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Parallelen zur Brandserie 2012

Stadthagen / Ungeklärte Feuer / Mit Kommentar Parallelen zur Brandserie 2012

Das Feuer in der Schrebergarten-Laube am Nordwall am Dienstagnachmittag war gerade gelöscht, da wurde im Polizeikommissariat Stadthagen eine Krisensitzung einberufen.

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Acht ungeklärte Brände beschäftigen seit einem Monat Polizei und Feuerwehr.

Quelle: rg

Von Verena Insinger

Stadthagen. Dienststellenleiter, Mitglieder der Ermittlungsgruppe, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, Leiter des Kriminalermittlungsdienstes sowie Polizeipressesprecher versammelten sich zu einer Besprechung. Zwei Stunden lang sprachen sich die Beamten ab, wie sie sich für die nächsten Tage aufstellen wollen. Wie wird die Spurenauswertung angegangen? Wer befragt die Zeugen? Wie werden die Kollegen eingesetzt, um auch bei einem erneuten Brand genug Einsatzkräfte vorhalten zu können? Diese Fragen galt es, zu klären. Unterstützung erhalten die Stadthäger Polizisten derzeit von Kollegen aus den benachbarten Dienststellen der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg.
Zur Spurenlage: Nach Angaben des Polizeipressesprechers Axel Bergmann wurden an jeder der acht vergangenen Brandstellen Spuren gesichert. Bei dem Stallbrand Dienstagmorgen an der Lauenhäger Straße etwa stellten die Kriminaltechnischen Ermittler Fußspuren auf dem Feld hinter der Schweinezuchtanlage sicher. Einige der gesammelten Spuren wurden bereits ans Landeskriminalamt nach Hannover geschickt.

Dennoch steht die Polizei derzeit vor zahlreichen offenen Fragen: „Bis auf die Tatsache, dass bei einigen Feuern fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung ermittelt wurde, haben wir bislang keinen endgültigen Beweis, ob etwa Brandbeschleuniger genutzt wurde“, sagt Bergmann. „Bei keinem der acht Feuer haben wir die Brandursache abschließend ermitteln können.“ Es bleiben also acht ungeklärte Brände binnen eines Monats in Stadthagen und Hülshagen. Trotz der Erfahrungen der 16-fachen Brandfolge von 2012, die auch nach einem Jahr ungeklärt ist, vermeidet die Polizei das Wort „Serie“. Bergmann: „Zum Teil sind die Brände so unterschiedlich, dass wir nicht von einer Serie sprechen wollen.“

Für den Laien sind die Feuer allerdings gar nicht so unterschiedlich. Bis auf die vorsätzliche Brandstiftung in einem Flur eines Mehrfamilienhauses an der Niedernstraße waren jeweils Schuppen, Hütten und Anbauten betroffen. Beim Blick auf die Serie im vergangenen Jahr lässt sich feststellen: Bis auf angesteckte Mülltonnen waren damals auch Hütten, Container und Schuppen betroffen.
Pikant: Sowohl im Pflanzenhof Stadthagen als auch auf dem Gelände des Schrebergartens am Nordwall hat es bereits bei der vergangenen Serie gebrannt.

Bei zwei der neuerlichen Feuer war ein Bezug zum historischen Schützenfest Stadthagen zu erkennen. Erst brannte am Montag das Rottlokal der Jungen Bürger, einen Tag später stand die Laube auf dem Gelände in Brand, auf dem das Rosen-Rott zum Schützenfest ihr Zelt aufschlägt. Bergmann: „Wir haben keine Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zum Schützenfest gibt, können aber auch nicht ausschließen, dass es sich um einen Schützenfest-Hasser handelt. Zum jetzigen Zeitpunkt schließen wir überhaupt nichts aus.“ Hinweise auf eine verdächtige Person liegen derzeit nicht vor.

