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Stadthagen Stadt Wie ein Funke im trockenen Stroh
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Wie ein Funke im trockenen Stroh
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00:24 14.08.2015
Anke Crome (kleines Bild) ist 1988 mit einer explosiven Frage in den Blickpunkt der Öffentlichkeit getreten. Quelle: sk
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Stadthagen (sk)

Die Schaumburg-Lippische Landeskirche war Ende der achtziger Jahre die einzige protestantische Kirche in Deutschland, die Frauen den Zugang zum Pfarramt verwehrte – aber nicht mehr lange. Crome war in einem pastoralen Haushalt aufgewachsen, zeigte selbst jedoch keine Ambitionen zu einem Theologiestudium. Sie wurde 1940 in Pommern geboren, absolvierte ihr Abitur in Greifswald. 1960 kam sie nach Westdeutschland und studierte an der pädagogischen Hochschule in Göttingen. Crome wurde Lehrerin, war später viele Jahre bis zu ihrem Ruhestand Konrektorin in Lindhorst. Dort wohnte sie auch, bis sie 1986 nach Stadthagen umzog.
Durch ihre christliche Prägung geriet die mittlerweile 75-Jährige schnell in Kirchenkreise. „Sie sind die Richtige für den Kirchenrat“, habe der damalige Lindhorster Pastor Otto Henke befunden. Crome folgte dem Ruf, und „dann war ich auch gleich in der Synode“.
In dem Parlament der landeskirchlichen Selbstverwaltung fiel „mir als alte DDR-Bürgerin auf, dass in der Schaumburg-Lippischen Landeskirche keine Frauen in leitender Position waren.“ Und die Synodalin erfuhr, dass der Landesbischof keine Frauen zu Gemeindepstorinnen ordinierte. Crome: „Das hat mich fast erschlagen.“ Aber sie schwieg zunächst. Sie sei „immer voller Hochachtung vor Heubach gewesen".
Doch die Sache mit der Frauenordination trieb Crome um. „Ich habe mich reingekniet in das Thema. Ich wollte rausfinden, warum Heubach keine Frauen im Pfarramt sehen wollte.“ Mit vielen Theologen hatte die Kirchenparlamentarierin daraufhin gesprochen.
Dann kam die Herbst-Synode 1988. Crome entschied sich, eine Anfrage zu stellen. Nach dem Bericht des Bischofs meldete sich die Synodalin zu Wort. Mit „zitterndem Herzen“ sei sie nach vorn gegangen, habe sich vor Aufregung „am Pult festgekrallt“. Aber sie stellte ihre zwei Fragen an Landesbischof Heubach: „Warum sind Frauen so unterrepräsentiert in der Leitung der Landeskirche?“ Und: „Warum ordinieren sie keine Frauen?“ Crome spürte ihre Worte zünden „wie ein Funke im trockenen Strohballen.“ Crome: „Alle starten mich an.“ Und die anwesende Presse sei „wie elektrisiert“ gewesen. Heubach hingegen blieb laut Crome reserviert, erwiderte auf die Anfragen der Synodalin, er würde sich dazu schriftlich äußern. Heubach berief sich stets auf biblische und ökumenische Gründe für seine Ablehnung der Frauenordination.
Das heikle Thema lag seit Cromes Anfrage jedoch offen auf dem Tisch. Schließlich wurde für September 1989 eine nicht öffentliche Sondersynode nach Meerbeck einberufen. In deren Vorfeld gab es eine spektakuläre Aktion: Einige SPD-Frauen, erinnerte sich Anke Crome, hätten sich von Pastoren Talare geborgt, diese angezogen und sich den Mund verklebt.
Landesbischof Heubach habe sich bemüht, mit ihr, Crome, ins Gespräch zu kommen. Er besuchte sie an einem Nachmittag, „um mich davon zu überzeugen, dass mein Vorstoß unmöglich sei“. Doch Heubach konnte sie nicht für seinen Standpunkt gewinnen. Man sei „sehr kühl“ voneinander geschieden.
Für Crome bedeutete „ihr Vorstoß“ das Aus für sie in der Synode. 1989 habe man sie vorzeitig aus dem Gremium „hinauskatapultiert“. Offizieller Grund sei ihr Umzug von Lindhorst – für die dortige Kirchgemeinde saß Crome in der Synode –{FSPACE}nach Stadthagen gewesen. Der Umzug war jedoch bereits 1986 erfolgt.
 Aber auch der Landesbischof schied zwei Jahre später, allerdings auf eigene Initiative, 1991 aus dem Amt. Noch im gleichen Jahr öffnete die Evangelisch-lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe Frauen den Zugang zum Pfarramt.
Anstöße, die Kirche weiterzubringen, kämen selten aus kirchlichen Machtzentren, war im Mai 1991 in den Schaumburger Nachrichten zu lesen. Meistens kämen die Anstöße vom zunächst unscheinbaren Rand. Dort stand im November 1988 Anke Crome.

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