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Wildpinklern auf der Spur

Stadthäger wird freigesprochen Wildpinklern auf der Spur

Wildpinkler können zur Plage werden, wenn sie regelmäßig und gehäuft auftreten. Ein Ärgernis ist ihr schändliches Tun in jedem Fall. Viele sagen: „Die sind wohl nicht ganz dicht.“

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Stadthagen. Seit Jahren ärgert sich ein Stadthäger (46) darüber, dass Wildpinkler seinen Garten am Vatertag, wenn es überwiegend bei Männern pressiert, mit einer öffentlichen Toilette verwechseln. Besonders einladend finden diese Ausflügler offenbar, dass es sich um das letzte bebaute Grundstück vor einem gern genutzten Trampelpfad handelt, ausgestattet zudem mit einer Hecke, die einen gewissen Sichtschutz bietet.

Selbst ist der Mann

Wiederholt hatte sich der Geschäftsmann in Telefongesprächen mit Polizisten über Wildpinkler beklagt. Am 9. Mai 2013 nahm er die Sache selbst in die Hand. Die Polizei, so hatte man ihm zuvor sinngemäß erklärt, könne erst erscheinen, wenn ein Missetäter vor Ort erwischt und festgehalten worden sei. Dies muss der genervte Stadthäger als eine Art Aufforderung verstanden haben. Er hielt sich für befugt, Wildpinkler festzunehmen.

Stadthäger wollte eine Flucht verhindern

Am Himmelfahrtstag steuerte dann eine junge Frau (17) auf die Hecke zu, um sich zu erleichtern. Der Hauseigentümer zögerte nicht lange und ergriff die Fremde am Handgelenk, um sie bis zum Erscheinen der Polizei am Verlassen des Grundstücks zu hindern. Ein schöner Anblick war das nicht, denn die 17-Jährige konnte noch nicht einmal ihre Hose ordentlich hochziehen. Die Flucht gelang ihr dennoch.

Freigesprochen

Vor dem Amtsgericht in Stadthagen, wo der Mann jetzt wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung angeklagt war, kam es zum Wiedersehen. Das Urteil: Freispruch. Zur Begründung hieß es, der Angeklagte habe in einem nicht vermeidbaren Verbotsirrtum gehandelt, „da er die Auskunft der Polizei dahingehend verstanden hatte und auch verstehen durfte, dass er zur vorläufigen Festnahme von Wildpinklern berechtigt sei“, so Richter Kai Oliver Stumpe. „Ihn trifft daher keine persönliche Schuld an dem Vorfall.“

Hausfriedensbruch lag nicht vor

Ein Festnahmerecht hatte der Geschäftsmann allerdings nicht, weil kein Hausfriedensbruch vorlag. Die Frau hatte zwar einen Teil seines Grundstücks betreten. Dieser Bereich war jedoch weder eingefriedet noch in anderer Form erkennbar abgegrenzt, etwa durch ein Hinweisschild. Der Verdacht einer bloßen Ordnungswidrigkeit – in diesem Fall Wildpinkeln – berechtige nicht zur vorläufigen Festnahme.
Anfangs war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass die Frau blaue Flecken davongetragen habe – deshalb Körperverletzung. Im Prozess stellte sich dann heraus, dass sie lediglich leichte Schmerzen erlitten hat.
Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, erläuterte Stumpe dem Stadthäger in der Sitzung die Rechtslage. In Kurzform: Bei einem auch für Täter erkennbaren Hausfriedensbruch dürfen Grundstückseigentümer diese vorläufig festnehmen – egal ob Wildpinkler oder nicht.   ly

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