Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Verbraucher schrecken vor E-Autos noch zurück

Autohändler setzen auf Prämie Verbraucher schrecken vor E-Autos noch zurück

Auf diesen Nervenkitzel hätte Stadthagens Bürgermeister Oliver Theiß wohl gerne verzichtet: Auf dem Weg von Hannover nach Stadthagen im Elektroauto schnellte die Energieanzeige besorgniserregend immer weiter gen null – sprich Theiß war auf dem besten Weg mitten auf der Strecke liegen zu bleiben.

Voriger Artikel
Unfall: Ford landet auf dem Dach
Nächster Artikel
Lange Arme sind gefragt

Stadthagen. „Ich hatte schon extra das Radio und die Heizung ausgeschaltet und nur sehr selten den Scheibenwischer betätigt, um Energie zu sparen.“ Außerdem habe er immer wieder gebremst, denn das erzeugt bei einem Elektrofahrzeug auch Energie. Am Ende haben die Maßnahmen geholfen, denn Theiß erreichte das Ziel. „Allerdings wäre ich nur noch zwei Kilometer weit gekommen.“ Das war also knapp.

 Stadthagens Bürgermeister ist längst nicht der Einzige, der eine solche Erfahrung gemacht hat. Die meisten Fahrer eines E-Autos haben eine solche Situation schon kennengelernt. Das ist offensichtlich auch der Hauptgrund, warum die Autos, die mit Strom betankt werden, weiterhin Ladenhüter und keine echte Alternative sind. Das will die Regierung bekanntlich mit der Prämie von 4000 Euro für reine E-Autos und 3000 Euro für Hybridwagen ändern.

 Vielleicht war diese Fahrt von Theiß auch ausschlaggebend, dass die Stadt entschieden hat, den im April ausgelaufenen Vertrag der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg nicht zu verlängern. Offiziell führt die Verwaltung „wirtschaftliche Gründe“ an. Anlässlich des Modellprojektes „Kommunen für Elektromobilität“ hatte die Stadtverwaltung einen VW e-up bekommen. Unterstützt wurde das Projekt durch die Metropolregion mit einer monatlichen Förderung in Höhe von 200 Euro auf die Leasingrate. „Auch wenn wir uns nun entschieden haben, ohne den e-up auszukommen, heißt das nicht, dass das Thema E-Mobilität dauerhaft vom Tisch ist“, so Theiß.

 Von dem Problem der Reichweite, die derzeit noch zwischen 140 und 200 Kilometern liegt, wissen natürlich auch die ortsansässigen Autohändler. Torsten Richter ist Filialleiter BMW-Autohaus Becker-Tiemann und berichtet von verhaltenen Anfragen der Kunden. Zu Zeiten der sehr hohen Spritpreise sei das anders gewesen und es seien auch eine Handvoll verkauft worden. Allerdings seien auch die hohen Anschaffungskosten bei den meisten interessierten Kunden ein Hindernis. 30000 Euro sind markenübergreifend das Minimum. Der schicke Tesla liegt freilich deutlich drüber. Aus diesem Grund kann sich Richter auch vorstellen, dass „die Prämie ein Anreiz für Leute ist, die auf der Kippe stehen“. In den kommenden Jahren werde sich seiner Ansicht nach noch vieles auf dem Markt entwickeln.

 Während die E-Bikes boomen, hinken die Autos also noch hinterher. Am Fahrgefühl liegt das nicht, ist Richter überzeugt. „Die Kunden sind nach einer Probefahrt immer sehr angetan.“ Die Beschleunigung der Elektroautos ist enorm und lässt benzinbetriebenen Wagen meist keine Chance.

 Der Opel Ampera benötigt beispielsweise 6,9 Sekunden auf hundert Meter. Allerdings liegt die Spitzengeschwindigkeit bei den Elektroautos bei etwa 150 Kilometern in der Stunde. Bei hohen Geschwindigkeiten ist der Stromtank besonders schnell leer. Frank Starnitzke vom gleichnamigen Opel Autohaus in Bückeburg spricht von einer „permanenten Nachfrage“ nach dem Opel Ampera. Etwa 15 Stück habe er in den vergangenen Jahren davon verkauft. Nachbarländer wie die Niederlande oder Norwegen hätten gezeigt, dass staatliche Subventionen durchaus Wirkung zeigen. Das Thema sei durch die Prämie auch in den Medien wieder deutlich präsenter. Das zeige erfahrungsgemäß auch Wirkung. Mit konventionellen Mitteln ist es laut Starnitzke nicht möglich, die angepeilten hohen Ziele zu erreichen – 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. „Es muss ein Umparken im Kopf der Menschen stattfinden“, meint der Autohändler. Opel sei auf einem sehr guten Weg und liege etwa bei der Reichweite mit 300 Kilometern deutlich über dem Durchschnitt. Die Prämie könne helfen, dass der Übergang von Benzin auf Elektro schneller funktioniere.  jemi

Das müssen Sie über die Prämie wissen

Wo wird die Prämie beantragt?
Wie schon die Abwrackprämie für Altautos 2009 verwaltet auch diesmal das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) die Auszahlung der Prämie.
Wer darf einen Antrag stellen?
Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird. Die Zulassung muss nach dem 18. Mai 2016 erfolgt sein.
Wird der Kauf aller Elektroautos gefördert?
Nein. Generell sind Prämien nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60000 Euro fürs Basismodell möglich. Wer sich einen Porsche Cayenne leisten kann, brauche keine Unterstützung aus Steuergeldern, so die Argumentation.
Wer bekommt die Prämie?
Anträge für die Prämien können in Kürze online beim Bafa gestellt werden, der genaue Zeitpunkt wird rechtzeitig bekanntgegeben. „Schnell, voll elektronisch und sicher“ soll die Abwicklung laut BAFA-Chef Arnold Wallraff gehen. Ein schriftliches Verfahren wie bei der Abwrackprämie wird es nicht mehr geben. Vorher gestellte Anträge können nicht bearbeitet werden.
 Welche Unterlagen sind nötig?
Wer die Prämie bekommen will, muss eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen. Dafür hat man einen Monat Zeit nach Eingang des Antrags beim Bafa. Achtung: Um die 2000 Euro Bonus vom Staat für einen reinen Stromer oder 1500 Euro für einen Hybrid-Wagen zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller eine Prämie in selber Höhe vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat. Die Dokumente können beim Antrag als Kopie hochgeladen werden.
Welche Hersteller beteiligen sich?
Die deutschen Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW sind dabei, aber auch viele ausländische Hersteller ziehen mit. So beteiligen sich nach Angaben ihres Branchenverbandes VDIK Citroën, Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Renault, Toyota und Volvo.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr