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Stadthagen Stadt Weil leerer Bauch nicht gern studiert
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Weil leerer Bauch nicht gern studiert
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06:17 19.10.2012
Die Schulen in Stadthagen bieten diverse Mittagessen zur Auswahl an.  Quelle: rg

Stadthagen (mak, jcp, ssr). Die „Pari proJob GmbH“, betreibt eine Großküche und ist ein Tochterunternehmen der Paritätischen Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland GmbH. „Pari proJob“ beliefert die Integrierte Gesamtschule Schaumburg (IGS), das Wilhelm-Busch-Gymnasium und die Oberschule am Schlosspark seit etwas mehr als einem Jahr. Auf dem Speiseplan stehen täglich außer freitags ein Fleischgericht, eine vegetarische Alternative und ein Salatteller sowie ein sogenanntes „Kleines Gericht“ – am heutigen Mittwoch zum Beispiel „Rinderleber mit mit Apfel-Zwiebelsauce und Petersilienkartoffeln“ – zu einem etwas günstigeren Preis. Darüber hinaus gibt es alternative Angebote wie von Schülern und Eltern betriebene Cafetereien und Frühstücksbuffets, die unter anderem belegte Brötchen und Fruchtquarks im Angebot führen.

Vergleichbar auch die Menüauswahl im Ratsgymnasium: Seit 2004 von der Familie Lambeck gepachtet, stehen Schülern in der Mensa ein Fleischgericht, eine vegetarische Alternative und Salatteller zur Auswahl, der vorbestellt werden muss.

Die Grundschule am Stadtturm und die Grundschule am Sonnenbrink vertrauen auf die Kochkünste von „Culinesse“ aus Stadthagen. Das Besondere an diesem Caterer ist, dass es jeden Tag nur ein Menü und nicht mehrere zur Auswahl gibt. „Culinesse“ bietet gesundes Essen aus frischen Zutaten an. Die Komponenten wie Gemüse oder Salat, Fleisch und Soße sind von den Kindern frei wählbar. So können sie zum Beispiel entscheiden, ob sie eine Suppe mit Fleischeinlage möchten oder lieber ein Brot dazu essen.

Soviel kostet ein Mittagessen in der Schule

Nach den Wünschen der Kreisverwaltung soll eine Schulmahlzeit nach Angaben von Schuldezernentin Katharina Augath „nicht mehr als 3,50 Euro“ kosten. Die Schulen bleiben alle darunter.

 In den von der „Pari proJob“ versorgten Lehranstalten zahlen Schüler – und Lehrer – zwischen 2,50 und drei Euro. Am Ratsgymnasium kostet das Mittagsmenü 3,10 Euro. Die Preisspanne in der elternbetriebenen Cafeteria des WBG ist nach Angaben von Schulleiter Wirtz „weiter“, in etwa seien die Anbieter dort aber mit der Schlumensa bei den Kosten „gleich auf“.

Currywurst für die Schüler, Bulgursalat für die Lehrer

Alle Schulen müssen den Spagat zwischen gesundem Essen einerseits und wirtschaftlicher Verträglichkeit für den Anbieter andererseits schaffen (siehe auch Text „Zulieferer im Spannungsfeld“). Immer wieder ist dies nach Angaben der Schulleitungen Thema bei Eltern-Lehrer-Konferenzen. Auch der Kampf gegen das verlockende Mantra der Fast-Food-Tempel ist allen gemein. Darüber hinaus haben die Institutionen in der Sache viele eigene „Wehwehchen“, aber auch Vorteile vorzuweisen.

 „Einmal im Monat gibt es Pommes und Currywurst, da ist die Schlange am längsten“, hat Heinrich Frommeyer, Schulleiter des Ratsgymnasiums, festgestellt. Der Bulgursalat dagegen werde „zu 80 Prozent an die Lehrer abverkauft“. Von 1250 Schülern nutzten zu Spitzenzeiten etwa 250 die Mensa. „Und dann wird es auch eng“, sagt Frommeyer. Dauerthema am Rats sei der zu schmale Ausgabetresen. Bereits bei der jetzigen Auslastung wäre für viele „die Pause fast schon zu kurz“.
 WBG-Leiter Holger Wirtz würde sich mehr Akzeptanz für das Schulessen wünschen. Der Sogwirkung von Fritten- und Burgerbuden in der Nähe der Schule versuche man nicht zuletzt durch die Cafeteria entgegenzuwirken, die alternative Angebote wie „Wraps“, also dünne gefüllte Fladenbrote vorhält. Erschwinglich würden diese Möglichkeiten außerhalb der Mensareihe durch die ehrenamtliche Arbeit von Eltern und Schülern.

