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Verfahren gegen Vater eingestellt

Amtsgericht Stadthagen Verfahren gegen Vater eingestellt

Das Verfahren gegen einen 29-jährigen Stadthäger ist eingestellt worden. Der Mann war verdächtigt worden, seiner kleinen Tochter Verletzungen zugefügt zu haben.

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STADTHAGEN. Kein Wunder, dass das kleine Mädchen schreit: Die Ärzte stellen einen Bruch des rechten Schienbeins fest. Gleichzeitig werden vier Rippenbrüche diagnostiziert, die allerdings bereits zwei bis drei Monate alt sind.

Der Vater gerät in Verdacht, seine Tochter grob behandelt zu haben. Später bekommt er einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen und soll 900 Euro zahlen, in diesem Fall zwei Monatseinkommen. „Das war ein Schock für meinen Mandanten“, berichtet Verteidiger Reinhard Zindel. Gegen den Strafbefehl, eine schriftliche Verurteilung, legt der Stadthäger (29) Einspruch ein. Es kommt zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Stadthagen.

Ergebnis: Auf Anregung des Leitenden Oberstaatsanwalts Martin Appelbaum stellt Richter Andreas Feldhaus das Verfahren ohne Auflagen ein.

Entlastet hat den angeklagten Stadthäger vor allem das Gutachten einer Rechtsmedizinerin der Medizinischen Hochschule Hannover. Demnach können die Rippenbrüche auch bei der Geburt entstanden sein. Erstens würde das zeitlich passen. Zweitens war das Baby ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 2000 Gramm.

Zum Beinbruch: Um das Schienbein eines derart zarten Kindes zu brechen, das acht Wochen zu früh auf die Welt gekommen war, ist möglicherweise keine übermäßige Gewaltanwendung nötig. Vielmehr kann es bei dem Frühchen laut Gutachten der Professorin zu Mangelerscheinungen gekommen sein, sodass sich die Knochen nicht wie bei anderen Babys entwickelt haben. Dies könne auch bei deutlich geringerer Krafteinwirkung zu Brüchen führen.

Der Vater gibt zu Protokoll, er habe mit seiner Tochter „Feinmotorik-Übungen gemacht“, deren Ablauf er im Gerichtssaal anhand einer Puppe demonstriert. Wie man dabei mit dem Kind umgeht, hatte ihm eine Hebamme gezeigt. Diese kann sich nicht erinnern, dass der Mann seine Tochter jemals schlecht behandelt hat.

Auch deshalb hält Richter Feldhaus die Anregung der Staatsanwaltschaft, das Strafverfahren einzustellen, für „sachgerecht“. Nach der Beweisaufnahme samt medizinischem Gutachten waren dem Angeklagten nicht nachzuweisen, seine Tochter die vier Rippen gebrochen zu haben.

Was die Fraktur des Schienbeins angeht, nimmt die Anklagebehörde dagegen wohl immer noch an, dass der Stadthäger das Kind zu fest angefasst hat. Da Mangelerscheinungen der Knochen jedoch nicht ausgeschlossen werden können, stuft die Justiz den Vorwurf, der dem Vater gemacht werden kann, als „gering“ ein – zumal er sich bei den Übungen an die Anleitung der Hebamme gehalten hatte.

Weder er noch die Hebamme haben eine Erklärung, wie es zu den Verletzungen gekommen sein könnte. Vielleicht waren der Mann und seine Partnerin auch einfach überfordert. Die Mutter (24) soll sich anfangs kaum getraut haben, das eigene Kind anzufassen. So zerbrechlich wirkte es. ly

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