Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Uhrwerk ist marode

Stadthagen Uhrwerk ist marode

Wer vom Markt zum Kirchturm hochschaut, erwartet, an der Turmuhr die korrekte Zeit abzulesen. Das war in den vergangenen Tagen nicht möglich. Die Zeiger verharrten bewegungslos auf 10.35 Uhr. Jetzt läuft die Uhr wieder – vorerst. Teile des rein mechanischen Uhrwerks sind marode.

Voriger Artikel
Lernen an der frischen Luft
Nächster Artikel
Telekom verlegt Glasfaser-Kabel

Bernd Motzek gönnt nicht nur dem Hammer im Freien sondern auch dem Werk drinnen eine Ölung.

Quelle: sk

Stadthagen. Wartend steht Bernd Motzek unten am Kirchturm. Gleich wird es zwei Uhr sein. Und dann muss die Turmuhr zweimal schlagen. Motzek, Monteur für Läutemaschinen und Turmuhren, schaut ungeduldig auf seine Armbanduhr; die Zeit vorwärtsschieben kann auch der Chronometerexperte nicht. Endlich hallt der Glockenschlag über den Markplatz. Aber es bleibt bei einem. Zwei Schläge müssen es bei zwei Uhr schon sein. Motzek muss also noch einmal die staubigen steilen Stufen zum Werk der Kirchturmuhr hochsteigen.

Das Uhrwerk ist eine sehenswerte Rarität im digitalen Zeitalter: Es läuft seit 114 Jahren rein mechanisch. Dreimal in der Woche, jeden Montag, Donnerstag und Sonnabend steigt Küster Emil Schwaab darum zum dem imposanten Mechanismus empor und zieht die Uhr auf. Was an einer mechanischen Armbanduhr zwischen zwei Fingern mit Leichtigkeit geschieht, fordert weitaus größeren Aktionsradius und Muskeleinsatz im Kirchturm. Die mit den Tagen herabgesunkenen drei Gewichte der Uhr müssen per Kurbel wieder hochgezogen werden. ein

Die Klangkörper der Uhr, zwei kleine Glocken, sind ganz oben im Turm weit über den Kirchenglocken angebracht. Zu oberst hängt die Glocke zur Anzeige der Viertelstunden, zwei Meter darunter die Glocke, die die vollen Stunden anzeigt. Jeweils Hammer schlägt auf die Uhrglocken und bringt sie zum Tönen. Jede Viertelstunde wird mit einem Schlag angezeigt, die halbe Stunde mit zwei Schlägen und die volle Stunde mit vier Schlägen. Diesen folgen dann Schläge für die Uhrzeit.

In der Mechanik des Hammers der Viertelstundenglocke liegt ein Teil des Übels verborgen, wegen dessen die Uhr stillstand. Der Hammer liegt völlig frei, ist Wind und Wetter ausgesetzt und dem Taubendreck. Dieser setze dem Material zu, erklärte Motzek. Die Hammermechanik sei durch Rost jetzt so schwergängig geworden, dass die Uhr die Schläge nicht mehr auslösen konnte. Und von der Viertelstunden- sei die Stundenglocke abhängig, die darum ebenfalls ausfiel. Das Problem der maroden Hammermechanik sei der Stadt seit zwei Jahren bekannt, berichtete Motzek. Die Stadt ist Eigentümerin der Turmuhr, erhielt diese 1902 vom gebürtigen und nach Riga ausgewanderten Sadthäger Friedrich Brunstermann geschenkt. So ist die Stadt für Reparatur und Wartung der Uhr zuständig, die inzwischen unter Denkmalschutz steht.

Die Hammermechanik hat Bernd Motzek von der Firma HEW (Herforder Elektromotoren-Werke) unter anderem mit Öl wieder gängig gemacht. Wie lange es dauert, bis der Rost die Uhr im wahrsten Wortsinn wieder stilllegt, konnte er nicht sagen. Die Mechanik müsse einmal ausgebaut und gründlich überholt werden. Der Monteur befestigte außerdem einen Stift in der Zeigerwelle, sodass Emil Schwaab die Uhr nun auch wieder stellen kann. sk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr