Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Witwe von Fadi S. sagt aus
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Witwe von Fadi S. sagt aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 10.10.2018
Stadthagen/Bielefeld

„Ich habe ihn angefleht, meinem Mann nichts anzutun, aber er war eiskalt“, berichtet die Witwe des getöteten Fadi S. aus Stadthagen gestern im Bielefelder Landgericht von einem Telefongespräch mit Jörg W. an dem Tag, als ihr Mann verschwand.

Demnach wollte der Libanese sich im Baugewerbe selbstständig machen und schaltete eine Anzeige bei Ebay Kleinanzeigen. Daraufhin habe sich Jörg W. gemeldet und gesagt, dass er ein Bauunternehmen habe, in das ihr Mann gegen eine Summe von 30 000 Euro einsteigen könne. Sie würden Häuser kaufen, sanieren und anschließend teuer weiterverkaufen. Beide hätten sich auf eine Anzahlung in Höhe von 5000 Euro geeinigt, die restliche Summe sollte Fadi S. abarbeiten. Über die Geschäftsbeziehung existiert ein Vertrag, über die gezahlten 5000 Euro gibt es eine Quittung – auf der neben Fadi S., Jörg. W. und Kevin R. auch eine dritte Person namens Manuel S. vermerkt ist. S. sei ein weiterer Geschäftspartner in Spanien, habe man ihrem Mann erklärt.

Jörg W. wollte auch die Zeugin kennenlernen

Jörg W. habe auch sie kennenlernen wollen, so die Zeugin. „Vermutlich plante er ein Familienmassaker“, sagt die Witwe vor Gericht, die bei keinem Treffen der beiden Männer dabei war, weil sie auf die beiden kleinen Kinder aufgepasst habe. „Mir kam die ganze Sache von Anfang an komisch vor.“

Als die Witwe ihre Erinnerungen an den 4. März schildert – der Tag, an dem Fadi S. getötet wurde – fällt es ihr schwer, die Tränen zurückzuhalten. Ihr Mann sei gegen Mittag losgefahren, um sich mit Jörg W. zu treffen. Sie wollten gemeinsam die Scheune des Nachbarhauses ausräumen, die W. bereits für die gemeinsamen Geschäfte gekauft hätte. „Um 20 Uhr habe ich Panik bekommen“, sagt die 24-Jährige. Schließlich habe sie bei Jörg W. angerufen, der behauptet hätte, ihr Mann sei nie in Hille angekommen. Womöglich hätte er sich mit zwei Kollegen getroffen, so W. Außerdem habe der 51-Jährige ihr mit einer Anzeige gedroht, „wenn sie weiter so spinnen würde“.

Die Beamten nahmen Sorge nicht ernst

Noch am selben Abend meldete die Ehefrau ihren Mann bei der Polizei in Stadthagen als vermisst. Die Beamten hätten ihre Sorgen jedoch nicht ernst genommen. Fünf Tage später fanden Beamte die Leiche von S. auf dem Nachbargrundstück von Jörg W. Er soll mit Hammerschlägen gegen den Kopf getötet worden sein. „Keiner wird nachvollziehen können, was ich in dieser Woche durchmachen musste“, sagt die Witwe unter Tränen. Ihr Mann sei gutherzig gewesen und habe Jörg W. jedes Wort geglaubt. Und in Richtung des Angeklagten: „Nimm doch die 5000 Euro und geh. Warum tötest du ihn?“  mt