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Überwinder der Genregrenzen

Konzert im Kaminsaal Überwinder der Genregrenzen

Zwei Weltklassekünstler haben die aktuelle Saison von Kultur Stadthagen mit einem Konzert der Extraklasse bereichert. Der Cellist Gautier Capuçon und Pianist Frank Braley präsentierten nausschließlich Beethoven-Werke im urigen Kaminsaal, in dem frühzeitig kein Platz mehr zu bekommen war.

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Gautier Capuçon (links) und Frank Braley begeistern mit ihrer Virtuosität das Publikum im Kaminsaal.

Quelle: pr.

Stadthagen. Vielleicht liegt es am mittlerweile herausragenden Ruf der beiden Weltklassekünstler, vielleicht auch an der noch lebendigen Erinnerung an ihr letztes Konzert vor fünf Jahren in Stadthagen, das bereits Begeisterung hervorrief – jedenfalls waren, wie von den Gastgebern erwartet, die Plätze im Kaminsaal im Schloss für die auch aus der weiteren Umgebung erschienenen Gäste frühzeitig komplett vergeben.

Neuer Blick auf bekannte Werke

Die vielfach ausgezeichneten Künstler bilden ein Duo, das dafür bekannt ist, seinem Publikum immer wieder einen neuen Blick auf scheinbar bekannte Werke zu eröffnen, die dann doch wieder ganz neu klingen können. Und das gelang ihnen ganz offenkundig auch an diesem Abend, der ausschließlich Beethoven-Werke, nämlich vier seiner insgesamt fünf Sonaten für Violoncello und Klavier, bereithielt.

Dass Capuçon und Braley sich mit diesem Komponisten im Vorfeld intensiv auseinandergesetzt hatten, war nicht zu überhören. Erst kürzlich haben sie eine CD mit Beethovens Cellosonaten auf dem Markt gebracht, die unter Kennern Aufsehen erregt habe und die Reihe der bisherigen grandiosen Einspielungen bereichert und ergänzt.

Das Besondere an diesem Abend und das die beiden Künstler besonders Auszeichnende war jedoch deren Fähigkeit der Übertragung der Unmittelbarkeit der künstlerischen und interpretatorischen Ausgestaltung und des musikalischen Gedankens auf das gebannte Publikum. Diese Konzentration hielt auf beiden Seiten an – von der ersten Note bis zum letzten Schlussakkord.

Musikhistorische Schaffensperioden

Dadurch, dass Beethoven seine Cellosonaten in einem Zeitraum von 20 Jahren komponierte, repräsentieren diese auch dessen musikhistorisch anerkannten Schaffensperioden, die den Weg vom Vollenden der Wiener Klassik bis hin zum Wegbereiter der Romatik illustrieren. Sie zeigen Beethoven aber auch, nicht zuletzt durch die Auseinandersetzung mit der Bach’schen Musik und die Wiederaufnahme der polyphonen und kontrapunktischen Kompositionsweise, als Überwinder von stilistischen und musikalischen Genregrenzen.

Besonders eindrucksvoll wurde dieses wiedergegeben in der letzten Sonate op. 102, die den beiden Künstlern ermöglichte, ihre perfekte und gleichberechtigende Fähigkeit zur interpretatorischen und ausbalancierten Wiedergabe unter Beweis zu stellen und dennoch Beethoven den Raum zu geben, der ihm mit diesen Kompositionen zusteht. Der Abend hätte allein mit dem Beethoventeil seine Vollendung gefunden.

Als dann aber noch als Dank für den begeisterten und anhaltenden Applaus die Meditation aus Thais von Jules Massenet als Zugabe gegeben wurde, blieben keine Wünsche mehr offen. r

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