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Völlers abgehängt

Nächtliche Hängepartie Völlers abgehängt

Es war eine kurze Nacht für Marja-Liisa Völlers – mit einem enttäuschenden Ergebnis. Die 32-Jährige hat den Einzug in den Bundestag knapp verpasst. Erst gegen 3 Uhr morgens sei klar gewesen, dass sie es mit ihrem Listenplatz 14 nicht schaffen wird, sagt die Münchehägerin im SN-Gespräch.

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Parteiaktivisten entfernen Plakate der SPD-Wahlverliererin Marja-Liisa Völlers, um sofort Platz für Landtagswahl-Werbung zu schaffen. 

Quelle: RG

LANDKREIS. „Ich habe immer davor gewarnt zu sagen, dass es ein sicherer Listenplatz ist.“ Nun war das desaströse Wahlergebnis der SPD der Grund, dass es nicht gereicht hat.

Die Landesliste hat inklusive Platz 10 gezogen, die nächsten drei Kandidaten haben ihre Direktmandate geholt, erklärt Völlers ihre Niederlage. Das bedeutet aber auch, dass die 32-Jährige in Niedersachsen die erste Nachrückerin ist. Sollte also in den nächsten vier Jahren ein niedersächsischer SPD-Bundestagsabgeordneter sein Mandat aufgeben, könnte sie doch noch in den Bundestag einziehen. Und würde dies dann auch tun.

Becker: Neue Kandidatin "hatte es schwerer"

Der Schaumburger SPD-Vorsitzende Karsten Becker sieht für die deutliche Niederlage von Völlers gegen Maik Beermann (CDU) beim Kampf ums Direktmandat hauptsächlich zwei Gründe. „Für die neue Kandidatin war es schwierig, sich gegen einen etablierten Mandatsinhaber durchzusetzen, dessen politische Aufgaben in Berlin ihm viel Zeit gelassen haben, im Wahlkreis sehr präsent zu sein“, nennt Becker den aus seiner Sicht wichtigsten Grund. Und: Das insgesamt schlechte Abschneiden der SPD habe überall auch die Erststimmen-Ergebnisse von Sozialdemokraten gedrückt, da sei Völlers keine Ausnahme. Dass sie mit ihrem Erststimmen-Ergebnis 2,3 Prozent über den Zweitstimmen für die SPD liegt, „ist für sie ein anständiges Ergebnis“, bekundet Becker.

Am Engagement habe es nicht gelegen

Auf von verschiedener Seite geäußerte Kritik, Völlers habe es im Wahlkampf an Profil gemangelt, sagte Becker: „Für einen Neuling aus dem Stand heraus ein voll entwickeltes Politikprofil aufzuweisen, kann man nicht erwarten, das muss man sich erst erarbeiten.“ Sie sei im Wahlkampf „emsig und umtriebig“ gewesen, an ihrem persönlichen Engagement habe es nicht gelegen, unterstreicht Becker. Dasselbe gelte für den Einsatz der Schaumburger SPD-Ehrenamtlichen für Völlers, ungeachtet der Tatsache, dass der Bad Nenndorfer Ralph Tegtmeier im Nominierungsverfahren der Münchehägerin Völlers unterlegen war. Becker: „Das hat keine Rolle gespielt.“

Seine Chancen, bei der Landtagswahl in knapp drei Wochen im Wahlkreis Schaumburg wieder das Direktmandat zu erobern, sieht Becker durch den jetzigen Wahlausgang „nicht beeinträchtigt“. Ausschlaggebend für das Ergebnis auf Bundesebene sei gewesen, „dass es bei den Menschen den Wunsch gibt, dass Merkel Bundeskanzlerin bleibt“. Diese trete bei der Landtagswahl aber nicht an. Zudem habe die Schaumburger SPD „keinen Anlass, den Kopf in den Sand zu stecken“.

