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Unglückstouristen belagern Unfallstelle

Schaulustige nach Zusammenstoß Unglückstouristen belagern Unfallstelle

Als wäre ein Verkehrsunfall nicht schon schlimm genug, zieht das Unglück anderer Menschen auch noch Schaulustige an, die ihre Sensationslust befriedigen wollen. So auch zu erleben bei dem folgenschweren Zusammenstoß am Mittwoch auf der Lüdersfelder Straße in Probsthagen.

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Stadthagen (ber). Während die Rettungskräfte mit der Erstversorgung der drei schwer verletzten Frauen beschäftigt sind, sammeln sich um die Autowracks mehrere Schaulustige wie die Geier um das Aas. Mindestens drei der Gaffer halten an, steigen aus, zücken ihre Smartphones und fotografieren den Unfall. Weitere Verkehrsteilnehmer schleichen im Schneckentempo am Unglücksort vorbei, um zumindest einen flüchtigen Blick auf das Geschehen zu werfen.
Der Stadthäger Polizeisprecher hat kein Verständnis für solch ein Verhalten. „Das Schlimmste ist, dass Menschen am Unglück anderer nicht nur die eigene Neugier befriedigen, sondern diese auch noch mit anderen teilen, indem sie die Bilder im Internet verbreiten“, poltert Axel Bergmann. „Das ist die Krönung des Unfugs und gehört bestraft.“ Allerdings seien Unfallgaffer in Schaumburg bisher kein weitverbreitetes Problem. „Auf den Autobahnen ist es schlimmer.“
Auch der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes hat festgestellt, dass „bei Unfällen auf der A2 häufig der Verkehr auf der Gegenfahrbahn ins Stocken gerät, weil Verkehrsteilnehmer abbremsen und einen Blick auf den Unfall werfen wollen“. Allerdings sei es in Schaumburg bisher nicht zu Störungen durch Unfallgaffer gekommen, betont Bernd Gerberding. „Die Rettungskräfte konzentrieren sich auf die Erstversorgung der Unfallopfer, Gaffer nehmen sie in der Regel gar nicht wahr.“
Für Aufsehen hatte dagegen ein Zwischenfall im Juli 2015 in Bremervörde gesorgt: Ein Auto war in eine Eisdiele gerast, zwei Menschen starben – und es gab handfeste Auseinandersetzungen zwischen Schaulustigen und Polizisten. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte daraufhin einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nach dem das Fotografieren und Filmen von Unfallopfern verboten sein soll.
Ende Januar hat sich auch der Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar mit dem Problem beschäftigt. Die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) forderte erneut härtere Strafen gegen Gaffer. Wer Hilfeleistungen am Unfallort erschwert – auch durch Stehenbleiben und Fotografieren mit dem Handy – solle sich künftig strafbar machen. Smartphones von Schaulustigen sollten direkt am Unfallort beschlagnahmt werden, so die Forderungen.

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