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Stadthagen Stadt VW will Ex-Manager Oliver S. feuern
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt VW will Ex-Manager Oliver S. feuern
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18:22 08.12.2017
Oliver S. 2015 in einem E-Golf. Quelle: imago
Stadthagen

Für S., der neben den sieben Jahren Haft auch noch eine Geldstrafe von 400.000 Euro erhielt, wäre das ein weiterer Tiefschlag. Die Härte des Urteils hatte bei Beobachtern für Entsetzen gesorgt. Denn der 48-Jährige würde bei einer Kündigung auch den Anspruch auf seine Betriebsrente verlieren. Volkswagen wollte sich zur Anfrage der Bild-Zeitung nicht äußern. Nach Informationen des Blattes soll der bereits Ende August verurteilte Ingenieur James Liang (40 Monate Haft) hingegen immer noch Mitarbeiter der Volkswagen AG sein.

S. hatte nach seinem Schuldeingeständnis Vorwürfe gegen den Konzern erhoben. Als Chef der VW-Umweltabteilung in den USA sei er von seinen Vorgesetzten nicht über die Existenz der später aufgedeckten Betrugssoftware in VW-Dieselmodellen informiert worden.

In Tränen ausgebrochen

Dennoch hat Richter Sean Cox das mögliche Strafmaß komplett ausgeschöpft. Die bittenden Eingaben von S. und die Argumente dessen Verteidigers hat er weggewischt. Mehrfach ist der Stadthäger – in Handschellen, Fußfesseln und einem roten Gefängnisanzug – im Gericht in Detroit in Tränen ausgebrochen, während der Richter ihm seine Taten vorhielt und das Urteil verkündete.

„Ich bin entsetzt, dass der Richter ein derart hartes Urteil gefällt hat“, sagte Burkhard Balz, Europaabgeordneter der CDU. Er ist ein Jugendfreund von S., hat mit ihm gemeinsam in Stadthagen Abitur gemacht. Balz hofft nun, dass der 48-Jährige zumindest einen Teil seiner Strafe in Deutschland absitzen kann. „Er sollte möglichst schnell überstellt werden.“

Auch Arndt Sinn, Experte für internationales Strafrecht an der Universität Osnabrück, bezeichnete das Urteil als hart. „Das ist eine drastische Sanktion“, sagte er. Er schließt sich der Forderung von Balz an. „Deutschland muss auf Überstellung drängen. Die Haft in der Nähe der Familie dient der Resozialisierung“, erklärte er. Wie groß die Erfolgschancen eines eventuellen Antrags wären, das wollte Sinn nicht beziffern. Die Amerikaner könnten zum Beispiel ablehnen, weil die Haftbedingungen in Deutschland komfortabler sind, warnte er. Deutschland und die USA haben ein Abkommen über „die Überstellung verurteilter Personen“ ratifiziert. Das Auswärtige Amt sah sich aber nicht in der Lage, Fragen zum Fall S. zu beantworten.

Verbittert und enttäuscht

Auch der VW-Konzern wollte nicht auf das Schicksal seines Mitarbeiters eingehen. „Volkswagen kooperiert weiterhin vollumfänglich mit dem US-Justizministerium in Bezug auf Handlungen von Einzelpersonen. Es wäre nicht angemessen, individuelle Verfahren zu kommentieren“, sagte ein Sprecher.

S. zeigt sich verbittert und enttäuscht über VW. Sein Fehler sei vor allem gewesen, die Befehle von oben befolgt zu haben: „Ich hätte diese Anweisungen ignorieren sollen.“ Er sei immerhin einer der wenigen Mitarbeiter gewesen, die den Betrug im August 2015 vor den US-Behörden eingeräumt hätten. „Ich möchte noch einmal bekräftigen, wie sehr es mir leid tut, US-Gesetze verletzt zu haben.“
Richter Cox ließ sich jedoch nicht erweichen. „Sie haben die versuchte Vertuschung des Diesel-Skandals als Gelegenheit gesehen, Vorgesetzte zu beeindrucken und ihre Karriere bei VW voranzutreiben“, hielt er S. vor.

Von Christian Wölbert

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