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Unfall war kein Unfall

Reinsen / Feuerwehrübung Unfall war kein Unfall

Es ist eine Übung gewesen. Der vermeintliche Unfall am Donnerstagabend an der Heuerßer Straße in Reinsen war derart wirklichkeitsnah inszeniert, dass neben Beteiligten und Umstehenden auch die Redaktion dieser Zeitung diesem Anschein erlegen war.

Reinsen (r). Im Bericht in der Freitagausgabe hätte das Wort Unfall also – wie bei Berichten über Feuerwehrübungen üblich – in An- und Abführungszeichen gehört. Denn glücklicherweise hat es real weder zwei schwerverletzte junge Leute noch einen unauffindbaren Radfahrer gegeben.
Er sei selber bass erstaunt gewesen, „wie ungeheuer realistisch wir die Sache hingekriegt haben“, berichtete der Reinser Ortsbrandmeister Nils Langhorst am Freitag. Weder dieser noch das die Übung genehmigende Stadtkommando haben vor, während und direkt nach der Übung einen entsprechenden Pressehinweis erteilt. Das gilt auch für die vorab informiert gewesene Polizei in Stadthagen und die Rettungsleitstelle, obwohl diese von der Redaktion kurz nach Auslösen des Alarms dazu befragt worden waren.
Die Idee zu dem Szenario habe ein Feuerwehrmann gehabt, der seinen alten Polo verschrotten wollte, erzählte Langhorst auf Anfrage am Freitag. Ein befreundeter Landwirt habe mit seinem Bagger die Beifahrerseite eingedrückt. Anschließend habe ein der Ortswehr nahestehender Kfz-Meister Öl, Benzin und sonstige Betriebsstoffe abgelassen, um jedes Risiko für Rettungskräfte und Grundwasser auszuschließen. Schließlich habe man das Wrack zehn Zentimeter von einem Baum entfernt platziert. „Im Dunkeln musste jeder denken, das Teil habe sich um den Baum gewickelt“, schilderte Langhorst. Der Abstand von dem Gehölz sei gewahrt worden, um diesen nicht im Geringsten zu beschädigen.
Im Vorfeld seien drei einschlägig erfahrene Laiendarsteller vom DRK-Kreisverband angeheuert worden, schilderte Langhorst weiter. Zwei von diesen seien mit roter Farbe „auf blutverschmiert geschminkt worden“. Deren Aussehen und schaupielerische Leistung als „schwerverletzte eingeklemmte Personen“ sei außerordentlich beeindruckend gewesen. Sogar die Rolle des in die Dunkelheit flüchtenden Radlers habe man mit einem Darsteller besetzt.
Anders als die alarmierten 40 Feuerwehrleute hätten die neun beteiligten Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes vom Übungscharakter gewusst. Vier von diesen seien Azubis gewesen, die unter Anleitung eines Lehrbeauftragten „bei solchen Übungen eine Menge lernen“, so Langhorst. Hauptzweck sei aber gewesen, dass die Feuerwehrleute unter dem Eindruck eines Echtfalls üben, schwerverletzte eingeklemmte Menschen aus einem Auto zu retten und einen flüchtenden Radfahrer im Dunkeln unter Einsatz einer Wärmebildkamera zu suchen. „Die allermeisten haben bis kurz vor Schluss der Übung geglaubt, alles sei echt“, so Langhorst.

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