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Stadthagen Stadt „Wir sind nicht verfeindet“
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „Wir sind nicht verfeindet“
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00:28 02.10.2014
Der Vorstand der nunmehr zweiten alevitischen Gemeinde in Schaumburg. Quelle: tol
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Von Cornelia Kurth

Stadthagen/Landkreis. Es sind Aleviten, die sich zusammengetan haben, um das große renovierungsbedürftige Haus zu einem „Cem“ zu machen, einem Bet- und Gemeinschaftshaus, Heimstätte ihres Alevitischen Kulturvereins. Es ist nunmehr der zweite in Stadthagen.

„Das klingt vielleicht seltsam, zwei Aleviten-Gemeinden in einer eher kleinen Stadt“, sagt der Vorsitzende Zakir Ercan Kilic. An die 200 alevitische Familien leben in Stadthagen und Umgebung, der erste Verein hatte etwa 130 Mitglieder – bis, ja bis es zu Auseinandersetzungen rund um religiöse und politische Zielsetzungen kam, und wohl auch um Finanzen. So beschloss vor zwei Jahren eine Gruppe, bestehend aus 16 Familien, einen neuen Verein zu gründen.

„Wir sind nicht verfeindet“, so der Vorsitzende Kilic. „Aber wo so viele Menschen zusammen sind, entwickeln sich eben unterschiedliche Schwerpunkte.“
Streit passt eigentlich so gar nicht zu der Ausrichtung aufrechter Aleviten. Das oberste Gebot dieser auf dem Islam basierenden Religion besteht darin, nicht nur die „Lenden“, sondern auch „Zunge“ und „Hand“ im Zaum zu halten, also alles für ein friedliches Zusammenleben zu tun.

Selbst in Zeiten schlimmster Verfolgung etwa in der Türkei, wo die mindestens 12 Millionen dort lebenden Aleviten von jeher als Sekte eingestuft werden, haben sie sich nur selten mit Gewalt gewehrt, sich eher durch Flucht entzogen oder durch Demonstrationen auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

Auch im religiösen Alltag legen sie größten Wert auf die Gleichberechtigung aller Menschen, auf gegenseitigen Respekt und Offenheit gegenüber Andersgläubigen. Was den alevitischen Glauben vom traditionellen Islam unterscheidet, ist vor allem das Zusammenleben von Männern und Frauen. „Wir machen da keinen Unterschied“, so Zakir Ercan Kilic. „Wir beten zusammen, essen zusammen, treffen Entscheidungen gemeinsam und haben auch keine speziellen Kleidungsvorschriften für die Frauen, wie etwa das Tragen von Kopftüchern.“

Man merkt ihm an, dass er stolz auf diese Grundhaltung ist. „Bei uns gibt es auch keinen Bischof oder Iman. Zwar ist es der ,Dede‘, der den Gottesdienst leitet, aber er tut es als Gelehrter, nicht als jemand, der besondere Machtbefugnisse hätte.“

Es fällt ihm also nicht ganz leicht, über den gewissen Zwist mit den Glaubensgeschwistern zu sprechen, ebenso wenig wie etwa Hassan Üstgül, der einer alevitischen Gemeinde in Hannover angehört. Als Diplom-Ingenieur mit familiären Bindungen nach Stadthagen setzt er sich voller Energie für den energetischen und behindertengerechten Umbau des Gebäudes ein, kümmert sich um die Bürokratie in Sachen Bauvorschriften und ist ganz erfüllt von der ehrenamtlichen Aufgabe. Er freue sich auf die neue Gemeinde in Stadthagen.

„Wir werden einmal im Monat einen Gottesdienst, den ,Cem‘ abhalten“, sagt Üstgül. „Wir werden Sprachkurse anbieten, traditionelle Ritualmusik machen, zusammen tanzen, und vor allem Angebote für die Kinder haben, damit sie nicht auf der Straße landen, sondern in unserer alevitischen Tradition aufwachsen.“
Die Bahnhofsstraße 15a soll ein Ort sein, wo man sich gegenseitig ein Vorbild dessen gibt, wie ein „reiner“ Alevit leben soll, um wirklich ein Alevit zu sein. „Jeder kann kommen, egal wie sein Glaube ausgerichtet ist oder ob er überhaupt glaubt, jeder ist uns willkommen.“

Gilt das auch für den Alevitischen Kulturverein in der Herminenstraße? „Selbstverständlich!“

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