Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Wirtschaftlicher Selbstmord“

Stadthagen „Wirtschaftlicher Selbstmord“

Mindestens 20 Wohneinheiten, modern, barrierefrei und vor allem mittendrin: Was der Stadthäger Unternehmer Peter Hauß als „Klosterquartier“ im Herzen der Altstadt plant, klingt ehrgeizig – und es könnte schon vor dem Start zum Scheitern verurteilt sein.

Voriger Artikel
Vorverkauf für das Schaffermahl startet
Nächster Artikel
„Onleihe“ ist gefragt

Peter Hauß will drei alte Häuser an der Klosterstraße abreißen (im Hintergrund) und an ihrer Stelle ein Wohnquartier errichten.

Quelle: rg

Stadthagen. Vor drei Jahren hat Hauß drei alte Häuser am unteren Teil der Klosterstraße gekauft, einschließlich eines dahinter liegenden Parkplatzes. Begrenzt wird das Areal von der Kurzen Straße im Süden und dem Oheimb’schen Freihof im Norden. Der Unternehmer will die drei maroden Gebäude, von denen nur eines bewohnt ist, abreißen und durch einen Neubaukomplex ersetzen. Dieser soll zwar modern sein, sich aber trotzdem harmonisch ins Altstadtbild einfügen. Dafür sollen insgesamt acht Giebel sorgen – drei an der Klosterstraße, fünf an der Kurzen Straße, der Querverbindung zur Wallstraße. In diesem Bereich plant Hauß auch ebenerdige Parkflächen – und zwar unter dem zweieinhalbgeschossigen Wohnkomplex, den er wie auf Stelzen darüber errichten will. Als eine Art Sichtschutz soll das Quartier von einer Sandsteinmauer umgeben werden – ähnlich wie der benachbarte Oheimb’sche Freihof.

 Mindestens 20 Mietwohnungen gehobenen Standards sieht das Gebäudekonzept vor, modern ausgestattet mit zurückliegenden Balkonen und Fahrstuhl. Bereits 2012 habe er seine Idee in einer vertraulichen Runde im Rathaus präsentiert – und „eine positive Resonanz erfahren“, erinnert sich Hauß. Weil das ursprünglich noch umfassendere Vorhaben, das unter anderem eine Tiefgarage vorsah, nicht finanzierbar gewesen sei, habe er in den vergangenen Monaten die jetzt vorgesehene „abgespeckte Variante“ entwickelt.

 „Doch ich habe Angst, dass ich das neue Konzept nicht mehr umsetzen kann“, sagt der Unternehmer und verweist auf die jüngsten Erfahrungen seines Nachbarn Günter Kreft. Diesem hatte der Stadtrat unlängst den Abriss von zwei maroden Gemäuern auf der gegenüberliegenden Straßenseite verwehrt (SN berichteten). Hauß befürchtet, dass ihm durch ein geändertes Baurecht nun ebenfalls ein Strich durch die Rechnung gemacht wird.

 Die drei Häuser, von denen zwei unter Denkmalschutz stehen, zu erhalten und in den Neubau einzubeziehen, kommt für ihn nicht infrage. „Eine Instandsetzung wäre wirtschaftlicher Selbstmord. Das mache ich auf keinen Fall“, stellt der Geschäftsmann klar. „Kritiker dürfen die Gebäude gern auf eigene Kosten sanieren – ich würde dann im Gegenzug für die Dauer von 15 Jahren die Mieterträge zur freien Verfügung stellen“, bietet Hauß an.

 Er betont, dass er und seine Familie in der Vergangenheit nie Kosten und Mühe gescheut hätten, historische Bausubstanz in ihrer Heimatstadt zu erhalten. Als Beleg führt er unter anderem die Sanierung von drei Fachwerkhäusern an Markt und Echternstraße an, aber auch des seiner Familie gehörenden Oheimb’schen Hofes.

 Dass Investoren jedoch gezwungen würden, selbst hässlichste Schandflecke zu erhalten, sei nicht mehr nachvollziehbar und verhindere jede Form der Stadtentwicklung. Wer Leben in der Innenstadt wolle und sich gegenüber den Bedürfnissen einer älter werdenden Bevölkerung nicht verschließe, müsse kompromissbereit sein. „Wer das nicht akzeptiert, der erreicht Stillstand und damit auch gleich Rückgang“, kritisiert Hauß. Historisches und Modernes müssten nebeneinander existieren können. „Sonst machen mögliche Investoren einen großen Bogen um Stadthagen“, warnt er. mf

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr zum Artikel
„Klosterquartier“ Stadthagen

Geht das überhaupt? Der Plan von Investor Peter Hauß für einen Wohnkomplex in der Innenstadt findet bei Ratsfraktionen und Bürgermeister Zustimmung. Die Frage nach der Realisierbarkeit allerdings spaltet die Verantwortlichen.

mehr

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg