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Wie ein Vulkanausbruch

Erinnerungen an den Tropicana-Brand Wie ein Vulkanausbruch

Es ist der 30. Dezember 2003 kurz vor Mitternacht. Ein Feuerwehrmann bemerkt von einem Schnellrestaurant an der Jahnstraße aus Flammenschein: Das Tropicana brennt! Trotz schnellen Eintreffens mehrerer Feuerwehren kann das Freizeitbad nicht gerettet werden. Ein Rückblick.

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STADTHAGEN. Das neue Tropicana wird zweieinhalb Jahre später, im Juni 2006, eingeweiht.

Als der damals stellvertretende Ortsbrandmeister Rainer Pflugradt am Einsatzort eintraf, „brannte bereits der gesamte Dachbereich. Dann hat es ‚zisch‘ gemacht, und aus dem Gebäude sind bis zu 40 Meter hohe Flammen geschlagen“, zitierte der damalige SN-Redakteur Jürgen Lentz den Einsatzleiter. Dieser vermutete, dass das Feuer in diesem Augenblick Luftzufuhr bekommen hatte, wodurch sich im Gebäude vorhandene Rauchgase entzündet hätten. Lentz: „Wie bei einem Vulkanausbruch breitete sich danach ein Regen aus brennenden Teilchen großflächig über das Gelände aus.“

Ausgebrochen war der Brand in einem Solariumraum, wohl wegen eines elektrischen Fehlers. Helmut Kirchhöfer, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, hat die Nacht noch lebhaft vor Augen: „Es kam zu einer Durchzündung. Alles ging in Flammen auf. Alles brannte ab bis auf die Grundplatte.“ Kurios: Der Vorgänger des ersten Tropicana, ein schlichtes renovierungsbedürftiges Hallenbad, war in den neunziger Jahren ebenfalls abgebrannt.

Zahlen und Fakten

Der Neubau des Tropicana hat 9,3 Millionen Euro gekostet. 5,3 Millionen erhielten die Wirtschaftsbetriebe von der Versicherung. Vom damaligen Partner E.on gab es 350 000 Euro, 85 000 Euro vom Landkreis. Mehr als drei Millionen musste die Stadt investieren.

Heute läuft das Stadthäger Spaßbad laut Helmut Kirchhöfer mit einem jährlichen Zuschussbedarf von 1,7 Millionen Euro. In den vergangenen zehn Jahren seien insgesamt 2,6 Millionen Besucher gekommen, im Durchschnitt also 260 000 im Jahr. Im alten Bad lag die Besucherzahl höher, belief sich auf 350 000 Personen im Jahr.

Den Neubau eines Freibades sieht Kirchhöfer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten skeptisch. Im Wellenfreibad habe es zum Schluss nur noch 14 000 Besucher im Jahr gegeben: Ein Freibad sei aus klimatischen Gründen eben nur 20 bis 35 Tage in der Saison nutzbar. Dem gegenüber ständen drei Millionen Unterhaltungskosten im Jahr. sk

Nach der Brandkatastrophe am vorletzten Tag des Jahres 2003 seien mit der Politik sofort Gespräche mit der Politik über einen Wiederaufbau des Bades aufgenommen worden, berichtete Kirchhöfer im Rückblick.

Das Bad sei gut gegen Brandschaden versichert gewesen. Allerdings sahen die Bedingungen einen Wiederaufbau 1:1 vor, das heißt, eine kleinere Bauversion sei nicht in Frage gekommen. Darum habe schnell festgestanden, dass wieder ein Freizeitbad entstehen solle und zwar wiederum mit „dem Schuss Karibik“. Der Name Tropicana war für das 1995 eröffnete Freitzeitbad gewählt worden. Kirchhöfer: „Und den Namen wollten wir behalten.“

Erhalten geblieben war auch der Betonkörper der Beckenlandschaft. Diese musste allerdings neu gefliest werden. Die Firma Pelikan aus den Niederlanden errichtete das neue Bad als Generalunternehmen. Der Vertrag wurde 2004 geschlossen. Für die Planung und das Konzept zeichnete das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta verantwortlich. Im Mai 2005 war Baubeginn. Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde am 20. Juni 2006 die Eröffnung des neuen Tropicana gefeiert.

Im Gegensatz zum alten Bad verfügt das jetzige Spaßbad über ein transparentes Open-Air-Dach, das bei Bedarf Luft und Sonne in die Schwimmhalle lässt. Für diese Option habe man sich auf Anraten von Geising & Böker entschieden - unter anderem, „weil damals bereits das Wellenfreibad wegzufallen drohte.“ Aus Kostengründen ist dieses nicht renoviert worden.

Das Cabrio-Dach ermöglicht außerdem, dass sich im Schwimmbad Grünpflanzen wohlfühlen. Echte Pflanzen in großer Zahl, das können laut Kirchhöfer nur wenige Bäder bieten. Der Geschäftsführer: „Die Pflanzen machen das besondere Flair des Tropicana aus. Und egal, was für Wetter draußen herrscht, in der Halle ist es hell und freundlich.“

Das neue Tropicana ist auf dem Fundament des alten gebaut, hat aber einen Anbau erhalten. In diesen ist eine Physiotherapiepraxis eingezogen. Im Stockwerk darüber befindet sich die komplette Verwaltung der Wirtschaftsbetriebe, die zuvor im Gebäude der Stadtverwaltung untergebracht war.

Auch die Badausstattung wurde erweitert. Ein Solebecken gab es bereits. Ein Gradierwerk kam hinzu, eine neue Rutsche, und der Saunabereich wurde aufgewertet, erhielt ein zweite Etage.

Verloren hat das neue Bad das riesige Piratenschiff des alten Tropicana. Es war baulicher Mittelpunkt, auf den die Besucher steigen und so auf eine höhere Ebene gelangen konnten. Jetzt gibt es eine Empore, von der die Badegäste hinab in die Beckenlandschaft schauen können. 2010 entstand im Freien eine Dünenlandschaft. Neuestes Projekt ist ein Raum für Kindergeburtstage, der ein Dschungeldekor erhält.

Von Vera Skamira

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