Die Wahlbeteiligung hat in Schaumburg 76,7 Prozent betragen, das liegt leicht über dem Bundesschnitt (76,2). Vor vier Jahren hatte sie bei 72,3 Prozent gelegen. Im gesamten Wahlkreis Nienburg II-Schaumburg beteiligten sich dieses Mal 75,3 Prozent der Wahlberechtigten. col, ssr

Fünf Fragen an…

Frau Völlers, Sie haben den Einzug knapp verpasst. Wie haben Sie den heutigen Morgen erlebt?
Nach ein paar Stündchen Schlaf habe ich mit vielen Freunden und Genossen telefoniert, die natürlich alle auch traurig sind, dass es nicht geklappt hat. Ich habe aber auch sehr viel aufmunternden Zuspruch erhalten.
Woran hat es Ihrer Meinung nach gelegen?
Wir haben noch keine Auswertung vorgenommen, wo wir zum Beispiel zu wenig Leute mobilisiert haben. Als neue Kandidatin im Wahlkampf ist man ohnehin schon mehr dem Bundestrend unterworfen.
Sehen Sie eigene Fehler? Oder haben Sie zu wenig Unterstützung von der Partei in Schaumburg erfahren?
Momentan sehe ich keine eigenen Fehler, wir haben mehrfach eigene Themen gesetzt. Außerdem habe ich bis Mitte Juni noch mit einer vollen Stelle im Schuldienst gearbeitet. Meine Genossen haben mich alle wunderbar unterstützt, ich würde da niemandem einen Vorwurf machen.
Wie geht es für Sie persönlich weiter? Ist ein zweiter Anlauf in vier Jahren denkbar?
Wenn jemand sein Mandat niederlegt, werde ich in den Bundestag nachrücken. Sollte es so kommen, würde ich in vier Jahren wieder antreten.
Ab wann unterrichten Sie wieder?
Frühestmöglich. Ich werde diese Woche ein paar Vertretungsstunden übernehmen und dann nach den Herbstferien wieder voll einsteigen. col

Wahlstimmen

Der Stadthäger Europaabgeordnete Burkhard Balz , auch im Präsidium der Landes-CDU vertreten, schaute nach vorn: Zwar habe die CDU an Zweitstimmen verloren, doch das Ergebnis zeige grundsätzlich, dass die Christdemokraten in Niedersachsen bei der Landtagswahl die größte Fraktion werden können. In Berlin stünden nun schwierige Koalitionsverhandlungen bevor.
„Trotz der desaströsen Entwicklung am rechten Rand im Parlament herrscht bei uns jetzt zunächst Erleichterung“, bekundete die Grünen-Abgeordnete Katja Keul : „Mit der genannten schlechten Entwicklung hatten wir ja gerechnet, aber bei der erfreulichen Tenbdenzfür uns waren wir uns nicht sicher. Wir freuen uns deshalb jetzt umso mehr, dass wir wieder mit einer Abgeordneten aus Nienburg in Berlin vertreten sind.“
Linken-Bundestagskandidat Torben Franz bedauert, dass es die Linke nicht zur drittstärksten Kraft gebracht hat. „Dennoch zeigt sich deutlich, dass Die Linke eine Partei ist, die mit einem stabilen Ergebnis arbeiten kann. Die Stärke der AfD muss uns natürlich besorgt machen, noch mehr als zuvor müssen wir die Konfrontation mit dieser Partei aufnehmen und soziale Alternativen anbieten.“
FDP-Kreisvorstandsmitglied und Kreistagsabgeordneter Lother Biege kann sich eine Jamaika-Koalition gut vorstellen. Das gute Abschneiden der LIberalen lasse die Mitglieder vor Ort „aufatmen“. Schon im Wahlkampf sei die gute Stimmung für die Liberalen spürbar gewesen.
SPD-Kreistagsvorsitzender Eckhard Ilsemann bemerkte mit einem Schmunzeln: „Jamaika ist eine schöne Insel, aber keine politische Konstellation, die mir gefallen könnte.“

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