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Zum eigenen Wohl „vergrämt“

Stadthagen Zum eigenen Wohl „vergrämt“

Damit Zauneidechse, Turteltaube und weitere Tiere nicht der geplanten Asphalt-Mischanlage im Industriegebiet „Südlich des Georgschachts“ zum Opfer fallen, gibt es ein ganzes Bündel an Artenschutzmaßnahmen, um die im Baugebiet beheimateten Lebewesen zu schützen – aber wie funktioniert das eigentlich?

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Die Zauneidechse - Seltene Exemplare haben eine Rotfärbung am Rücken.

Quelle: pr

Stadthagen (kil).  Aufsicht darüber führt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Population der Zauneidechse, die auf der „roten Liste“ der gefährdeten Tiere in Niedersachsen steht (siehe Kasten). Im Gegensatz zu ihren Tierkollegen ist die Zauneidechse nicht mobil genug und viel zu ortstreu, um sich selbst auf die Suche nach einem neuen und geeigneten Lebensraum zu machen. Deshalb müssen die Menschen nachhelfen. Weil eine manuelle Umsiedlung der Tiere nicht nur zu zeitaufwendig, sondern auch zu stressig für die schreckhafte Art wäre, werden die Zauneidechsen jetzt „vergrämt“, sozusagen vertrieben. Das bedeutet, dass man ihren bisherigen Lebensraum so unattraktiv gestaltet, dass sie von sich aus einen neuen Lebensraum aufsuchen, erklärt Christoph Kranz, stellvertretender Amtsleiter der Naturschutzbehörde. Das funktioniert am besten, in dem man der sonneliebenden Zauneidechse die Unterschlupfmöglichkeiten und zugleich die Chance auf ein „Sonnenbad“ nimmt, weshalb eine künstliche Beschattung sowie das Mähen des Geländes zu den Maßnahmen gehören. „Bei der Vergrämung ist Tempo nötig“, damit die Zauneidechse ihre Eier nicht dort ablegt, wo später der Bagger wütet, sagt Kranz. Der Zeitraum für die Lagerung der Eier bewegt sich nämlich zwischen April und Mai.

Die neue Zielfläche befindet sich etwa 60 Meter Luftlinie westlich vom Baugebiet entfernt. Sie wird aufgesandet und mit Totholz bestückt, so wie es die Zauneidechse gerne hat. Um den Tieren den Weg in ihr neues „Heim“ zu weisen, wird ein rund acht Meter breiter Korridor freigeräumt.

Für die anderen, mobileren Tiere wird auch etwas getan. Östlich des Baugebietes entsteht eine weitere Fläche, auf der junge Bäume und Büsche als Rückzugsorte angepflanzt werden. Die kompletten Maßnahmen werden nach Abschluss noch in einem Drei-Jahres-Rhythmus bis 2022 kontrolliert und nach Bedarf verbessert.

Gefährdung durch Zweckentfremdung

Die Zauneidechse ist ein Reptil und gehört zur Familie der „Echten Eidechsen“. In Deutschland erreicht sie eine Länge von rund 24 Centimetern. Zu ihren Lebensräumen zählen Waldränder, Steinbrüche und Bahndämme. Zauneidechsen sind in Mittel- und Osteuropa sowie Vorderasien zu finden. In Niedersachsen stehen die Tiere auf der „roten Liste“ der gefährdeten Arten. Die Gefährdung resultiert aus einer zunehmenden Landnutzung, die den Verlust geeigneter Lebensräume nach sich zieht, ebenso wie eine starke Bebauung und zweckentfremdete Nutzung von Abbaugruben und Böschungen, heißt es auf der Internetseite des Naturschutzbundes Niedersachsen.

Die weiblichen Zauneidechsen zeichnet ein langer Rumpf aus, die Männchen haben hingegen einen langen Kopf. Die Färbung und Zeichnung der Tiere kann je nach Alter, Geschlecht und Jahreszeit unterschiedlich sein. In der Regel sind die Eidechsen braun mit weißen Akzenten. Ausnahme: In der Paarungszeit können die Männchen eine grünliche Färbung an Kopf, Rumpf und Bauch erhalten.jw

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