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Brandserie: Sirenen-Geheul ist umstritten

Stadthagen / Feuer Brandserie: Sirenen-Geheul ist umstritten

Donnerstagmorgen, kurz vor 4 Uhr: Die drei städtischen Sirenen heulen auf. Hunderte Stadthäger sitzen kerzengerade im Bett. Ist der Brandstifter wieder unterwegs? – schießt es einigen durch den Kopf. Dann ertönen schon die ersten Martinshörner. Nicht jeder Bürger hat Verständnis für das neue Mittel der Polizei und Feuerwehr auf der Jagd nach einem oder mehreren Brandstiftern.

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Quelle: rg

Stadthagen. Seit dem Feuer in einer Laube auf dem Schrebergartengelände am Nordwall ertönen bei jedem Brand ab der Kategorie B2 (mittleres Ereignis mit Gefahr in Verzug) die drei städtischen Sirenen – neben den Brandmeldeempfängern der Einsatzkräfte. Die Hoffnung der Ermittler: Die Bürger werden sensibilisiert, schauen aus dem Fenster und machen wichtige Beobachtungen (wir berichteten).

 Doch nachdem binnen drei Tagen die Sirenen wegen zweier kleinerer Brände ertönt sind, die ersten Erkenntnissen nach nichts mit der Brandserie in der Kreisstadt zu tun haben, kommt Unmut unter den Stadthägern auf. „Da fällt man echt aus dem Bett, und die Kinder bekommen Angst? Muss das sein? Die Feuerwehr hört man ja auch so“, schreibt eine Leserin. Doch es gibt auch Befürworter der lauten Alarmierung. „Ich finde es sehr gut, dann weiß jeder gleich Bescheid und schaut eher aus dem Fenster, um zu sehen, wo was ist. Ich hoffe, dass dadurch die oder der Brandstifter gefasst werden, bevor er oder sie noch Schlimmeres machen“, schreibt eine Leserin bei Facebook. Ein Mann kommentiert: „Ein sehr guter Plan mit der Sirenen-Einführung. Damals wurde auch nur mit Sirene alarmiert, und in anderen Orten von Schaumburg wird auch heute noch damit alarmiert.“

 Auch unter den Feuerwehrleuten ist die Meinung differenziert. „Die Bevölkerung soll aufmerksam gemacht und gewarnt werden“, sagt Stadtbrandmeister Rolf Bruns. „Die kriegen wir ja sonst nicht.“ Es gelte: „Je eher sich Leute bei der Polizei melden, die Beobachtungen gemacht haben, desto schneller sind die Brände zu Ende.“

 Für den Unmut von Stadthägern, die im Schlaf gestört werden, hat Bruns kein Verständnis. „Die sollen sich mal ein Beispiel an uns nehmen. Denn wir müssen dann raus zum Einsatz – und das ehrenamtlich.“ Auch sein Kollege Fabian Deus steht hinter der reaktivierten Sirenenalarmierung. „Natürlich ist das mit Aufregung bei den Bürgern verbunden. Aber der Einsatz der Sirenen ist schließlich zeitlich begrenzt.“

 Wie lange die Sirenen noch bei gemeldeten Feuern aufheulen, ist allerdings offen. Nach Angaben des Polizeipressesprechers Axel Bergmann gilt bis auf Weiteres in der Kreisleitstelle die Anordnung, bei allen Bränden ab der Stufe B2 die Sirenen anzuschalten – so lange, bis der oder die Täter gefasst sind.

 Doch nicht jeder Feuerwehrmann ist von dieser Methode überzeugt. „Der Täter schläft ja auch nicht auf dem Baum. Er wird sein nächstes Handeln daran ausrichten.“ Der Feuerwehrmann, der namentlich nicht genannt werden möchte, hat starke Zweifel, dass der Brandstifter dadurch eher geschnappt wird. Aber es sei nun einmal die Entscheidung von Feuerwehr und Polizei in Stadthagen.

 Dass die Bürger nach den neun ungeklärten Bränden in den vergangenen sieben Wochen beunruhigt sind, spürt auch die Feuerwehr. Aus diesem Grund kündigt Bruns auch eine Übung des zweiten Zuges der Kreisfeuerwehrbereitschaft Nord für den heutigen Freitagabend an. Zwar ertönen um 18.30 Uhr keine Sirenen, dafür aber fahren die Einsatzkräfte mit Blaulicht und Martinshorn zum Übungsort in Probsthagen. vin

Sirenensignale

Beim Aufheulen der Sirenen werden vier Arten der Alarmierung unterschieden:

  • Eine Minute Dauerton, zweimal unterbrochen: Alarmierung der Feuerwehr zu einem Brandeinsatz. Verkehrsteilnehmer sollten besonders auf Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn achten.
  • Eine Minute Heulton: Katastrophenalarm. Alle sind aufgerufen, sich sofort in geschlossene Räume zu begeben und gegebenenfalls schutzlose Passanten bei sich aufzunehmen. Fenster, Türen und Belüftungen sollten geschlossen bleiben, Klimaanlagen ausgeschaltet. Rauchverbot! Radio und Fernsehen sollten eingeschaltet bleiben. Das Telefon sollte nur im Notfall genutzt werden (Tel. 112 und 110). Im Verteidigungsfall steht dieses Signal für Luftschutzalarm.
  • Eine Minute Heulton, zweimal unterbrochen , nach 30 Sekunden Wiederholung: Im Verteidigungsfall signalisiert dies ABC-Alarm.
  • Eine Minute Dauerton: Entwarnung im Verteidigungsfall.

Leserbrief: Vielen Dank an die Feuerwehr

„In der heutigen Zeit wird man nachts von der Sirene geweckt, anschließend ertönten die Sirenen der Feuerwehr. Man wird wach und muss sich gleich fragen, wo das Feuer ist, hoffend drauf, dass es weit weg von Zuhause ist und dass keiner verletzt wird. Da kommen einem gleich Fragen in den Sinn: Was, wenn es hier einmal brennt? Würde ich noch etwas retten können?
Und das alles, weil jemand Aufmerksamkeit braucht? Weil es der Person anscheinend Spaß macht, fremde Sachen in Brand zu setzen und zu zerstören? Muss man unnötig Menschen in Gefahr bringen und mit voller Absicht so einen Schaden anrichten? Da fragt man sich wirklich: ‚In was für einer Welt leben wir?‘
Ich hoffe, es wurde keiner verletzt und der Brand wurde erfolgreich gelöscht. Vielen Dank an die Freiwillige Feuerwehr, die Tag für Tag versucht, die Welt sicherer zu machen und zu helfen!“
 Eileen Martin, Stadthagen

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