Navigation:
AboPlus Anzeigen- und Abo-Service

Stadthagen / Faurecia

„Von den zehn Millionen kein Cent geflossen“

Die Betriebsvereinbarung trägt das Datum vom 17. August 2006. Geschäftsführung und Betriebsrat des Stadthäger Autositzherstellers Faurecia hatten damals im Zuge anstehender Veränderungen verbindlich formuliert: „Ziel ist es, bis zum 31. Dezember 2008 ein zukunftsfähiges Werk zu schaffen.“ Anschließend sind in dem Papier konkrete Maßnahmen aufgeführt, mit denen das Ziel der Standortsicherung erreicht werden sollte.
Lesezeichen setzen:


Von Stefan Rothe

Stadthagen. „Diese Vereinbarung, die vertraglichen Charakter hat, ist nicht mit der nötigen Konsequenz umgesetzt worden“, sagte Thorsten Gröger, Chef der IG Metall Nienburg-Schaumburg, gestern im Gespräch mit dieser Zeitung und fügte hinzu: „Es ist ein Versprechen gebrochen worden.“

Als Kernpunkt der Vereinbarung hatte Faurecia erklärt, folgende Maßnahme durchzuführen: „Investitionen zur Zukunftssicherung des Standortes Stadthagen in Höhe von ca. zehn Millionen Euro für Maschinen und Gebäude im Laufe der nächsten 24 Monate durch Installation eines ,Center of Excellence‘ für Stanz- und Presstechnologie“. Ausdrücklich wurde die „normative Wirkung“ dieser Zusage festgestellt, und auch erklärt, was das heißt, nämlich „dass die Regelungen unmittelbar und zwingend gelten“.

Kernidee dieses Konzepts war es, im Werk einen Wechsel von der unter Konkurrenzdruck stehenden Massenproduktion zu einer hochqualitativen Fertigungsstätte in enger Kooperation mit der Entwicklungs- und Forschungsabteilung einzuleiten. Dadurch und durch weitere Maßnahmen sollte der gemeinsame Standort von Zentrale und Werk dauerhaft gesichert werden.

„Von den zehn Millionen ist aber kein Cent geflossen“, stellt Betriebsratschef Fred Hartmann im Rückblick fest. Empört fügt er hinzu: „Nach einigen Monaten hatte es eine Probebohrung gegeben, um die Belastbarkeit des Fundaments für neue schwere Maschinen zu testen.“ Dann seien mehrfach mit sehr allgemeinen Begründungen Verschiebungen des Projekts angekündigt worden, schließlich sei dieses völlig versandet. „Das Ergebnis ist null“, konstatiert Hartmann.

„Ich war zum damaligen Zeitpunkt überzeugt davon, dass die Geschäftsführung es ernst damit meint“, unterstreicht Gröger. In erheblichen Teilen der Belegschaft freilich herrsche heute die Wahrnehmung vor, „dass das alles nur eine Finte war“, erzählt Betriebsratschef Hartmann. Objektiv sei das „schwer zu beurteilen“, setzen beide Arbeitnehmervertreter hinzu.

Zugesagt worden waren weiterhin unter anderem die Einrichtung von Abteilungen für die anspruchsvolle Anlauf- und Auslaufproduktion von Fertigungsreihen, für Ersatzteilfertigung und für Beschlag-Kompetenz. So gut wie nichts davon sei angefasst worden, ziehen die Arbeitnehmervertreter ein Fazit. Teile der Beschlagfertigung seien vielmehr ausgelagert worden.

Sogar eine Mitarbeiterzahl sei als Anlage zum Papier ins Auge gefasst worden, fügt Jürgen Bittner von der IG Metall hinzu: 300 Jobs sollte das Werk im Jahr 2014 demnach haben. Würden die jetzt geplanten Stellenstreichungen Wirklichkeit, stünde die Zahl der Beschäftigten jedoch schon bald bei nur noch 155.

Zu einer Protestkundgebung ruft die IG Metall für den heutigen Freitag um 10.30 Uhr auf dem Marktplatz in Stadthagen auf.


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige

Gesund in Schaumburg

Gesund leben – nichts leichter als das. Die SN informieren über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitsbereich, klären über Erkrankungen auf und geben hilfreiche Tipps für den Alltag. mehr


 

Frage der Woche: Helmpflicht

Was meinen Sie? Sollte es für Fahrer von Elektrofahrrädern eine Helmpflicht geben?

Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Nachttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug

Was haben Sie erlebt?

Auf der Fanmeile, dem Konzert oder dem Stadtfest war es richtig gut? Auf myheimat freut man sich auf Ihre Bilder, Geschichten und Eindrücke. mehr


 

EWR-Pleite

Die Erlebniswelt Renaissance war ein touristisches Projekt, das das Zeitalter und den Baustil der Weserrenaissance vermarkten sollte. mehr


 

SN-Kinderglück

SN-Babyglück

In jeder Woche erblicken im Kreiskrankenhaus Stadthagen und im Bückeburger Krankenhaus Bethel Babys das Licht der Welt. mehr