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„Was soll ich nur machen?“

Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbundes „Was soll ich nur machen?“

Probleme mit der Clique, mit dem Freund oder der Freundin, oder auch mit sich selbst – die Ängste und Sorgen von Kindern und Jugendlichen sind breit gefächert, und werden durch das Internet häufig noch verstärkt, Stichwort Mobbing. Häufig wenden sich Betroffene nicht an ihre Eltern, sei es aus Schaum oder weil die Distanz in der Pubertät gerade zu groß ist. Abhilfe schafft da seit nunmehr 16 Jahren das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) des Kinderschutzbundes Stadthagen.

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340000 Anrufe hat das Kinder- und Jugendtelefon bundesweit in diesem Jahr angenommen.

Quelle: Dpa

STADTHAGEN. „Hallo, liebes NummergegenKummer-Team, ich habe seit fast zwei Jahren einen Freund und hab mich aber irgendwie jetzt in einen anderen Jungen verliebt. Was soll ich nur machen? Wenn ich mit meinem Freund Schluss mache, bringt er sich um, hat er mir gedroht, aber der andere Junge ist so süß. Könnt ihr mir sagen, was ich machen soll?“ Gespräche wie diese haben die Mitarbeiter in Stadthagen schon öfters geführt, wie KJT-Koordinatorin Gaby Mennicken bestätigt.

2016 wurden bundesweit bislang 90000 Beratungsgespräche geführt, wie Mennicken weiß. „Damit gehen die Zahlen leicht zurück, 2015 waren es noch 100000 Gespräche.“ Doch diese Beratungen machen nur einen Teil aller Gespräche aus, die das KJT in diesem Jahr angenommen hat. 340000 Anrufe verzeichnete die Organisation insgesamt. Davon seien 140000 alternative Kontaktversuche (ohne konkretes Gesprächsanliegen), weitere 100000 hätten sich beispielsweise lediglich über das Angebot informieren oder haben sich verwählt.

Doch wer nun denkt, dass sich die Gespräche vor allem an den Feiertagen um Weihnachtsstress mit der Familie drehen, der irrt: „Die Themen sind nicht extrem anders, im Gegenteil, sie sind breit aufgestellt. Bei den Jungen ist auf Platz eins das Thema Sexualität. Mädchen reden vorrangig über Beziehungsprobleme, wie dieses anonyme Beispiel zeigt.

Jeder darf anrufen

„Bei Mädchen und Jungen auf Platz zwei sind schwierige Lebenssituationen“, zählt Mennicken auf. Situationen, die mitunter zu sehr belastenden Beratungsgesprächen führen, wenn Kinder oder Jugendliche beispielsweise über sexuellen Missbrauch, Gewalterfahrungen in der Familie oder suizidale Gedanken sprechen. Gespräche, die extreme Religiosität und Radikalismus thematisieren, sind mit Blick auf die Flüchtlingskrise nur leicht angestiegen. „Das ist prozentual bisher nicht sichtbar.“

Können sich Kinder und Jugendliche nur bei extremen Problemen an die Mitarbeiter des KJT wenden? Nein, sagt Mennicken. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen wissen, dass bei uns wirklich jeder anrufen darf.“

Das Kinder- und Jugendtelefon ist bundesweit unter der kostenlosen Nummer 116111 erreichbar. Wer aus Schaumburg anruft, wird automatisch zum nächsten verfügbaren KJT-Mitarbeiter am Stadthäger Standort weitergeleitet. Besetzt ist das hiesige Büro immer montags bis freitags in der Zeit von 14 bis 20 Uhr. Sonnabends gibt es zusätzlich die Möglichkeit, sich beim Team von „Jugendliche beraten Jugendliche“ von Gleichaltrigen beraten zu lassen. mak

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 16 Jahre Sorgentelefon

Das Stadthäger Kinder- und Jugendtelefon wurde vor 16 Jahren auf Initiative von Menschen gegründet, die sich für ein lokales Sorgentelefon eingesetzt haben. „Damals gehörten Stadthagen und die anderen umliegenden Orte noch zu Hildesheim“, sagt Gaby Mennicken. Dass bedeutet, dass alle eingehenden Anrufe aus der Umgebung nach Hildesheim durchgestellt worden sind. „Die Mitarbeiter dort waren damit irgendwann überfordert.“ Doris Schröder-Köpf, die Schirmherrin des Projekts Kinder- und Jugendtelefon, ermöglichte die Gründung schließlich im Jahr 2000.

23 Mitarbeiter sind derzeit ehrenamtlich am Stadthäger Standort an der Bahnhofstraße im Einsatz. Das Gros ist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Hauptsächlich aktiv sind Frauen: „Leider gibt es nur zwei Männer, da könnten wir mehr gebrauchen.“ Die Mitarbeiter bereiten sich in einer Ausbildung auf die verschiedenen Bereiche wie Pubertät, Partnerschaft, Liebe und Gewalt vor. Die Ausbildung dauert 80 bis 100 Stunden, außerdem bekommt jeder Gelegenheit, bei aktiven Beratern zu hospitieren. mak

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