Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
VW-Manager bekennt sich schuldig

Diesel-Skandal VW-Manager bekennt sich schuldig

Monatelang plädierte er auf unschuldig, nun der Sinneswandel. In den USA hat der Stadthäger VW-Manager ein Geständnis im Abgas-Skandal abgelegt. Dadurch sinkt sein potenzielles Strafmaß deutlich. Spannend wird jetzt, ob er als Zeuge auspackt und weitere Manager belastet.

Voriger Artikel
Rechtsanspruch erfüllt
Nächster Artikel
Spind im Tropicana aufgebrochen
Quelle: dpa

DETROIT/STADTHAGEN.  Der Albtraum begann für den 48-Jährigen am 7. Januar. Das FBI fing den Volkswagen-Manager vor der Rückreise nach Deutschland ab, der alljährliche Winterurlaub in Florida endete mit klickenden Handschellen am Flughafen von Miami. Seitdem ist der langjährige VW-Mitarbeiter in Haft und spürt die volle Härte der US-Justiz. Bei der strafrechtlichen Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist der gebürtige Stadthäger die zentrale Figur – zumindest in den USA, wo außer ihm bislang nur ein Ingenieur gefasst wurde, der rasch einen Kronzeugen-Deal schloss.

 Nun hat auch der 48-Jährige ein Schuldgeständnis abgegeben. Der Deutsche, der laut Anklage bis März 2015 in leitender VW-Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut war, räumte am Freitag vor dem zuständigen US-Gericht in Detroit ein, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen US-Umweltgesetze gewesen zu sein.

Strafmaß sinkt erheblich

 Durch das Geständnis sinkt sein potenzielles Strafmaß erheblich. Während sein Kollege, der vor rund einem Jahr als erster VW-Mitarbeiter in der Diesel-Affäre auspackte, von Anfang an auf Milde hoffen durfte, drohte dem Stadthäger bisher die Höchststrafe. Das Justizministerium hatte den „Fall 20394“, ursprünglich mit elf Anklagepunkten eröffnet. Bei einem Schuldspruch hätte das im Extremfall 169 Jahre Haft bedeutet. Trotzdem plädierte der verheiratete Manager über Monate auf unschuldig.

 Erst vor knapp zwei Wochen hatten seine Anwälte den zuständigen Richter Sean Cox informiert, dass ihr Mandant geständig sei (wir berichteten). Zuvor waren sie nicht nur mit Kautionsanträgen abgeblitzt, sondern hatten sogar Probleme, den 48-Jährigen in der U-Haft mit alltäglichen Dingen wie einer Brille oder Medikamenten zu versorgen. Trotz des Angebots, 1,6 Millionen Dollar als Sicherheit zu hinterlegen, und etlicher Empfehlungsbriefe von Familie und Freunden – unter anderem der Schaumburger EU-Abgeordnete Burkhard Balz, der mit dem Angeklagten zur Schule gegangen ist – war Cox die Fluchtgefahr zu groß, um den Manager bis zum Prozess auf freien Fuß zu setzen.

 Zum Prozess wird es jetzt nicht mehr kommen – damit verliert der 48-Jährige aber auch die Chance, sich vor Gericht zu verteidigen und im Erfolgsfall einen Freispruch zu erstreiten. Durch seinen Deal mit den US-Behörden wird allerdings auch das Risiko einer sehr langen Haftstrafe ausgeräumt.

 Der Großteil der Anklagepunkte wurde im Gegenzug für das Geständnis fallengelassen. Jedoch bestehen die Vorwürfe der Mittäterschaft bei Betrug und mutwilliger Verletzung des Luftreinhaltegesetzes fort, es droht nach wie vor eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Bei den Geldstrafen liegt das offizielle Höchstmaß nun bei insgesamt 500.000 Dollar, doch laut seiner Vereinbarung mit den US-Behörden könnte es gelingen, das Bußgeld auf einen Betrag zwischen 40.000 bis 400.000 Dollar zu drücken. Das Urteil soll am 6. Dezember gefällt werden, bis dahin muss er in Haft bleiben.

Kooperation mit Ermittlern

 Welches Strafmaß er letztlich erhält, dürfte auch maßgeblich davon abhängen, inwieweit er zur Kooperation mit den Ermittlern bereit ist. Denn auch wenn die „Dieselgate“-Affäre für VW nach mehreren Milliarden-Vergleichen mit Klägern auf Konzernebene in den USA weitgehend abgeschlossen ist, hat die dortige Justiz die Suche nach schuldigen Führungskräften noch längst nicht aufgegeben. Erst im vergangenen Monat wurde die mittlerweile achte Strafanzeige veröffentlicht – diesmal gegen einen Ex-Manager der VW-Tochter Audi. Von Hannes Breustedt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr