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Wissen, was schmeckt

Puddingpulver aus Schaumburg Wissen, was schmeckt

Nicht nur die Puddingpulver-Legende August Oetker hatte ihre Wurzeln in Schaumburg, auch ein heimisches Unternehmen machte dem späteren Bielefelder Unternehmen jahrzehntelang ernste Konkurrenz: Die Ernst Wente Nährmittel KG.

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Geschäftsführer Joachim Grosse (zweiter von links) verschafft sich einen Überblick über die Ware im Lager.

Quelle: PR.

STADTHAGEN/NIENSTÄDT. Benannt wurde sie nach dem gebürtigen Stadthäger, der die Firma 1924 mit seinen Brüdern an der Nordstraße der Kreisstadt gründete.1948 aus dem Unternehmen ausgeschieden, gründete Wente mit der Maisstärkefabrik an der Bahnhofstraße seine zweite Unternehmung, die er in den folgenden Jahren zu einem der führenden regionalen Unternehmen ausbauen konnte. Doch schon 1979 kam die Pleite – nicht aber für die eigenständige Firma an der Nordstraße. Dort ist Joachim Grosse 1975 als geschäftsführender Gesellschafter eingestiegen. Der damals 33-jährige Geschäftsmann aus Peine kam vom Hannoveraner Schokoladenhersteller Sprengel. „Ich hatte meine Erfahrung gesammelt und wusste, was den Kunden schmeckt“, sagt der heutige Liekweger.

90.000 Mark Miese im ersten Jahr

In Stadthagen war es für ihn und seine sieben Mitarbeiter aber zunächst ein zähes Ringen, Puddingpulver und Stärkeerzeugnisse bei Großverbrauchern an den Mann zu bringen. Bei einem Umsatz von 450.000 Mark im ersten Jahr machte Grosse ein Minus von 90.000 Mark. „Mein Steuerberater hat mir gleich geraten, die Firma wieder aufzugeben“, erinnert er sich. Ein Jahr später fing der Geschäftsmann an, das Ruder herum zu reißen. Der Umsatz verdoppelte sich fast, während sich der Verlust annähernd halbierte. Dennoch waren die Bedingungen am Standort an der Nordstraße ungünstig. „Wir haben im Keller produziert und mussten für die Auslieferung alle Waren über eine Luke nach oben reichen. Es war die Hölle“, erzählt Grosse. Der Aufstieg verlangte dem Geschäftsführer auch persönliche Opfer ab. Um den Außendienst aufzubauen, besuchte er unter der Woche seine Kunden im ganzen Bundesgebiet und verbrachte die Wochenenden im Büro. „Mit 42 habe ich meinen ersten Schlaganfall erlitten“, sagt der 75-Jährige.

Um mehr Kapital zu bekommen, holte er sich mit Gerd-Hermann Teich einen alten Bekannten als stillen Gesellschafter ins Boot. „Von da an hatten wir keine Probleme mehr mit der Liquidität und konnten gewaltig expandieren“,so Grosse. Eine Konfitürenfabrik in Lage und eine Konservenfabrik in Lemgo konnte er übernehmen und sicherte sich 1982 eine 1200 Quadratmeter große Fläche im Nienstädter Schnatwinkel für eine Halle mit 600 Palettenplätzen.

2000 Kunden im Bundesgebiet

230 Produkte stellte die Fabrik zu dieser Zeit selbst her, mit der Handelsware umfasste das Sortiment rund 500 Artikel. 15 Außendienstmitarbeiter belieferten vom neuen Standort aus etwa 2000 Kunden im Bundesgebiet – darunter VW, Bayer oder Bosch-Blaupunkt neben Krankenhäusern und Altenheimen. Auch in der Masse ging es um Klasse: „Qualität war immer wichtig, deswegen konnten wir uns am Markt nachhaltig durchsetzen. Keine Geschmacksverstärker, keine Trockenfrüchte“, verrät Grosse. Selbst gebranntes Karamell, eine Kaltschale mit frischen Früchten je nach Saison und ein Rote-Grütze-Rezept, für das sich sogar die Firma Knorr begeistern konnte, machten den Erfolg aus.

Nach dem Ausscheiden Grosses 1989 konnte das Unternehmen den Erfolgskurs nicht mehr lange halten. Die neue Geschäftsführung versuchte unter anderem mit Tiefkühlkost, das Sortiment zu erweitern. „Positionen wurden mit den falschen Leuten besetzt, die Verluste wurden größer“, meint Grosse. 2002 blieb dem Unternehmen das Schicksal der Maisstärkefabrik nicht mehr erspart und der Konkurs setzte den Schlussstrich unter die Geschichte der Wente-Fabriken.

Grosse dagegen blieb ein umtriebiger Geschäftsmann und versuchte sich als autobiografischer Buchautor. Mit Fliesendesign Schaumburg führt er noch heute ein kleines Handwerksunternehmen. geb

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