücklich gegen die Schaffung eines neuen Schulfaches aus.

 Thiel hatte anlässlich des Safer Internet Days auf die digitale Sorglosigkeit aufmerksam gemacht, mit der sich mitunter vor allem Jugendliche im Internet bewegen und dort bereitwillig ihre persönliche Daten preisgeben. Diesem Verhalten könne man durch einen neuen Schwerpunkt im Unterricht entgegenwirken, so die Auffassung der Datenschutzexpertin.PopulistischeForderung

 Friedrich Lenz geht diese Forderung zu weit. „Dass Schüler mit Medien umgehen können müssen, ist unbestritten“, stellte er klar. Die Forderung nach einem eigenen Fach hält Lenz jedoch für „populistisch“ und fürchtet, dass dies auf Kosten anderer Lehrinhalte gehen könnte. „Da warne ich vor einer Überfrachtung der Schule“, sagte der Pädagoge, der selbst seit vielen Jahren Lehrer am Ratsgymnasium ist.

In andere Fächer eingliedern

Anstelle eines neuen Schulfaches schlägt Lenz vor, Exkurse zum Thema in bestehende Fächer zu integrieren. Diese Auffassung teilt auch Holger Wirtz. „Medienkompetenz ist auf jeden Fall Aufgabe der Schulen“, sagte der Schulleiter des Wilhelm-Busch-Gymnasiums. Die Inhalte könnten aber ohne Weiteres in gesellschaftswissenschaftliche oder sprachlichen Fächern eingegliedert werden.

 Ein eigenes Fach für den Komplex Medienkompetenz halten auch die Schulleiterinnen Angelika Hasemann vom Ratsgymnasium und Astrid Budwach von der IGS Schaumburg für überdimensioniert. Wie auch das Wilhelm-Busch-Gymnasium bieten die beiden weiterführenden Schulen mitunter bereits ab der fünften Klasse Elternabende, Projektwochen oder Workshops zum Thema an und schulen die Jugendlichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Quellen – auch mit solchen aus dem Internet. „Ich hielte es aber für übertrieben, das für 13 Jahre fest im Unterrichtsplan zu verankern“, betonte Budwach.

 Laut Hasemann sei zudem fraglich, ob über das Schuljahr verteilte Einheiten zielführender als die aktuelle Herangehensweise wären. Bisher wird das Thema am Ratsgymnasium in kompakten Unterrichtsblöcken vermittelt. lht