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Zu Fuß von Tarsus nach Spanien

Stadthagen / Vortrag Zu Fuß von Tarsus nach Spanien

Was lässt sich heute noch sicher sagen über einen Menschen, der vor 2000 Jahren im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt gelebt hat? In einem anschaulichen und hochinteressanten Vortrag hat Peter Pilhofer, Professor für Neues Testament in Erlangen, den Zuhörern der St.-Martini-Kirche das Leben und Wirken des Missionars Paulus nahegebracht. 

Stadthagen. Stadthagen (kle).  Paulus, dessen Briefe im Neuen Testament überliefert sind, stammte vermutlich aus Tarsus in der römischen Provinz Kilikien (Südtürkei). Anhand einer großen Weltkarte und zahlreichem Bildmaterial gab Pilhofer einen guten Eindruck der Route des selbsternannten „Völkerapostels“, der sich nach seiner Bekehrung um etwa 32 nach Christus zu einer Missionsreise aufmachte. In ständiger Erwartung des Endes der Welt wollte er nur die namhaftesten Städte seiner Zeit wie Philippi und Korinth besuchen. Sein Endziel war Spanien, das er höchstwahrscheinlich nie erreichte.

 Außer Paulus’ selbstverfassten Briefen gebe es nur sehr wenige Dokumente, die Aufschluss über dessen Leben und Reisen geben, erklärte Pilhofer im Anschluss an seinen Vortrag. Dennoch konnte er mit seinen Antworten auf die Zuschauerfragen noch einige interessante Einblicke in die Welt des Paulus gewähren. Denn auch wenn über diesen als Person nur wenig bekannt sei, „wenn er hier säße, fänden Sie ihn wohl alle total unsympathisch“. Man müsse ihn sich vorstellen als einen Menschen, „der nur auf das Weltende fixiert“ und von seinem Ziel besessen sei, „mit dem könnte man sicher keine vernünftigen drei Sätze wechseln“. Darüber hinaus sei Paulus sicherlich sehr praktisch veranlagt gewesen und lebte asketisch.

 Auch Aussagen des Lukas-Evangeliums über Paulus, die einem der Zuhörer seltsam erschienen waren, rückte Pilhofer in ein für viele neues Licht: „Lukas hatte über Paulus nur schriftliche Quellen und lebte etwa eine Generation später.“ Beispielsweise die Passage, in der von einer Beschneidung durch Paulus die Rede ist, habe sicher nie stattgefunden. „Das ist nur ein frommer Wunsch von Lukas“, der die großen Streitpunkte der frühen Christenheit kannte und so versuchte, diese gespaltene Gruppe möglichst harmonisch darzustellen. Paulus selbst war strikt gegen die Beschneidung, anders als viele andere Frühchristen. Viele Erzählungen über Paulus habe Lukas sich deshalb schöngestrickt, um seine eigenen theologischen Ansichten besser vermitteln zu können.

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