Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Unheimlicher Stalker macht weiter

Stadthagen Unheimlicher Stalker macht weiter

Beharrlichkeit zahlt sich nicht immer aus. Erst Recht nicht, wenn andere unter der Anhänglichkeit leiden. Das Amtsgericht Stadthagen hat einen unverbesserlichen Stalker nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Beim nächsten Liebesbeweis droht der Knast.

Voriger Artikel
Polizeiüberwachung nach Anrufen bei Rentner
Nächster Artikel
Start der Interkulturellen Wochen

Stadthagen. Während der Verhandlung schweigt der Angeklagte beharrlich – sein gutes Recht. Nachdem Richter Kai Oliver Stumpe das Urteil verkündet hat, beginnt er zu jammern und sich über das Opfer zu beklagen. „Das interessiert mich nicht“, lässt Stumpe den 32-Jährigen auflaufen. Zu spät, die Entscheidung ist bereits gefallen.

Vier Monate Freiheitsstraße mit Bewährung hat das Amtsgericht Stadthagen gegen den Stalker verhängt, der seit geraumer Zeit einer Stadthägerin (19) nachstellt, vermutlich aus verschmähter Liebe. Ein Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz. Dass es eine einstweilige Anordnung gibt, wonach er dem Haus der Auszubildenden nicht näher als 20 Meter kommen darf, interessiert den Arbeitslosen offenbar wenig.

„Wenn das so weitergeht, landen Sie im Knast“, warnt Richter Stumpe den Angeklagten. „Mit Geldstrafen kann man nicht mehr auf Sie einwirken. Jetzt müssen Freiheitsstrafen her.“ Damit das Urteil nicht nur auf dem Papier steht, kommen 40 Sozialstunden hinzu, eine von mehreren Auflagen. Stumpe sieht „eine unselige Tendenz zu Stalking-Attacken“. Was ihm „bitterböse aufstößt“: Nur wenige Wochen nach einem früheren Urteil hatte der Stadthäger jene Tat begangen, um die es jetzt geht.

Im Briefkasten seiner Angebeteten deponierte er eine Zeichnung, das Bild einer jungen Frau. Der Text dazu: „Kunst zum Behalten. Alles Gute.“ Das war im November 2014. Am nächsten Tag brachte die Mutter des Opfers das Bild zur Polizei. Mittlerweile liegt ein Gutachten des Landeskriminalamtes vor, wonach Fingerspuren auf dem Papier zum Angeklagten gehören. Damit gilt der 32-Jährige als überführt.

Im Oktober 2014 hatte Stumpe den Stalker zu einer Geldstrafe von 650 Euro verurteilt, nachdem er in die Wohnung einer anderen Frau (23) gegangen war, um Hausputz zu machen. Er räumte gründlich auf, stellte die Möbel um und brachte den Müll herunter (wir berichteten). Zuvor hatte der unheimliche Mann die 23-Jährige wochenlang beobachtet. So wusste er, wo der Haustürschlüssel lag.

Die dafür verhängte Geldstrafe hat den Stadthäger offenbar nicht sonderlich beeindruckt: Wenige Wochen später warf er die Zeichnung in den Briefkasten des anderen Opfers. Die 19-Jährige berichtet, dass der Stalker zuvor nachts vor dem Haus ihrer Eltern gestanden habe, wo sie damals noch lebte – und tagsüber vor ihrer Ausbildungsstätte. Zum Valentinstag soll er Rosen und Gummibärchen vor die Haustür gelegt haben.

Zudem stand der 32-Jährige unter Verdacht, an mehreren Orten in der Stadt gemalte Herzen hinterlassen zu haben, die den Buchstaben J umschließen – eins davon sogar vor den Treppenstufen des Justizgebäudes. Dieses Verfahren wurde jedoch mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Mit einem J beginnt auch der Vorname der 19-Jährigen, in deren Briefkasten die Zeichnung gelandet ist. Sie und der Angeklagte begegnen sich im Gerichtssaal wieder. „Sind die Graffitis von ihm?“, fragt Stumpe die Frau. Sie weiß es nicht, könnte sich das aber vorstellen. Bis dahin hat der Mann die Verhandlung fast reglos verfolgt. Plötzlich huscht ein Lächeln über sein Gesicht. ly

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg