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Stadthagen Stadt Verärgerung über Kostenexplosion
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Verärgerung über Kostenexplosion
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12:58 11.03.2018
Die Kosten für die Restaurierung des Lusthauses sind in die Höhe geschnellt. Quelle: rg
Stadthagen

„Diese beträchtliche Steigerung ist sehr ärgerlich“, befindet Jan-Philipp Beck. Der Vorsitzende der SPD/Grüne/FDP-Gruppe kündigt an, diese werde „bei der Verwaltung sehr kritisch nachfragen, worin der Anstieg begründet liegt“.

 Es zeige sich jetzt umso mehr, „wie richtig es war, dass unsere Mehrheitsgruppe sich bei der Restaurierung nur für die kleine Lösung entschieden hat“, so Beck: „Andere in Politik und Verwaltung hatten damals eine größere Variante, etwa mit gläsernem Anbau, im Sinn.“ Jetzt erweise sich umso eindeutiger, „dass eine solche Ausführung wirtschaftlich überhaupt nicht darstellbar gewesen wäre“.Hoher Identifikationsgrad

 Allerdings stehe die Ampel-Mehrheit zum Projekt in seiner jetzigen Form. Es gebe in der Bevölkerung „einen so hohen Identifikationsgrad mit dem Lusthaus“, argumentiert Beck, dass man die Sache jetzt auch zu Ende führen müsse. Da alle wesentlichen Sanierungsschritte mittlerweile fertiggestellt sind, gehe er auch davon aus, „dass keine weiteren signifikanten Kostensteigerungen mehr zu erwarten sind.“

Teures Juwel

Als „sehr unerfreulich“ bezeichnet CDU-Fraktionssprecher Heiko Tadge den Vorgang: „Das wird für die Stadt ein richtig teures Juwel.“ Dem Bauamt sei aber kein Vorwurf zu machen. Tadge ruft in Erinnerung, dass sich die erste Kostenschätzung nach dem Brand vor genau zwei Jahren noch auf 66.000 Euro belaufen hatte. Damals war man noch davon ausgegangen, dass eine Behebung des Brandschadens im bestehenden Gebäude möglich wäre. Erst später habe sich herausgestellt, dass die Bausubstanz dafür zu marode war. „Vom Anfang her gesehen reden wir also im Grunde sogar von einer Verzehnfachung der Kosten“, rechnet Tadge vor.

 Jetzt müsse man aber „in den sauren Apfel beißen“, fährt der CDU-Sprecher fort: „Wenn wir jetzt aufhören und das Gebäude abreißen würden, hätten wir schon zu viel Geld versenkt.“ Allerdings müsse man aus dem Vorgang die Lehre ziehen, „dass wir mit der Sanierung von alten Objekten sehr vorsichtig sein müssen, weil das immer eine Kostenexplosion nach sich ziehen kann“, fügt Tadge an.

 Inakzeptabel

„Das ist inakzeptabel, dass so etwas passiert“, schimpft WIR-Vorsitzender Richard Wilmers: „Uns Politikern verlangt man im Rahmen der Sparbemühungen permanent Streichungen ab, und hier werden mal eben 100.000 Euro mehr ausgegeben.“ Es gelte herauszufinden, ob es sich um eine unvorhersehbare Kostensteigerung handelt „oder ob die Verwaltung zusammen mit Architekt und Ingenieurbüro nicht sorgfältig genug kalkuliert hat“, sagt Wilmers. „Wenn wir gleich gewusst hätten, wie teuer das letztlich wird, hätten wir vielleicht doch anders darüber nachgedacht“, so der WIR-Chef.

 „Natürlich ist das ein Ärgernis“, räumt auch Verwaltungschef Oliver Theiß ein. Für die Kostensteigerung gebe es zwei Gründe: Erstens „treten bei einem solch‘ alten Objekt schlichtweg Unwägbarkeiten bei der Bausubstanz auf“. Und: „Bei der derzeitigen Hochkonjunktur im Baugewerbe ist mit Preissteigerungen zu rechnen.“ Das Bauamt orientiere sich bei der Umsetzung des Sanierungsprojekts stets an wirtschaftlichen Lösungen. So habe man sich beispielsweise für die kostengünstigere Barockdecke anstatt der aufwendigen Renaissance-Kassettendecke entschieden.