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Zwei Geständnisse

Nach Villenviertel-Überfall Zwei Geständnisse

Durch die Anklagebank geht ein Riss. Manchmal fallen kurze Bemerkungen, die alles andere als freundlich klingen. Zwei der drei Männer, die dort sitzen, haben gestanden, an dem brutalen Überfall im Stadthäger Villenviertel beteiligt gewesen zu sein, der dritte beteuert seine Unschuld.

STADTHAGEN. Dabei hält Staatsanwalt Ulf Kranitz ihn für den Drahtzieher.

 „Ich habe mit der Sache nichts zu tun“, versichert der 31 Jahre alte Bremer, der am zweiten Prozesstag sein Schweigen gebrochen hat. Belastet wird er von seinen mutmaßlichen Komplizen, darunter auch ein 24-Jähriger, den die 1. Große Strafkammer am Bückeburger Landgericht im April zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt hatte.

Er und ein zweiter Täter, der jetzt ebenfalls gestanden hat, hatten in der Nacht zum 22. Oktober 2016 vermummt an der Haustür eines Stadthäger Paares geklingelt. In den eigenen vier Wänden wurden die Eheleute ausgeraubt, verletzt, mehrfach mit dem Tode bedroht und gefesselt im Heizungskeller zurückgelassen. Zwei weitere Täter sollen im Auto gewartet haben. Die Beute war gering.

Stimmung ist gereizt

Am jüngsten Prozesstag hat der bereits verurteilte Mann im Zeugenstand seine Darstellung wiederholt, wonach er während der Tat über Ohrhörer Anweisungen von dem mutmaßlichen Drahtzieher bekommen haben will. Der weist die Vorwürfe weit von sich. „Mit Lügen kommen wir nicht mehr weiter, Herr Vorsitzender“, spricht er Richter Norbert Kütemeyer an, muss allerdings zugeben, in früheren Vernehmungen selbst gelogen zu haben.

Die Zuhörerbänke sind voll. Neben Publikum aus dem Landkreis sitzen dort reihenweise Familienangehörige der Angeklagten. Einige fallen durch Zwischenrufe auf. Die Stimmung ist gereizt. Für die Fortsetzung des Prozesses hat die Justiz deshalb ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Zehn Wachtmeister halten sich im Saal auf. Weitere Kräfte sichern die Flure und den Vorplatz des Gebäudes.

Mehrere Stunden lang hat die Kammer zuletzt den mutmaßlichen Drahtzieher befragt, nachdem dieser in eigenen Worten eine Erklärung abgegeben hatte. Den Angaben zufolge ist der 31-Jährige davon ausgegangen, dass Schulden eingetrieben werden sollten, die der Sohn des Paares gehabt habe, mit dem er befreundet gewesen sei. Der Sohn hat eine eigene Wohnung, soll jedoch nicht zuhause gewesen sein.

Angeblich sollte sich der jetzt angeklagte 31-Jährige daraufhin erkundigen, wo die Eltern wohnen. „Ich wollte nicht, dass eine Straftat passiert“, sagt er. „Von ganzem Herzen“ habe er gebeten: „Bringt mich nach Hause.“ Zwei Männer stiegen dann auf einem Parkplatz aus dem Wagen. Der Bremer behauptet, er sei unter Druck gesetzt worden und habe Angst gehabt: „Ich weiß doch, wie die ticken. Aber ich hab’s geschafft, im Auto zu bleiben.“

Rechtsanwalt Matthias V. Steppuhn, der einen der beiden geständigen Angeklagten vertritt, erlaubt sich die Bemerkung: „Sie machen auf mich nicht den Eindruck, dass Sie sich so leicht einschüchtern lassen.“ Fest steht, dass der 31-Jährige recht temperamentvoll wirkt und sehr laut spricht. ly

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