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Stadthagen Stadt "Wirtschaftsförderung agiert zu lasch"!
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt "Wirtschaftsförderung agiert zu lasch"!
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17:11 17.05.2018
Um mittelständische Betriebe – wie etwa hier am Helweg – muss sich nach Ansicht von Experten die Wirtschaftsförderung kümmern. Quelle: rg
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„Wir brauchen ein ,Leitbild 2030‘ für den Wirtschaftsstandort Stadthagen“, fordert SPD-Fraktionschef Jan-Philipp Beck und setzt hinzu: „Dafür ist in allererster Linie die Verwaltung zuständig, aber auch von der Politik müssen Vorschläge kommen.“ Wichtige Maßnahmen sind aus Sicht von Beck, genügend sofort verwendungsfähige Gewerbeflächen vorzuhalten und kreative Ansätze wie den Innovationspark an der Gubener Straße zu fördern. Auf jeden Fall gelte es, „eine aktivere Wirtschaftsförderung zu betreiben“.

Schärfer formuliert das WIR-Vorsitzender Richard Wilmers: „Die Wirtschaftsförderung agiert bislang zu lasch.“ So müsse zum Beispiel ein Katalog von Fördermitteln erarbeitet werden, mit dem ansiedlungswillige Unternehmen unterstützt werden können. Ausschau gehalten werden sollte laut Wilmers vor allem nach Branchen, die es in Stadthagen noch nicht gibt.

"Verwaltung muss flexibel handeln"

Der Schwerpunkt der Akquise von neuen Betrieben muss nach Überzeugung von CDU-Fraktionschef Heiko Tadge auf mittelständischen Firmen liegen. Stadthagen biete im Grunde gute Voraussetzungen etwa mit attraktiven Gewerbeflächen und vielen gut qualifizierten Fachkräften. „Das muss von der Wirtschaftsförderung einfach noch besser vermarktet werden“, fordert Tadge. In diesem Sinne müsse die Verwaltung zudem „durch flexibles Handeln potenziellen Interessenten ein optimales Umfeld bieten, etwa durch schnelle Bearbeitung von Bauanträgen oder die Bereitstellung von schnellem Internet“.

Die Stadtverwaltung müsse „ganz aktiv und sehr fürsorglich mit zuzugwilligem Mittelstand umgehen“, bestätigt Bürgermeister Oliver Theiß (parteilos). Das sei in der Zeit, als es noch mehrere große Industriebetriebe in Stadthagen gab, vernachlässigt worden „und muss jetzt ganz in den Vordergrund gestellt werden“. Die durch den Faurecia-Weggang entfallenden Arbeitsplätze durch die Ansiedlung vieler kleiner Mittelständler auszugleichen, werde viele Jahre dauern, so Theiß: „Das ist ein Prozess.“

Eine Analyse habe ergeben, dass in der Kreisstadt erst Ende 2017 die Zahl in Arbeitsplätzen wieder erreicht gewesen sei, die vor dem Ende der Großbetriebe Alcatel und Otis vorhanden waren. „Das zeigt, wie lange so etwas dauert.“ Wichtig sei auch, den hiesigen „im Speckgürtel Hannovers liegenden“ Wohnstandort zu stärken, um mehr Einkommenssteuer zu generieren.

Mittelständler unterstützen

Mit hoher Priorität um die Entwicklungschancen ortsansässiger Firmen müsste sich die Verwaltung aus Sicht des Unternehmensberaters Stefan Tegeler von der Innovationsgesellschaft für Hochschule und Wirtschaft (Haste) kümmern: „Das müsste nach meinem Eindruck in viel stärkerem Maße passieren.“ Freilich sei das „echte Kärrnerarbeit der Wirtschaftsförderung“. Möglichst auch der Bürgermeister selber müsse „aus eigenem Antrieb die Betriebe aufsuchen, zuhören und Probleme lösen, sich schlicht kümmern“, so Tegeler.

In der Kreisstadt gebe es etliche leistungsstarke größere Mittelständler, „die in einigen Jahren vielleicht jeweils 30, 40 Arbeitsplätze mehr haben können, wenn man sie dabei begleitet“. Von einer solchen „Kärrnerarbeit“ könnte nach Überzeugung des Unternehmensberaters langfristig „das Signal auch nach außen gehen, dass Firmen in Stadthagen willkommen sind und letztlich sich Betriebe ansiedeln.“

Signale umsteuern

Derzeit prägten eher Stichworte wie Sparprogramm oder Erhöhung der Parkgebühren das Bild, das die Stadt abgebe, merkt Tegeler an. Nicht zuletzt höre er in der Region öfter die Aussage: „Bürgermeister in Stadthagen ist doch jemand aus einer Bürgerinitiative, die die Ansiedlung eines Betriebs verhindern wollte“, berichtet der Experte (gemeint ist das Asphalt-Mischwerk, A. d. Red.). „Diese Signale umzusteuern, ist ein schwieriger Akt“, meint Tegeler, doch lägen darin große Chancen für die Kreisstadt.

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