Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Zuwanderung endet meist vor dem Amtstor
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Zuwanderung endet meist vor dem Amtstor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 04.04.2015
Quelle: SN
Anzeige
Stadthagen

Die Stadt Stadthagen geht deshalb künftig bei Stellenausschreibungen neue Wege. Zwei Mitarbeiter haben es nach Angaben von Pressesprecherin Bettina Burger geschafft, die Karriereleiter in der Stadtverwaltung hinauf zu klettern: Matthäus Schmidt hat polnische Wurzeln und ist Sachgebietsleiter „Stadtplanung“, die Gleichstellungsbeauftragte Günes Tezcan stammt aus der Türkei.

Dass Migranten, die in Stadthagen über 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, in der Stadtverwaltung unterrepräsentiert sind, liegt nach Angaben von Burger schlichtweg daran, dass zu wenig Bewerbungen eingingen. Deshalb wolle die Stadt künftig bei allen Stellenausschreibungen gezielt Menschen mit familiärer Migrationsgeschichte ansprechen und für die Laufbahn im öffentlichen Dienst werben. Bisher sei das nur erfolgt, wenn es für die zu besetzende Stelle von Vorteil gewesen sei.

In der Kreisverwaltung sind nach Angaben des Ersten Kreisrates „einige“ Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt. Genaue Zahlen liegen nach Angaben von Klaus Heimann aber nicht vor. Ein Blick auf die 25 Amtsleiter verrät jedoch: Bis in die Führungsetage des Landkreises hat es bislang kein Zuwanderer geschafft.

Auch der Blick in die vier Gerichtssäle zeigt: Keiner der 26 Richter in Schaumburg hat einen Migrationshintergrund. Die Direktorin des Amtsgerichts Stadthagen hätte nichts dagegen, wenn sich daran etwas ändert. „Ich habe am Gericht in Hannover erlebt, dass es durchaus von Vorteil sein kann, wenn ein Richter die Landessprache spricht, die Mentalitäten und den Hintergrund der Menschen kennt“, erklärt Regina Benz.

Auch der Sprecher des Niedersächsischen Justizministeriums betont auf Anfrage der SN, dass es erstrebenswert sei, „wenn wir unter den Beschäftigten der niedersächsischen Justiz die Vielfalt der Gesellschaft abbilden. Die Akzeptanz der gerichtlichen Entscheidungen setzt voraus, dass sich die Bevölkerung im Justizsystem repräsentiert fühlt“, so Alexander Wiemerslage.

Allerdings: Einstellungen erfolgen im öffentlichen Dienst streng nach den Kriterien Eignung, Befähigung und fachliche Leistung. „Die Herkunft der Bewerber kann und darf im Rahmen eines Stellenbesetzungsverfahrens nicht berücksichtigt werden“, betont Wiemerslage. Nach Ansicht von Heimann sei es daher wichtig, „den Eignungsvorteil eines Bewerbers objektiv zu begründen, zum Beispiel durch den Verweis auf zusätzliche Sprachkenntnisse“.

Mehr interkulturelle Kompetenz würde auch der Polizei in Stadthagen gut zu Gesicht stehen, findet Sprecher Axel Bergmann. Unter den rund 60 Kollegen habe niemand einen Migrationshintergrund. Als Ursache nennt Bergmann die Tatsache, dass die Dienststelle für viele Kollegen die Endstation ihrer beruflichen Laufbahn sei. „Die Heimatverbundenheit unter den Mitarbeitern ist groß. Entsprechend wenig Fluktuation gibt es bei uns. Wenn ein Kollege hierher kommt, bleibt er in der Regel bis zur Rente.“

Auf zwei Kollegen traf dies jedoch nicht zu: Im vergangenen Jahr habe ein Mitarbeiter mit polnischen Wurzeln Stadthagen den Rücken gekehrt, im Vorjahr sei zudem ein Kollege gegangen, dessen Familie aus der Türkei stammt. „Dabei haben wir festgestellt, dass die Kollegen mit Migrationshintergrund eine echte Bereicherung sind. An jedem Tatort, Unfallort oder bei jeder Vernehmung einen Kollegen zu haben, der die jeweilige Landessprache beherrscht, ist schon toll. Durch ihre Sozialisation waren sie zudem ganz anders in der Lage, in manchen Fällen den kulturellen Hintergrund zu verstehen und zu erklären.“

Bei den Berufsfindungstagen der Schulen sei die Polizei immer präsent und werbe für eine Laufbahn in Uniform, betont Bergmann. „Dabei ist uns aber erstmal egal, ob der Schüler Migrant ist oder nicht.“ ber

Anzeige