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Zu viele Zweifel: Freispruch für Stadthäger

Angeklagter: „Ich bin hier das Opfer“ Zu viele Zweifel: Freispruch für Stadthäger

Passen würde die Tat zum Angeklagten, wenn man die diversen Vorstrafen des Stadthägers betrachtet. Vor Gericht darf das jedoch keine Rolle spielen. „Es wäre eine Verurteilung nach der Schweinehund-Theorie“, erklärt Rechtsanwalt Ralf Jordan, der Verteidiger des 27-Jährigen.

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Quelle: dpa

Stadthagen/Bückeburg.  Motto: „Der muss es gewesen sein, weil er vorbestraft ist.“ Tatsächlich dürfe der Angeklagte 1000 Vorstrafen haben. „Das spielt erst bei der Strafzumessung eine Rolle.“ Strafe ist in diesem Prozess jedoch kein Thema mehr.

 Am dritten Verhandlungstag hat die erste Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht Jordans Mandanten jetzt vom Vorwurf der versuchten schweren räuberischen Erpressung freigesprochen. Im Zweifel für den Angeklagten. Sonst hätten dem Stadthäger mehrere Jahre Haft gedroht. „Ich bin hier das Opfer“, betonte er in seinem Schlusswort. Am Ende plädierte selbst Staatsanwalt Wilfried Stahlhut auf Freispruch.

 Zu wackelig war die Aussage des Belastungszeugen, den der 27-Jährige angeblich nachts auf einem Parkplatz an der Schulstraße mit einem Messer angegriffen hat, um dessen Tüte zu bekommen. Zuvor, so der ursprüngliche Vorwurf, soll er den anderen Mann aufgefordert haben: „Verschwinde aus meinem Revier.“ Nachweisen lässt sich nichts davon.

 „Es passt zu früheren Verhaltensmustern des Angeklagten“, so Richter Peter Rohde. Dieser könne sich jedoch glücklich schätzen, dass der Zeuge einen unglaubwürdigen Eindruck gemacht habe. So hatte das mutmaßliche Opfer in einer ersten polizeilichen Vernehmung lediglich zu Protokoll gegeben, der Stadthäger habe ein Messer in der Hand gehalten. Erst später hieß es, dieser habe damit auch zugestochen, ohne allerdings zu treffen. „Das“, so Richter Rohde, „ist ein entscheidender Widerspruch.“

 Hinzu kommt: Der Zeuge hatte kürzlich eine Operation am Gehirn und konnte sich im Prozess nicht einmal an ein Verfahren erinnern, in dem er selbst sich wegen Diebstahls verantworten musste – und das war im Februar.

 Zurück zum aktuellen Prozess: Stahlhut hält die Aussage des Angeklagten für „schlüssig, plausibel und nicht zu widerlegen“. Dennoch: Beide Darstellungen seien möglich. Der Angeklagte hatte drei Entlastungszeugen benannt, die nahezu deckungsgleiche Aussagen machten. Alle bekräftigten die Darstellung des 27-Jährigen, wonach der andere Mann in Panik davongelaufen sei, nachdem der Stadthäger sich nur die Hose hochgezogen habe. Womöglich habe er befürchtet, dass ein Messer gezogen werde.

 Das Gericht hält die drei entlastenden Aussagen für abgesprochen und hat Zweifel an deren Wahrheitsgehalt. „Wahrscheinlich hat es eine Auseinandersetzung gegeben“, glaubt Rohde. „Aber was genau ist passiert?“ Die vier Richter wissen es nicht.  ly

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