Stadthäger sind verängstigt

Erschöpfte Feuerwehrhelfer, ängstliche Bürger, Überlegungen zu Überwachungskameras auf Privatgrundstücken: Die aktuelle Brandserie hält Stadthagen in Atem.
Erst vor einem Jahr lebten die Bürger zwei Monate lang in Angst und Schrecken. Damals beschäftigten 16 Brände im Oktober und November Polizei und Feuerwehr. Am Ende nahmen die Beamten einen 19-jährigen Tatverdächtigen fest. Zuvor hatten zahlreiche Polizisten den jungen Stadthäger über Tage observiert. Anfang dieses Jahres erhob die Staatsanwaltschaft Anklage, es kam zum Prozess vor der 1. Großen Jugendstrafkammer am Landgericht Bückeburg. Doch der junge Mann wurde in allen Punkten, darunter auch Handtaschenraub, freigesprochen. Das ist jetzt noch nicht einmal zwei Monate her. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
Die Staatsanwaltschaft Bückeburg hat bereits Revision dagegen eingelegt. Sobald sie die Akten schriftlich vorliegen hat, sollen diese auf Rechtsfehler überprüft werden, sagt Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Anschluss entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob das Rechtsmittel endgültig durchgeführt oder das Urteil letztendlich rechtskräftig wird.

Dieses Randgeschehen interessiert die Menschen in Stadthagen derzeit jedoch wenig. Sie treibt Tag für Tag die Angst um, dass es wieder brennt, vielleicht ja auch bei ihnen selbst. „Irgendwann kommt noch ein Mensch zu Schaden“, schreiben zahlreiche Leser bei Facebook. Wiederum andere ziehen in Erwägung, eine Überwachungskamera auf ihrem Grundstück zu installieren. „Wie kann es sein, dass der Täter nicht beobachtet wird, wenn er am helllichten Tag Feuer legt?“, fragt eine Leserin. Und genau bei diesem Ansatz setzt die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Wir brauchen jede noch so kleine Beobachtung“, betont Polizeipressesprecher Axel Bergmann. „Letztendlich kann es das fehlende Puzzleteil für ein Gesamtbild sein.“

Kommentar

Von Verena Insinger

Polizei unter Zugzwang

Auch wenn die Polizei das Wort „Brandserie“ noch nicht in den Mund nehmen will, ist den Stadthägern schon längst klar: Ja, wir haben es wieder mit einem Feuerteufel zu tun. Obwohl nach ersten Erkenntnissen wahrscheinlich nicht alle Brandstiftungen auf das Konto ein und desselben Täters gehen, einige haben sehr ähnliche Charakteristika und noch frappierender: sie weisen Parallelen zu Bränden der vergangenen Feuer-Reihe auf.
Nach der Brandserie 2012, dem Prozess, dem Freispruch und den erneuten Feuern steht die Polizei stark unter Zugzwang. Und das zurecht. Ist es doch ihre Aufgabe, in ihrem Dienststellengebiet für Sicherheit zu sorgen. Und 24 bislang ungeklärte Brände binnen eines Jahres sind ein mangelhaftes Zeugnis.

In diesen Tagen spielt es kaum eine Rolle, ob der damalige Tatverdächtige die Brände gelegt hat, oder nicht. Ein deutsches Gericht hat ihn freigesprochen und den ermittelnden Behörden Handwerksfehler attestiert – Fehler, die sie bei den aktuellen Ermittlungen tunlichst vermeiden sollten.
Viele Stadthäger sind sich mittlerweile sicher, dass es eine Verbindung zwischen der Brandserie 2012 und den aktuellen Feuern gibt. Dennoch besteht auch die Möglichkeit eines bislang unbekannten Täters, der seit einem Jahr unbehelligt in Stadthagen zündelt.
Beide Vorstellungen sind mehr als beängstigend. Die Stadthäger wollen einfach wieder ruhig schlafen und die Einsatzkräfte der Feuerwehr sich endlich wieder ausruhen können.

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