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Vollzeit-Job in den eigenen vier Wänden

Tagesmütter Vollzeit-Job in den eigenen vier Wänden

Schon um sechs Uhr in der Früh beginnt das Leben im Haus von Kathrin Meyer. Die 45-jährige Stadthägerin arbeitet als Tagesmutter.

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Vorlesen hält Kathrin Meyer für besonders wichtig.

Quelle: jem

STADTHAGEN. Nicht nur ihr Ehemann und die beiden Kinder sitzen am Frühstückstisch. Auch ein kleines Mädchen leistet der Familie bereits Gesellschaft und kaut auf einem Käsebrot. Im Laufe des Morgens kommen noch vier weitere Kinder zwischen einem und drei Jahren dazu. Meyer ist Tagesmutter – und das schon seit gut zehn Jahren. Die gelernte Erzieherin und studierte Heilpädagogin hat auch schon in Kindergärten gearbeitet, aber als ihre Tochter 2002 auf die Welt kam, wollte sie ihr Kind gerne länger selbst betreuen.

Eine Freundin der 45-Jährigen regte an, dass sie doch Tagesmutter werden solle. Dann könnten auch gleich ihre Kinder von Meyer betreut werden. Gesagt getan. Zuerst nahm sie die Kinder von Freunden und aus der Nachbarschaft auf. Später kamen immer mehr Jungen und Mädchen dazu. „Das lief und läuft auch heute noch zum großen Teil über Mundpropaganda. Werben musste ich noch nie für mich“, sagt die Stadthägerin. Fünf Kinder darf sie gleichzeitig betreuen und das macht sie in der Regel auch. Die Flexibilität bei den Betreuungszeiten und der geschützte familiäre Rahmen seien einfach zwei große Vorteile zur Krippe.

Die Nachfrage nach Kindertagespflege ist groß

Da ihre eigenen Kinder mittlerweile elf und 14 Jahre alt sind, habe sie zwischenzeitlich immer wieder darüber nachgedacht, auch wieder in einem Kindergarten zu arbeiten. „Aber die Nachfrage für Kindertagespflege war immer so groß, dass ich es nicht geschafft habe ‚nein‘ zu sagen.“

Die Familie habe von ihrem Job in den eigenen vier Wänden stets profitiert, ist sie sich sicher. In Krankheitsfällen ist sie zuhause. Auch andere Termine lassen sich häufig besser miteinander vereinbaren. Da ihr Mann der Hauptverdiener der Familie sei, könne sie auch mit dem Unsicherheitsfaktor der Selbstständigkeit leben.

Antje Baumgarten von der Kinderbetreuungsagentur (KIBA) des Landkreises Schaumburg betont, dass die Selbstständigkeit allerdings unter guten Bedingungen ablaufe. Zum einen können die Tagespflegepersonen 20 bezahlte Urlaubstage und zehn Krankheitstage nehmen. Außerdem werden die Hälfte der Kranken- und Rentenversicherung vom Jugendamt übernommen. Das ist gesetzlich festgelegt. Betreue eine Tagesmutter die maximal möglichen fünf Kinder, summiere sich das Einkommen aus Baumgartens Sicht auf eine lohnende Summe.

In Schaumburg arbeiten derzeit insgesamt 145 Tagesmütter. Diese Zahl habe sich in den vergangenen vier Jahren kaum verändert. Dazu gehören die Tagespflegepersonen, die Großtagespflege und die Kinderfrauen. Sie betreuen rund 500 Kinder aus dem Landkreis. Baumgarten berichtet, dass vor gut zehn Jahren eine Professionalisierung im Bereich der Tagespflege stattgefunden habe. Die Qualifizierungsmaßnahmen umfassen bisher einen 160 stündigen Kurs. Nun gibt es im Juni noch die Möglichkeit einer Anschlussqualifizierung mit 140 Stunden. Dieser Kurs ist laut Baumgarten auch schon ausgebucht. Das zeige das Interesse bei den Tagespflegepersonen, immer auf dem neuen Stand zu sein. Eine Qualifizierungsmaßnahme von immerhin 300 Stunden sei schon ein Qualitätsmerkmal.
Baumgarten ist davon überzeugt, dass die Tagespflegepersonen eine gute Alternative vor allem für den ganz jungen Nachwuchs sind. „Die Kinder werden sehr familiennah betreut und lernen den Alltag kennen.“ Bei Meyer helfen die Kinder beispielsweise beim Kochen oder aufräumen.

Tagesmütter sollten viel Empathie haben

Die Stadthäger Tagesmutter hält es in erster Linie für wichtig, dass eine Betreuungsperson über viel Empathie verfügt. Man müsse in der Lage sein, die Kinder zu verstehen und Auffälligkeiten zu erkennen. Sie selbst bilde sich regelmäßig weiter. Wichtig sei ihr auch, fit bei der Ersten Hilfe zu sein, um im Notfall richtig reagieren zu können. Im Alltag achte sie im Sinne der Kinder auf einen strukturierten Tagesablauf. Von Ausflug zu Ausflug zu hechten, halte sie unnötig und kontraproduktiv. Sie selbst sieht es als Vorteil an, dass sie selbst Mutter ist – und tatsächlich ist die Mehrzahl aller Schaumburger Tagespflegepersonen selbst Eltern, bestätigt Baumgarten. Meyer werde nachgesagt, dass sie der mütterliche Typ im Umgang mit den Kindern sei. „Das sehe ich eigentlich auch so. Allerdings kann ich gut zwischen meinen eigenen und den Tagespflege-Kindern differenzieren.“ Aber natürlich sei es auch immer wieder schade, wenn die Kinder irgendwann in den Kindergarten kommen und ihre kleine Gruppe verlassen. „Man fängt alle zwei Jahre wieder von vorne an“, meint Meyer.

Ihr Arbeitstag dauert meistens bis 16 Uhr. Zehn-Stunden-Tage sind also keine Seltenheit. Wenn das letzte Kind abgeholt wurde, räumt sie die Spielsachen in das Kinderzimmer. Ihre Familie sei noch nie von ihrem Job im eigenen Haus genervt gewesen. „Mein Mann und die Kinder stehen voll dahinter. Sonst hätte ich das auch nicht gemacht.“ Es komme sogar vor, dass ihre Tochter oder ihr Sohn den Tageskindern ein Buch vorlese. Im Moment geht Meyer davon aus, noch eine Weile Tagesmutter zu sein. „Allerdings möchte ich keine Tagesoma werden.“ jem

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