Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Unerwartet gut konserviert

Zwischenbericht zu Ausgrabungen an Klosterstraße Unerwartet gut konserviert

Austernklappen und geschliffene Gläser konnten sich die meisten Stadthäger Bürger im 16. und 17. Jahrhundert nicht leisten. Von den gehobenen Lebensverhältnissen der Familie von Oheimb zeugen die Fundstücke, die auf dem Gelände der Stadtwohnung der Adeligen an der Klosterstraße 9 gefunden wurden.

Voriger Artikel
Ein offenes Ohr
Nächster Artikel
Modellbahnklub arbeitet auf Hochtouren

Der freigelegte Brunnen mit Steineinfassung zeugt vom Lebensstil der Adelsfamilie von Oheimb auf ihrem Hof in Stadthagen.

Quelle: pr.

Stadthagen. Was bei den Ausgrabungen Anfang vergangenen Jahres auf dem ehemaligen Oheimb‘schen Hof zutage gefördert wurde, dürfte auch bei den Mitgliedern der Initiative Stadthäger Altstadt (ISA) auf großes Interesse gestoßen sein. Kommunalarchäologe Jens Berthold hatte auf Einladung der ISA einen Zwischenbericht zu den Funden gegeben.

Außer gut erhaltenem Besteck, Geschirr und Teilen von alten Kachelöfen sei unter anderem ein Brunnen freigelegt worden. Dieser wurde vermessen und soll nun anhand der verbauten Materialien – damals auch Keramik und Schutt –, datiert werden. Ein paar Funde wie das Stück einer Ofenkachel, Teile der Innenhofpflasterung und Latrinen hätte der Archäologe bei einer normalen innerstädtischen Bebauung im Mittelalter nicht erwartet.

Daraus sei zu erkennen, dass, während die Dorfbewohner in der frühen Neuzeit meist noch am offenen Feuer saßen, die Adelsfamilien schon hochwertigere Ausstattungen besaßen.
Der überraschendste Fund für Ute Steidel, eine der Initiatorinnen der ISA, waren die Austernschalen: „Ich hätte nicht gedacht, dass im Nachmittelalter so eine Esskultur außerhalb der Fürstenfamilie vorherrschte.“ Mindestens genauso erstaunt sei sie über die Anwesenheit von Nachfahren der Adelsfamilie von Oheimb gewesen, die heute noch in Stadthagen leben.

Der Archäologe freute sich vor allem über die gut erhaltenen Holzpfosten, die Rückschlüsse auf die Gebäude des Hofes zulassen würden. „Das Schöne daran ist, dass mit den Jahresringen der Fällzeitpunkt ermittelt werden und herausgefunden werden kann, wann das Holz verbaut wurde“, erklärt er. Auch Messergriffe aus Knochen, einem damals beliebten Material, sowie Eisenmesser, bei denen auf den Holzgriffen noch Verzierungen zu erkennen sind, wurden bei der Ausgrabung zutage gefördert.

Ein nicht alltäglicher Fund, wie Berthold betonte: „Das ist das Besondere an Stadthagen, man dringt schnell in Schichten ein, in denen Holz normalerweise längst vergangen wäre, in Stadthagen aber erhalten geblieben ist.“

Im Anschluss an die Auswertung der Funde sollen die Relikte Berthold zufolge der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Noch für dieses Jahr sei eine Ausstellung zu der Ausgrabung geplant. tbh

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg