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Stadthagen Stadt „Zweifellos freundschaftliche Übernahme“
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „Zweifellos freundschaftliche Übernahme“
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00:16 21.10.2013
Jürgen Ahrens (von links), Florian Krumblies und Ludger Schmänk schauen sich die Dokumentation an. Quelle: jpw
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Von Jan Peter Wiborg

Stadthagen. „Verfolgungsdruck“ nennt das der hannoversche Historiker Florian Grumblies. Er hat auf Bitten der Firma Hagemeyer die Übernahme – im Jargon der Nazis „Arisierung“ – untersucht. Grumblies ist Mitglied des Arbeitskreises „Geschichte der Juden in Stadthagen“. Den „massiven, politischen Terror“, unter dem die „Arisierung“ zustande gekommen sei, rügte der inzwischen verstorbene Historiker Rolf-Bernd de Groot noch 2009 öffentlich: Das 50-jährige Bestehen sei „kein Anlass für Jubiläumsfeiern“ gewesen. Unter Berücksichtigung der Zwangslage, in der Elias Lion und Moritz Trautmann gesteckt haben, spricht Grumblies nach Sichtung der Akten nun aber Hermann Hagemeyer posthum von persönlicher Schuld frei.

„Hagemeyer hat den Preis gezahlt, den Lion und Trautmann gefordert haben“, berichtet Grumblies, der sich durch einen Brief Trautmanns bestätigt fühlt. Diesen sandte der frühere Eigentümer 1949 aus Chile an Hermann Hagemeyer: „Wir haben sie in sehr freundlicher, angenehmer und dankbarer Erinnerung“, schreibt Trautmann: „Sie waren es, der meine Entlassung aus dem KZ erwirkte.“ Weiter schreibt Trautmann: „Ich betrachte mich als voll abgefunden.“

Mitte August 1949 bestätigten Moritz Trautmann und seine Ehefrau Emilie Trautmann als alleinige Erbin deren Bruders Elias Lion offiziell noch einmal vor dem Notar ihren vollständigen Verzicht auf etwaige Ansprüche. Der freundschaftliche Briefwechsel zwischen dem Mindener Unternehmer und der Familie Trautmann in Chile währt über viele Jahre. Und auch auf den so genannten „goodwill“, den immateriellen Firmenwert – die Nazis hatten entsprechende Zusatzzahlungen seit 1935 verboten – verzichtete Trautmanns Witwe Emilie 1958 noch einmal ausdrücklich.

Aus fachlicher Sicht teilt Krumblies den Nazi-Beute- und Vernichtungsraubzug gegen jüdische Geschäftsinhaber in drei Kategorien: „Es gab bösartige, neutrale und freundschaftliche Übernahmen.“ In diesem Fall handele es sich zweifellos um eine „freundschaftliche Übernahme“. Um aber keinen falschen Zungenschlag in diese Interpretation kommen zu lassen, steht für den Historiker Krumblies wie aber auch für Hagemeyer-Urenkel und Inhaber Jürgen Ahrens und Geschäftsführer Ludger Schmänk fest: „Ohne Nazi-Terror hätten Trautmann und Lion nicht verkauft.“

Elias Lion und sein Schwager Moritz Trautmann kannten den Mindener Textilkaufhausbesitzer Hermann Hagemeyer nicht nur als Geschäftsmann aus der Nachbarschaft. Bis Mai 1933 gehörte Hagemeyer mit seinem Unternehmen auch dem gleichen jüdischen Einkaufskonzern „Katz&Michel“ an, schreibt der Historiker Florian Krumblies.

So schien es für Lion und Trautmann in ihrer Zwangslage naheliegend, sich an Hagemeyer zu wenden. Nach längeren Verhandlungen einigten sie sich am 12. August 1938 auf einen Kaufvertrag. Hagemeyers notwendiger Antrag auf Genehmigung stieß auf entschiedenen Widerstand bei einigen Einzelhändlern, die das Kaufhaus offenbar lieber gänzlich beseitigen wollten. Krumblies nennt den Textilwarenhändler und glühenden Nationalsozialisten Arnold Harmening, zugleich Kreisleiter der NS-Handelsorganisation in Schaumburg-Lippe. Nach einer Intervention des Stadthäger Bürgermeisters genehmigten die Behörden die Übernahme. Allerdings durfte nicht Hagemeyer – dem die Nazis bereits 1933 „jüdisches Geschäftsgebaren“ vorgeworfen hatten – sondern nur sein Geschäftsführer Alfred Thomas das Kaufhaus übernehmen. Hagemeyer fungierte als stiller Teilhaber und lieh seinem Geschäftsführer die andere Hälfte der letztlich gezahlten Kaufsumme von 210 000 Reichsmark. Das Kaufhaus Lion wurde umgebaut und eröffnete als Kaufhaus Alfred Thomas. Hermann Hagemeyer übernahm offiziell erst 1954 das Kaufhaus komplett.

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