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Meyer’s Bitter beliebt trotz Umzug

Stadthagen Meyer’s Bitter beliebt trotz Umzug

Die Schaumburger Brauerei schließt ihre Tore, Schaumburger Bier wird nach 143 Jahren nicht mehr in Stadthagen hergestellt. Die Produktion einer anderen beliebten Alkohol-Spezialität hat die Kreisstadt bereits vor 17 Jahren verlassen.

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Im Firmengebäude an der Obernstraße – hier eine historische Ansicht – sind heute eine Kaffeerösterei-Filiale und ein Reisebüro untergebracht.

Quelle: pr.

Stadthagen. Aber immer noch wird Meyer’s Bitter mit Stadthagen in Verbindung gebracht – der traditionsreiche Kräuterlikör hat hier nach wie vor viele Freunde.

Grüne waren in Stadthagen schon bekannt und beliebt – bevorzugt dicht an dicht auf einem Tablett –, lange bevor sich die gleichnamige Öko-Partei gründete. Der Grüne hat auch nichts mit Jägern oder der Grünen Minna zu tun. Ein Grüner – das ist seit Jahrzehnten die gängige Bezeichnung für Meyer’s Bitter, jenem Kräuterlikör, den der Stadthäger Fabrikant Ernst Eduard Meyer 1853 erfand und in Stadthagen zubereitete. Heute wird das Produkt noch immer nach Originalrezept in Rinteln hergestellt.

Im Jahre 1747 gründete die Familie Meyer, seit dem 14. Jahrhundert in Stadthagen ansässig, an der Obernstraße eine Likörfabrik. Nachhaltig erfolgreich wurde ein „Schweizer-Alpen-Kräuter-Bitter“, den Ernst Eduard Meyer aus 40 Kräutern herstellte und als ein „vorzügliches Mittel bei allen Magenübeln“ anpries. Mit dem Bitter belieferte der findige Kaufmann unter anderem Krankenhäuser. Allerdings: Den Kräuterbitter als Medizin zuzulassen, dazu konnten sich die Genehmigungsbehörden nicht durchringen – trotz der ätherischen Öle im Likör. Der Erfolg kam trotzdem. Bereits zwei Jahre nach Produktionsstart wurde der Bitter laut Meyer „in allen fremden Weltteilen verlangt und hingesandt“.

Sieben Generationen im Familienbesitz

Sieben Generationen blieb das Unternehmen im Besitz und unter der Führung der Familie Meyer. Der wohl bekannteste Firmenchef war August Meyer, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard ab 1861 leitete. August Meyer wird als „lebensfroh und trinkfest“ beschrieben, und er war ein Freund von Wilhelm Busch, der oft mit der Postkutsche aus Wiedensahl nach Stadthagen rumpelte. August Meyer war wie sein berühmt gewordener Freund ein Künstler, zeichnete und malte.

Die Firma Meyer und ihr Bitter überstanden beide Weltkriege. Erst in den neunziger Jahren verließ die Produktion Stadthagen. Aus gesundheitlichen Gründen und weil die Nachfolge nicht geregelt werden konnte, vergab Wolfgang Meyer Markenrechte und Rezeptur 1999 an die Firma Schwarze & Schlichte in Oelde im Münsterland.

Sitz der zu diesem Zweck gegründeten, neuen Gesellschaft E. Eduard Meyer GmbH blieb Stadthagen. Wolfgang Meyer war mit einem Anteil von zehn Prozent in der neuen Gesellschaft vertreten. Schwarze & Schlichte stellt Meyer’s Bitter heute in seiner Produktionsstätte in Rinteln her – allerdings seit ein paar Jahren nicht mehr als eigene Marke. Die E. Eduard Meyer GmbH wurde 2013 von der MBG International Premium Brands GmbH in Paderborn übernommen.

Auf dem Flaschenetikett ist weiterhin Stadthagen als Firmensitz angegeben. Dort wird heute jedoch weder verkauft noch abgefüllt. Im alten Firmenhaus direkt an der Obernstraße befinden sich vielmehr die Ladenlokale eines Reisebüros und eines Kaffeerösters. Die Produktionsgebäude im hinteren Firmenbereich sind noch als „Meyer’s Bittern Spirituosenfabrik“ ausgewiesen.

In allen Supermärkten im Umkreis steht das Stadthäger Traditionsprodukt weiterhin im Regal. Und der Bitter gehört zweifelsfrei zu jedem Grünkohlessen und in jedes Rottlokal beim Historischen Stadthäger Schützenfest. sk

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