 Von einer Verpflichtung zum Schulessen hält IGS-Leiterin Astrid Budwach nichts. Es gebe zu viele unterschiedliche Familienkulturen, darunter die, für die das gemeinsame Essen einmal am Tag unverzichtbar ist. Besonders stolz sei man an der IGS über das durch Elternengagement mögliche Frühstücksbuffet. Rotraud Becker, Leiterin der Oberschule am Schlosspark, hat festgestellt, dass „seit Einführung des Bildungspaketes mehr Schüler hier essen“. Gesundheitliche Beschwerden nach einem Mensaessen habe es bisher an keiner der Schulen gegeben.

Auch Petra Ammon, Schulleiterin der Grundschule am Sonnenbrink, hat seit der Einführung des Bildungspakets einen Anstieg der Anmeldungen zum Mittagessen feststellen können. Das abwechslungsreiche Essen komme bei den Kindern gut an und nur wenige würden ihr eigenes Brot in der Mensa essen. 

Zulieferer im Spannungsfeld von Qualität und Kosten

Im Spannungsfeld zwischen guter Qualität, bezahlbarem Preis und betriebswirtschaftlicher Rentabilität bewegen sich nach eigenem Bekunden die Betreiber und Zulieferer von Schulkantinen.

Zwischen 2,90 und 3,20 Euro erlöst beispielsweise die Pari pro Job GmbH pro Mahlzeit. Die zur Paritätischen Lebenshilfe Schaumburg Weserbergland gehörende Großküche beliefert sieben Schulen in und um Stadthagen mit insgesamt 400 Essen täglich. „Die genannte Preisspanne ist für uns in etwa auskömmlich, wir bewegen uns damit im mittleren Preissegment“, berichtet Betriebsstättenleiter Jürgen Vogt. Dieser umreißt das Problemfeld so: „Vielen Eltern ist ein Preis schnell zu hoch, gleichzeitig wollen sie für ihre Kinder aber hervorragendes Essen sehen.“ Für den Preis, „den der Markt hergibt“, sei aber „manches, was man gerne noch tun würde, nicht machbar“, weiß Vogt. Gleichwohl versuche Pari pro Job „so viel wie möglich regional einzukaufen“. Der Rest komme vom Edeka-Großlieferanten.
Insgesamt rund 250 Kantinenessen pro Tag liefert der Caterer „Culinesse“ (Obernwöhren) an drei Schulen aus. 3,20 Euro erhält der Zulieferer pro Mahlzeit. Inhaber Volker Riemenschneider räumt ein, bei diesem Preis „nach Abzug der Kosten für den Wareneinsatz, das Personal und der Umsatzsteuer“ mit der Kalkulation unter Druck zu stehen. Frische Waren aus der hiesigen Region sowie qualifiziertes Personal seien für ihn aus Gründen der Qualität und der Hygiene unabdingbar. Darin sehe er sich durch die Akzeptanz der Schüler als auch durch die jüngsten Vorgänge um virenverseuchtes Mensaessen im Osten Deutschlands bestätigt. Allerdings stehe er momentan vor der Aufgabe, wegen des Preises nachzuverhandeln, so Riemenschneider – Verhandlungspartner ist die Stadtverwaltung als Trägerin der hiesigen Grundschulen.

Bärbel Lambeck, die als Pächterin der Kantine am Ratsgymnasium Stadthagen täglich etwa 150 Essen herstellt, hat den Preis kürzlich von 2,90 auf 3,10 Euro erhöhen müssen. Gemüse und Obst kaufe sie in Hofläden vor Ort. Grundsätzlich verwerte sie nur tagesfrische Waren: „Der Kühlschrank ist meistens leer.“ Man müsse „in einer Mischkalkulation auf vernünftige Qualität und Wirtschaftlichkeit anchten“. Das funktioniere, „reich werden kann man damit allerdings nicht“, räumt die Pächterin ein. 

Zum Bericht über das Schul und Hort-Essen in der Seeprovinz geht es hier.